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Ungekommen - Ich bin jetzt Mitte 20 und hatte noch nie in meinem Leben einen richtigen Orgasmus

Die traurige Wahrheit ist: Ich hatte noch nie in meinem Leben einen richtigen Orgasmus. Weder wenn ich es mir selbst gemacht habe, noch wenn ich Sex mit meinem Freund hatte.…
Ungekommen

Ich bin jetzt Mitte 20 und hatte noch nie in meinem Leben einen richtigen Orgasmus

Die traurige Wahrheit ist: Ich hatte noch nie in meinem Leben einen richtigen Orgasmus. Weder wenn ich es mir selbst gemacht habe, noch wenn ich Sex mit meinem Freund hatte. Und das obwohl ich inzwischen Mitte 20 bin und schon einige sexuelle Beziehungen hinter mir habe. Darunter sogar eine mit einer Frau, weil ich durch das Fehlen eines sexuellen Höhepunktes zwischenzeitlich mal kurz dachte, dass ich eine Lesbe sei und nur deshalb beim Sex mit Männern und mir selbst nicht kommen würde.

Das stellte sich allerdings sehr schnell als Trugschluss heraus. Die Frau, mit der ich im Bett war, konnte mich auch nicht zum Orgasmus bringen – und ich musste feststellen, dass ich fremden Muschis so wirklich gar nichts abgewinnen kann.

Wenn ich meinen Freundinnen davon erzähle, dass ich noch nie einen sexuellen Höhepunkt hatte, reagieren die meistens schockiert. Dass man beim Ficken einfach nicht kommen kann, kennen sie alle. Doch dass es auch bei der Selbstbefriedigung mit den Fingern oder diversem Spielzeug einfach nicht klappen will, finden sie alle dann doch ungewöhnlich, wenn nicht sogar komplett unverständlich.

Tipps, wie ich es schaffen kann, mich selbst so zu stimulieren, dass ich auch mal in den Genuss eines sexuellen Höhepunktes komme, haben sie allerdings nicht so wirklich parat. Außer: üben, üben, üben und sich vielleicht weniger auf den sogenannten G-Punkt zu konzentrieren und mehr auf den Kitzler.

Einmal sprach ich das Problem mit dem fehlenden Orgasmus bei meiner Frauenärztin an, weil ich es einfach leid war, das einzige Mädchen, wenn nicht sogar die einzige Person in meinem gesamten Freundeskreis zu sein, die nicht wusste, wie sich so etwas anfühlt, geschweige denn, wie man überhaupt in die Nähe von so etwas wie einem Höhepunkt kommt.

Deren erste Frage war, ob ich als Kind sexuell missbraucht oder später von einem meiner Partner vergewaltigt worden war. Beides ist nicht der Fall. Nachdem ich ihr das so gesagt hatte, bekam ich als Tipp, mich einfach zu entspannen und vom Druck zu lösen, dann würde es schon klappen mit dem Höhepunkt. Das tat es aber nicht. Egal, wie sehr ich mich und meine Vaginalmuskeln zu entspannen versuchte.

Mag ja sein, dass sexuelle Probleme mit sexualisierter Gewalt in Verbindung stehen, bei mir ist das allerdings nicht der Fall. Was es für mich nur noch umso frustrierender macht, dass ich keinen Orgasmus kriegen kann, weil es mir das Gefühl vermittelt, dass mit mir und meinem Körper einfach ganz grundlegend etwas falsch ist.

Dass ich asexuell sein könnte, glaube ich übrigens auch nicht. Ich habe in meiner Verzweiflung nämlich irgendwann begonnen, mich mit dem Thema Asexualität zu beschäftigten und das, was andere asexuelle Menschen so in Bezug auf ihre eigene Sexualität so beschreiben, trifft auf mich ganz und gar nicht zu.

Ich fühle mich sehr wohl zu anderen Personen (oder besser gesagt zu Männern) sexuell hingezogen, werde bei Berührungen an den richtigen Stellen geil und beim Anblick diverser Deutschrapper mit Migrationshintergrund sogar ziemlich feucht und habe generell sehr gerne Sex. Nur mit dem Orgasmus will es bei mir nicht so richtig klappen. Und ich will ehrlich sein: Inzwischen leide ich darunter sehr.

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass das Schlimmste, was einem Mann passieren kann, ein gespielter Orgasmus ist. Ich glaube, das Schlimmste, was einem Mann passieren kann, ist wenn die Frau, die er bumst, generell keinen Orgasmus kriegt. Meine letzte Beziehung ist daran sogar zerbrochen, obwohl es nun wirklich nicht seine Schuld war, dass ich einfach nicht kommen konnte. Hätte ich ab und an mal etwas vorgetäuscht, wären wir heute mit Sicherheit noch zusammen. So aber hat er drei Jahre weggeworfen, nur weil mein Körper nicht so wollte, wie wir beide uns das erhofft hatten.

Um unsere Beziehung irgendwie zu retten, haben wir es sogar mit Analsex und BDSM versucht – erfolglos. Es hätte ja sein können, dass ich nur dann einen Orgasmus bekomme, wenn ich geohrfeigt werde, während mir mein Freund mit seinem Schwanz ins Arschloch hämmert, doch nicht einmal das war der Fall. Zugegeben, es hätte mich schon stark gewundert, wenn ausgerechnet das funktioniert hätte, aber probieren geht ja bekanntermaßen über studieren, und um meine Beziehung zu retten, wollte ich nichts unversucht lassen.

