Waltz, LocoSoul, Dessinee:

Waltz, LocoSoul, Dessinee - Wenn ihr auf Schallplatten steht, sind diese Läden in Tokio genau das Richtige für euch

Die traurige Wahrheit ist, dass ich seit Neuestem bei Musik, die nach dem Schicksalsjahr 1989 entstanden ist, psychische Zustände bekomme. Die Neunziger waren schrecklich, die 2000er waren schrecklich – und…
Waltz, LocoSoul, Dessinee

Wenn ihr auf Schallplatten steht, sind diese Läden in Tokio genau das Richtige für euch

Die traurige Wahrheit ist, dass ich seit Neuestem bei Musik, die nach dem Schicksalsjahr 1989 entstanden ist, psychische Zustände bekomme. Die Neunziger waren schrecklich, die 2000er waren schrecklich – und alles, was danach kam, sowieso. Wenn ich im Fernsehen junge Menschen sehe, die rhythmisch zu Image Dragons, Ed Sheeran oder Helen Fischer klatschen, dann möchte ich ins jeweilige Studio fahren und jedem Einzelnen eine reinhauen. Doch nicht nur bei objektiv schlechter Musik der Neuzeit möchte ich mich bevorzugt heulend in der Ecke verstecken, sondern auch bei Songs, die ich eigentlich gut finden sollte – doch das geht irgendwie nicht mehr.

Dua Lipa, Billie Eilish, Kendrick Lamar – das sind alles großartige Künstler einer neuen Generation, die schon bald die Welt beherrschen wird. Ihre Songs sind poppig, dystopisch und authentisch – alles, was ich mag. Aber es geht nicht mehr. Ich habe nun offiziell genug Musik in meinem Leben gehört, um sagen zu können: Nope, ab jetzt ist alles nur eine Wiederholung von Dingen, die es schon gab und die es immer und immer wieder geben wird, nur mit anderen Gesichtern und in anderen Tonlagen. Und auf diese Einstellung bin ich nicht stolz, ganz im Gegenteil. Denn für jemanden, der ein Popkulturmagazin betreibt, das am besten auch immer das Neueste aus dem Bereich der Musik vorstellt, ist solch eine Aussage eher suboptimal.

Mein Problem ist dabei nicht nur, dass ich moderne Musik grässlich finde, sondern auch, dass ich die Musik meiner Jugend, die man eigentlich feiern sollte, grässlich finde. Wenn ich noch einmal Nirvana, Shakira oder die Spice Girls hören muss, werde ich zum Massenmörder – ganz ehrlich. Abhilfe schafft da nur, sich in die wohlig warmen Arme längst vergessener Künstler wie Haruomi Hosono, Alessandro Alessandroni oder Sonny Rollins zu legen, die so dermaßen fern der Popkultur sind, dass man sich quasi auf einer einsamen Insel der Musik befindet. Und wo könnte man diese Klänge besser finden als in den Plattenläden einer weit entfernten Stadt? Die Jungs und Mädels von Walk 3000 stellen euch in ihrer Serie “Tokyo Vinyl” die besten Plattenläden der japanischen Hauptstadt vor, darunter unter anderem Waltz, LocoSoul und Dessinee, aber auch HMV. Wer hier nichts findet, um seinen modernen Musikhass zu stillen, dem ist quasi nicht mehr zu helfen…

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