Vergeudetes Gelaber:

Vergeudetes Gelaber - Niemand hört sich deinen Podcast an, also such dir endlich einen richtigen Job

Du bist immer am Zahn der Zeit und gleichzeitig auf der Suche nach ein bisschen Ruhm für die bekannten 15 Minuten? Dann hast du bestimmt schon mit dem Gedanken gespielt,…
Vergeudetes Gelaber

Niemand hört sich deinen Podcast an, also such dir endlich einen richtigen Job

Du bist immer am Zahn der Zeit und gleichzeitig auf der Suche nach ein bisschen Ruhm für die bekannten 15 Minuten? Dann hast du bestimmt schon mit dem Gedanken gespielt, dir einen eigenen Podcast zuzulegen. Vielleicht hast du sogar schon damit angefangen, in deinem Kinderzimmer mit Hilfe deines iPhone 4 die ersten Folgen aufzunehmen und suchst nun verzweifelt nach einem Weg, deinen drei Bekannten, die sich aus Mitleid dein Geschwafel anhören würden, deine beschissenen Aufnahmen auf Plattformen wie Spotify oder Deezer zugänglich zu machen.

Oder du bist sogar schon einen Schritt weiter und lädst deine geistigen Ergüsse bei Soundcloud hoch, in der Hoffnung, dass wenigstens deine Mutter dazu erbarmt, dir einmal wöchentlich dabei zuzuhören, wie du Dinge erzählst, die einfach niemanden interessieren. Ja, noch nicht mal deine Mutter, die sich sonst immer beschwert, dass sie so wenig und selten von dir hört.

Podcasts werden derzeit gehyped als wären sie das neue Instagram, doch die Wahrheit, die du vermutlich nicht hören willst, ist: Niemand hört sich deinen Podcast an. Nicht deine vermeintlichen Freunde aus der Schule oder dem Internet, nicht deine Mutter, und erst Recht nicht irgendwelche wildfremden Leute, die dich überhaupt nicht kennen. Du kannst es also direkt sein lassen und dir ein richtiges Hobby suchen. Oder einen Job, denn wenn du dir erhoffst, mit deinem Podcast wie nebenbei auch noch reich zu werden, muss ich dir leider direkt sagen, dass das wohl ein Wunschtraum bleiben wird. Egal, wie viel Mühe du dir bei der Themenfindung und der Umsetzung gibst.

Am Ende wirst du mehr Geld in teures Equipment oder sogar die Anmietung eines Tonstudios investieren, als dir dein Podcast jemals einbringen wird. Ja, auch dann, wenn du auf den Trendzug mit aufspringst und nur noch Podcasts produzierst, die sich thematisch um Analsex oder das Aufspritzen deines G-Punks drehen, denn inzwischen will nicht mal das irgendjemand noch hören. Erst recht nicht von einem unwissenden und pickeligen Teenager wie dir, dem im echten Leben garantiert noch nie gefickt hat und für den der G-Punkt ein genauso großes Mysterium ist wie, sagen wir, das Universum oder die Relativitätstheorie.

Gefühlt tauchen inzwischen jede Woche um die 2000 neue Podcasts auf, die am Ende des Tages einfach niemanden interessieren. Nicht nur die Hörbuch-Plattform Audible setzt auf „Original Podcasts“, die man nur dann anhören kann, wenn man ein Abo abgeschlossen hat, das fast zehn Euro pro Monat kostet. Inzwischen wurde mit Podcasterinnen.org sogar eine eigene Plattform speziell für weibliche und nicht-binäre Podcaster geschaffen. Das mag auf den ersten Blick ja ganz nett aussehen, wirft aber die Frage auf, wer sich die ganze Scheiße eigentlich überhaupt anhören soll – zumal sich locker 50% der dort gelisteten Podcasts, wie sollte es anders sein, um Sex drehen. Mir bleibt an dieser Stelle nichts anderes, als einmal herzhaft zu gähnen.

Natürlich gibt es auch gute Podcasts, die es sich zu hören lohnt. Zu nennen wären da in jedem Fall der True-Crime-Podcast „Serial“ und natürlich „Fest und Flauschig“, der Podcast mit Olli Schulz und Jan Böhmermann, den es exklusiv auf Spotify auf die Ohren gibt. Auch „Faking Hitler“, an dem Ex-VIVA-Moderator und Podcast-Vorreiter Nilz Bokelberg beteiligt ist, ist durchaus zu empfehlen. Danach hört es aber auch schon auf.

Trotzdem wollen mir diverse Streaming-Anbieter jede Woche neue sinnlose Podcasts verkaufen, die ich mir doch bitte anhören soll. Darunter jede Menge Podcasts von Influencerinnen, die meinen, sie müssten mir ihre Gedanken zu Schminke, vermeintlichen gesellschaftlichen Missständen, Politik und „Mindfulness“ jetzt auch noch auf diesem Wege aufdrücken. So, als würden sie mich mit ihrer falschen Art auf Instagram und YouTube, die nur dazu dient, neue Follower anzulocken, mit denen sich dann Geld verdienen lässt, nicht schon genug belästigen.

Ich hoffe, dass der Podcast-Trend so schnell wie er gekommen ist auch wieder in der Versenkung verschwindet. Ich hoffe es nicht nur, ich glaube sogar fest daran. Immerhin ist das mit anderen Online-Phänomenen ja genauso passiert. Oder erinnert sich noch jemand an die YouTube-Videos von der damaligen Vorzeige-YouTuberin Daaruum, die sich inzwischen nur noch unter ihrem echten Namen Nilam Farooq zeigt? Deren Videos hat irgendwann auch niemand mehr geschaut.

Du spielst trotzdem noch mit dem Gedanken, dir einen Podcast zulegen und Familie und Freunde mit deinen verbalen Ergüssen zu belästigen? Dann such dir am besten sofort professionelle Hilfe, echte Freunde, die sich gerne mit dir unterhalten und einen richtigen Job, der dir dabei hilft, dein Clearasil zu bezahlen. Ich kann dir nämlich versprechen, dass du mit Podcast weder reich noch berühmt werden willst und dich vermutlich noch nicht einmal für eine Teilnahme bei „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ qualifizieren wirst. Schließlich weiß bis heute niemand, wer Leila Lowfire eigentlich ist und was sie überhaupt im Dschungelcamp zu suchen hatte.

Also verzichte auf einen eigenen Podcast und investiere deine Zeit lieber in sinnvolle Projekte. Zum Beispiel, indem du dir vornimmst, aktiv an der Verbesserung der Welt mitzuarbeiten oder auch, indem du die Zeit, die du in einen Podcast investiert hättest, einfach dazu nutzt, deiner liebsten Porno-Seite im Internet einen Besuch abzustatten und dir mal wieder so richtig schön einen von der Palme zu wedeln.

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