Abgesehen davon, dass ich natürlich schon ganz gerne wüsste, wie sich so ein richtiger, echter Orgasmus überhaupt anfühlt. Ob es wirklich so ein unbeschreibliches Feuerwerk ist, ein Blitzschlag, der auf gute Art und Weise durch den ganzen Körper geht, ein Gefühl, das die Engel in deinen Ohren singen lässt und dich sogar süchtig machen kann.

Vor einem halben Jahr habe ich eine Psychotherapie bei einer speziell ausgebildeten Sexualtherapeutin begonnen, um mein Orgasmus-Problem in den Griff zu bekommen und endlich mal einen sexuellen Höhepunkt zu erfahren. Im Normalfall arbeitet sie mit Männern, die zu früh ejakulieren oder Paaren, die mit ihrem Sexleben generell unzufrieden sind, weil sie im Bett unterschiedliche Sachen wollen. Doch auch immer mehr junge Frauen, die Probleme damit haben, sich beim Sex wirklich fallen zu lassen, kommen zu ihr in die Praxis, um sich bei ihren Sexualproblemen helfen zu lassen.

Bisher hat die Therapie mir allerdings sehr wenig gebracht. Zwar kenne ich meinen Körper und die einzelnen Teile meiner Vulva und Vagina inzwischen besser als alle anderen Frauen in meinem privaten Umfeld, aber einen Orgasmus hatte ich immer noch nicht. Inzwischen habe ich die Hoffnung, überhaupt jemals einen sexuellen Höhepunkt zu erleben und die Engel singen zu hören sogar fast vollständig aufgegeben. Vielleicht muss es nämlich einfach Frauen wie mich geben, die nie kommen.

Ja, vielleicht bin ich sogar dazu geboren worden, anderen Frauen zu erzählen, dass es vollkommen okay ist, keinen Orgasmus zu haben und noch nie einen gehabt zu haben, weil das ganze Prinzip sowieso nur auf gesellschaftlichem Druck beruht, der einem sagt, dass man nur ein vollwertiges Mitglied dieser Gesellschaft ist, wenn man möglichst krass und möglichst häufig kommt.

Wenn ihr an dieser Stelle trotzdem Tipps habt, wie ich es schaffen kann, mich selbst zum Höhepunkt zu bringen, bin ich natürlich dankbar. So sehr sogar, dass ich dem ersten Typen, der es schafft, mich zum Kommen zu bringen, sogar Geld dafür bezahlen würde. Denn wenn ich ehrlich bin, dann will ich doch nicht sterben, ohne jemals einen Orgasmus gehabt zu haben.

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1 Kommentar

  • Limette :-)

    Gut dass du offen bist. Die Lösung für dein „Problem“ ist eben so einfach wie vielleicht irritierend: Du hast kein Problem. Gar keins. Es ist absolut und vollkommen egal, ob du in deinem Leben einen sexuellen Orgasmus haben wirst. Ob du mit George Cloony, Christian Bale, Donald Trump oder Angela Merkel Sex haben wirst. Ob du jemals in deinem Leben Schokokuchen mit Honigüberguss essen wirst. Absolut egal. Was spielt es für eine Rolle, was andere Menschen erleben. Die Wahrheit ist – die allermeisten Menschen sind unglücklich. Ob mit oder ohne sexuellen Orgasmus. Warum? Weil sie denken dass ihnen irgendetwas fehlt. So wie du es jetzt gerade denkst. Lass das sein. Geniesse den Moment, das jetzt, konzentriere dich auf das was ist, nicht auf das was sein könnte. Was bringt dir jetzt in diesem Moment das Wissen, dass du irgendwann mal einen Orgasmus haben wirst? Nichts. Gar nichts. Vielleicht erleichtert es dich. Es erleichtert dich aber nicht wegen dem sexuellen Orgasmus den du mal haben wirst. Es erleichtert dich, weil dein Ego dir einredet, dass ein Orgasmus zu einem gesunden Leben dazugehört. Wer sagt das? Die anderen? Höre nicht auf sie. Höre auf dich. Auf das was in diesem Moment eine Rolle spielt. Ein Orgasmus wird deine Probleme nicht beenden. Du wirst immer noch verletzt sein wenn dein Freund dich betrügt oder sich deine Freunde lange nicht bei dir melden (ersetze dies mit was auch immer du willst, wenn dich diese Dinge nicht stören). Verletzt sein, Nervosität, Langweile – das sind alled Gefühle die nicht sein müssen. Die man abstellen kann, wenn man aufhört zu ver- / beurteilen. Du verurteilst dich. Zumindest beurteilst du es als schlecht, dass du keinen Orgasmus hast. Genau diese Verurteilung führt zu deinem Unglück. Nicht die Tatsache, dass du keinen Orgasmus hast. So wie dich dein Freund verurteilt hat. Diese Verurteilung stört auch seinen Frieden. Auch er schadet sich selbst damit. Wozu braucht er eine Frau, die einen Orgasmus hat. Für sein Ego? Was bringt ihm dieses Ego? Wird er auf dem Totenbett zufrieden einschlafen können, weil er weiss, dass seine Frau vor 60 Jahren alle 3 Tage für 3 Sekunden sexuell immens erregt wahr? Was bringt ihm das?

    Beobachte dich, deine Gedanken, deine Gefühle. Beobachte nur, verurteile nicht. Lebe im Moment, vergiss Vergangenheit und Zukunft. Verdränge sie nicht, verstehe einfach, dass du nur jetzt glücklich sein kannst, wann sonst? Das wird dein „Problem“ lösen. Vergiss den Irsinn mit dem Orgasmus.