Ende einer Ära:

Ende einer Ära - Blogsport macht dicht und damit stirbt ein weiterer Teil des guten alten Internets

13 Jahre lang war Blogsport die deutsche Alternative zu Googles Tagebuch-Service. Damals, als Blogs noch neu und groß und schön waren, war die Zukunft rosig. Die Verlagsbranche zitterte vor der…
Ende einer Ära

Blogsport macht dicht und damit stirbt ein weiterer Teil des guten alten Internets

13 Jahre lang war Blogsport die deutsche Alternative zu Googles Tagebuch-Service. Damals, als Blogs noch neu und groß und schön waren, war die Zukunft rosig. Die Verlagsbranche zitterte vor der schnellen und agilen Konkurrenz aus dem Netz. Print war schon damals tot, doch Blogs, die lebten. Jedenfalls für ein paar Jahre, bis YouTube und Instagram und Facebook und Twitter kamen und niemand mehr Lust hatte, all seine Lebensweisheiten in lange Texte zu packen. Heute knipst man schnell ein Bild oder dreht ein Video mit seinem Handy, hochladen, Likes und Favs einfahren. Diesen Wandel merkte auch Blogsport schmerzvoll und macht deshalb jetzt dicht.

Blogsport startete 2005 als Freizeit-Projekt von zwei Studenten, das ursprünglich nur für deren Freunde gedacht war. Doch die Studenten ließen die Registrierungsfunktion offen und wurden schon bald vom Interesse anderer Linker überschwemmt. „Bis 2009 wuchs unsere Plattform exponentiell, und wir sahen uns gezwungen, das Ganze in eine etwas professionellere Struktur zu überführen“, sagt Georg Klauda, der heute Geschäftsführer der Blogsport UG ist, im Interview mit Netzpolitik.org. Allerdings konnte nie jemand von dem Projekt leben, es blieb immer ein Freizeitprojekt, das sehr viel Aufmerksamkeit und Zeit erforderte. Damit ist jetzt leider Schluss und mit dem Ende von Blogsport stirbt ein weiterer Teil des guten alten Internets.

“Um 2009 war Bloggen der absolute Hype. Damals wurden Blogs noch viel von Einzelpersonen betrieben, die sich gegenseitig verlinkten und kommentierten“, erzählt Georg im Interview mit Netzpolitik.org. Er schätzt, dass über 10.000 Blogs auf der Plattform registriert seien. “Aktiv wären heute aber nur mehr einige Hundert.” Und weiter: “Nach 13 Jahren sind wir zunehmend erschöpft. Wir müssen uns um Technik, Support, Buchhaltung und das Beantworten von rechtlichen Beschwerden kümmern, obwohl wir selbst gar nicht mehr bloggen.” Das zehrt natürlich an den Nerven und am eigenen Zeitrahmen.

Ob es ein Archiv von Blogsport, das besonders in der linken Szene sehr beliebt war, geben wird, wissen die Betreiber noch nicht. “Letztlich ist es jedoch so, dass die Idee eines digitalen Archivs daran scheitert, dass jemand dauerhaft rechtliche Verantwortung dafür übernehmen muss. Schließlich enthalten Blog-Einträge potentiell auch Persönlichkeitsrechtsverletzungen, die zeitnah gelöscht werden müssen. Manchmal will auch jemand seine Jugendsünden vom Netz genommen wissen. Als Kompromiss können wir uns vorstellen, Blogsport offline zu archivieren und irgendwie auf anderem Wege zugänglich zu machen.”

Mit dem Abstellen von Blogsport haben große Firmen wie Facebook, Twitter und Google wieder ein bisschen mehr Platz in der einst so kunterbunten und vielfältigen Welt des Internets gewonnen. Leider. Dass Blogs tot sind, hören wir jetzt bereits seit zehn Jahren, aber so langsam könnte man glauben, dass es wahr ist. Wenn ihr noch ein paar Lieblingsseiten auf Blogsport habt, dann solltet ihr diese jetzt vielleicht noch abspeichern, bevor es zu spät ist. Und wer dennoch Lust darauf hat, einen eigenen Blog zu starten, der kann auf wirklich gute Alternativen wie WordPress zurück greifen.

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