Das Schweigen brechen:

Das Schweigen brechen - Die Bloggerin Masha Sedgwick spricht in ihrem neuen Podcast über ihre Abtreibung

Abtreibungen zählen auch in der heutigen Zeit noch zu den absoluten Tabuthemen. Wie es der Gesellschaft erklären, dass man sein eigenes Lebensglück über das seines ungeborenen Kindes stellt? Bin ich…
Das Schweigen brechen

Die Bloggerin Masha Sedgwick spricht in ihrem neuen Podcast über ihre Abtreibung

Abtreibungen zählen auch in der heutigen Zeit noch zu den absoluten Tabuthemen. Wie es der Gesellschaft erklären, dass man sein eigenes Lebensglück über das seines ungeborenen Kindes stellt? Bin ich ein Mörder, wenn ich mich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheide? Und hat der Vater des Kindes denn gar nichts mitzuentscheiden? In Deutschland wurden im Jahr 2015 knapp 100.000 Abtreibungen registriert. Am häufigsten wurden dabei Schwangerschaften in der Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen künstlich beendet.

Fast 58 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche wurden zudem von ledigen Frauen durchgeführt. Unter verheirateten Frauen waren es im Jahr 2015 knapp 38 Prozent. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2012 stimmten 90 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass ein Schwangerschaftsabbruch möglich sein sollte, wenn die Schwangerschaft Folge einer Vergewaltigung ist. Hingegen stimmten lediglich 41 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass Frauen unabhängig ihrer Gründe, einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen können. Doch Statistiken können eines nie korrekt darstellen: Das persönliche Leid.

Die Bloggerin Masha Sedgwick spricht in in der neuesten Folge ihres Podcasts “MatchaLatte“, den sie gemeinsam mit Lisa Banholzer betreibt, offen über ihre Abtreibung, die sie vor knapp zehn Jahren vornehmen ließ. “Gebannt schaue ich auf den Test und beobachte wie sich erst ein, dann auch der zweite Strich färbt”, erinnert sich die heute 29-Jährige. “Mit einer aufkommenden Angst im Bauch realisiere ich, was das bedeutet. Trotzdem dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis diese Nachricht auch vollständig bei mir ankommt. Es ist 2010 und ich bin Studentin mit mindestens einem Nebenjob und chaotischen Lebensverhältnissen. Während ich versuche Studium, Nebenjob und Privatleben auszubalancieren, bin ich noch mitten drin mich selbst zu finden. Vor Kurzem hatte ich einen schlimmen Autounfall, bei dem ich fast ums Leben kam, doch nicht nur der bereitet mir schlaflose Nächte, sondern auch meine Beziehung, denn wir sind nicht mehr das, was wir mal waren.”

Und weiter: “Ich halte diesen Test in meiner Hand und alles in mir schreit Nein. Nein. Nein. Nein. Ich will das nicht. Manchmal kommt alles auf einmal und eine Katastrophe folgt die Nächste. Und dann auch auch noch das. Schwanger. Ich fühle mich wie benommen und während sich die Entscheidung in meinem Herzen manifestiert, gehe ich online und suche nach folgendem Schlagwort: Abtreibung. Erst am Abend erzähle ich meinem Freund von der Schwangerschaft und meiner Entscheidung. Er wirkt enttäuscht und zugleich erleichtert. Auch bei ihm spüre ich einen Mix der Gefühle. Wir sind einfach nicht so weit – und was ich insgeheim vielleicht schon spürte: wir würden es auch nie sein.”

Nach der Abtreibung fühlt Masha neben Erleichterung, Befreiung und Schmerz auch eine Sehnsucht nach einem besseren Morgen und einem Leben, bei dem sie sich bewusst für Kinder entscheidet. Und auch im Jahr 2019 müssen Mädchen immer noch dafür kämpfen, dass sie sich, ohne sich dafür vor irgendwem dafür rechtfertigen zu müssen, warum man nicht korrekt verhütet hätte, warum man beim nicht einvernehmlichen Sex so offenherzig gekleidet war, dass man doch selbst daran schuld sei, wenn man jetzt einen Braten in der Röhre hätte und nun mit den Konsequenzen leben müsse, für eine Abtreibung entscheiden könne. Masha jedenfalls kämpft nun für eine bessere Zukunft, in der Mädchen selbst über ihren Körper entscheiden dürfen. Die aktuelle Folge ihres Podcasts “ MatchaLatte ” könnt ihr euch hier anhören.

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6 Kommentare

  • Mark

    Dieses Thema ist nicht wirklich ein Tabuthema. Es Ecken eben nur viele damit an, was zum Großteil auch an der Art und Weise wie darüber diskutiert wird, liegt.
    Dabei ist auch viel Hysterie im Spiel. Oft werden Dinge als „Maßnahme gegen Abtreibungen“ interpretiert, die eigentlich nichts damit zu haben und dieses Option unangetastet lassen.

    Ich persönlich denke, dass eine Frau die kein Kind möchte, abtreiben können sollte. Dieser Umstand ist derzeit auch gegeben.

    Das es eine schwere Entscheidung ist, das steht auf einem anderen Blatt und daran lässt sich leider nichts ändern. Auch wenn man die Umstände einer Abtreibung erleichtert, wird die Schwere dieser Entscheidung (man selbst muss damit klar kommen) davon nicht beeinträchtigt.

    Auch diese Doppelmoral stört mich enorm. Ein Mann ist immer selbst schuld wenn er ungewollt Vater wird, eine Frau soll aber nichts dafür können?

    Auch wird so getan, als würde es Väter nicht geben, jedenfalls wenn es um Abtreibungen geht. Denn dann ist es „ihr Körper und ihre Entscheidung“. Alles ganz einfach.
    Aber wenn diese Entscheidung so aussieht, das Kind zu bekommen, dann gelten plötzlich wohl wieder völlig andere Regeln und ein Vater hat auf einmal ja seinen Teil dazu beigetragen und ist nun mitverantwortlich, ob er nun will oder nicht. Dann ist die ganze Sache auf einmal wieder höllisch kompliziert? Dann wird das ganze plötzlich völlig neu und anders bewertet?

    Fazit: Es handelt sich wohl eher um Kompensation und Projektion einer Person die mit den Konsequenzen ihrer eigenen Entscheidung zu kämpfen hat, als um ein gesellschaftliches Problem.
    Es wird niemand kommen und dir sagen, dass das die absolut richtige Entscheidung für dich war und du etwas gut gemacht hast, weil das niemand kann.
    Das sollte man dabei Akzeptieren, weil es nunmal unweigerlich dazu gehört. Es geht hier nicht darum alle anderen glücklich zu machen, also sollte man damit leben können, wenn nicht jeder damit glücklich ist.

    Ich finde es wichtiger über diesen Aspekt zu sprechen, als über alles andere drum herum.

  • Masha

    Danke für deinen schönen Beitrag :)
    Es ist toll zu wissen, dass man Support hat!

    xx