Studienfinanzierung:

Studienfinanzierung - Die Zahl der BAföG-Empfänger ist in den vergangenen Jahren massiv gesunken

Das BAföG, oder genau genommen das Bundesausbildungsförderungsgesetz, gilt unter vielen Studenten und Schülern als Synonym für finanzielle Hilfe bei ihrem Bildungsweg. Nach der Einstellung der seit 1957 existierenden Studienförderung nach…
Studienfinanzierung

Die Zahl der BAföG-Empfänger ist in den vergangenen Jahren massiv gesunken

Das BAföG, oder genau genommen das Bundesausbildungsförderungsgesetz, gilt unter vielen Studenten und Schülern als Synonym für finanzielle Hilfe bei ihrem Bildungsweg. Nach der Einstellung der seit 1957 existierenden Studienförderung nach dem sogenannten Honnefer Modell wurde am 1. September 1971 das BAföG als Vollzuschuss, es musste also nichts zurückgezahlt werden, unter der Kanzlerschaft Willy Brandts für individuell bedürftige Schüler und Studenten eingeführt. Gegenüber dem Vorgängermodell hatte es einen breiteren Kreis von Empfangsberechtigten und garantierte einen Rechtsanspruch auf Förderung. Die Förderung wurde damit einklagbar.

Im Jahr 2010 beschloss die Bundesregierung unter Angela Merkel eine Novelle des BAföG. Die allgemeine Altersgrenze von 30 Jahren wurde für Masterstudiengänge auf 35 Jahre angehoben. Begabungs- und leistungsabhängige Stipendien bis zu 300 Euro monatlich werden seither von einer Anrechnung auf den Bedarfssatz nach BAföG ausgenommen. Im August 2014 gab die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka bekannt, dass die Ausbildungsförderung ab Herbst 2016 um insgesamt sieben Prozent angehoben wird. Zum Schuljahr bzw. Wintersemester 2016/17 hob der Bund dann die Bedarfsätze und Freibeträge um weitere sieben Prozent an. Damit wurde die Zahl der potentiellen Empfänger um rund 110.000 Studierende und Schüler erweitert.

Wie die ZEIT berichtet, ist die Zahl der geförderten Studierenden und Schüler in den vergangenen Jahren trotz oder gerade wegen der zahlreichen Änderungen zurückgegangen: “Der Rückgang habe sich auch 2017 fortgesetzt, heißt es in einer Antwort des Bildungsministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen. In dem Jahr bekamen noch rund 557.000 Studierende und 225.000 Schülerinnen und Schüler BAföG. Damit ist die Zahl der Geförderten in vier Jahren um knapp 180.000 Menschen gesunken. Der Grünen-Bildungsexperte Kai Gehring sprach von einem fatalen Absturz dieses wichtigen Chancengerechtigkeitsgesetzes. Ein Ende der dieser Entwicklung sei nicht in Sicht. Die geplante Reform des BAföG sei nicht ausreichend.”

Und weiter: “Bildungsministerin Anja Karliczek von der CDU hat bereits eine Reform des BAföG-Gesetzes angekündigt. Bedürftige Studierende, Schülerinnen und Schüler sollen ab Mitte dieses Jahres mehr BAföG bekommen. Der Höchstsatz soll bis 2020 von derzeit 735 Euro auf rund 850 Euro im Monat steigen, der Wohnkostenzuschuss von 250 Euro auf 325 Euro monatlich angehoben werden. Zudem ist geplant, die Freibeträge für das Einkommen der Eltern bis 2021 um insgesamt 16 Prozent anzuheben. Damit hätten mehr junge Menschen Anspruch auf die Förderung.”

Kai Gehring forderte, die Freibeträge und Fördersätze müssten zum nächsten Semester um mindestens zehn Prozent steigen, danach automatisch und auch regelmäßig. “Union und SPD dürfen das BAföG nicht ruinieren, sondern müssen es beherzt stärken, um Bildungsaufstieg zu ermöglichen, persönliches Wachstum und volkswirtschaftlichen Wohlstand zu sichern”. Laut Bundesregierung beantragen nur sehr wenige Studenten und Schüler BAföG über das Internet. Von Juni 2017 bis April 2018 waren es demnach nur 590. Viel zu wenig, die Onlineantragstellung muss überarbeitet und vereinfacht werden. Ob die geplanten Reformen das BAföG wieder lebensnaher machen, muss beobachtet werden, schließlich ist die Zuzahlung für viele Studenten und Schüler die einzige Möglichkeit, um sich den Weg für ihre Bildungsziele zu ebnen – und ein Recht auf Bildung sollte vom Staat immerhin garantiert werden. Auch finanziell.

Abonniert unseren Newsletter!

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu: