Modemädchen gibt auf:

Modemädchen gibt auf - Tavi Gevinson hat ihr Rookie Magazin getötet, weil das Internet offiziell scheiße ist

Tavi Gevinson, das Darling der internationalen Modeszene, kann nicht mehr. Von Depressionen und Zukunftsängsten geplagt gab sie ihrem Mädchenmagazin Rookie heute Nacht den Gnadenstoß. Im September 2011 startete die Webseite…
Modemädchen gibt auf

Tavi Gevinson hat ihr Rookie Magazin getötet, weil das Internet offiziell scheiSSe ist

Tavi Gevinson, das Darling der internationalen Modeszene, kann nicht mehr. Von Depressionen und Zukunftsängsten geplagt gab sie ihrem Mädchenmagazin Rookie heute Nacht den Gnadenstoß. Im September 2011 startete die Webseite als feministisches Portal für junge Mädchen, die abseits der gequirlten Cosmopolitan-Scheiße über das Leben und allem drumherum informiert werden wollten. Es ging um Menstruation und Masturbation, Jungs und Männer, Gedichte und Fotostrecken. Rookie erstrahlte in quirligen Pastelltönen, hier war die Welt noch in Ordnung, obwohl neben Liebe, Lust und Leidenschaft auch die Themen Rassismus, Feminismus und Sexismus regelmäßig behandelt wurden.

Doch damit ist jetzt Schluss, verlorene Mädchen auf der ganzen Welt müssen sich von nun an ein neues digitales Zuhause suchen. Denn das Rookie Magazin hatte ein entscheidendes Problem: Die Finanzierung. Obwohl das Projekt von Tavi Gevinson höchstpersönlich, dem Style Rookie, dem Liebling von Karl Lagerfeld, Anna Wintour und Iris Apfel erfunden und geleitet wurde, fehlte es am Ende am Geld, an Werbefirmen, die ihre Vision teilten. Denn die stecken ihr Geld momentan lieber in dumm grinsende Instagram-Püppchen und seelenlose YouTube-Zombies, anstatt sie in jungen Journalismus zu investieren.

Tavi überlegte, das Rookie Magazin Investoren schmackhaft zu machen oder es gleich zu verkaufen. Doch allein bei dem Gedanken wurde ihr übel. Zudem litt sie am Hochstapler-Syndrom, der Angst, sich ihren Ruhm nur erschlichen zu haben und irgendwann für diese vermeintliche Wahrheit gerade zu stehen. “Ich war in der U-Bahn, als ich plötzlich die Schlagzeile ‘Trefft den Möchtegern-Social-Media-Star, der sich seinen Ruhm nur erschlichen hat’ auf meinem Handy las”, erzählt Tavi. “Mein Herz rutschte in die Hose. Plötzlich hatte ich das Gefühl, als würden mich alle Menschen anstarren, als wäre mein dunkles Geheimnis endlich ans Tageslicht gekommen.”

In der Geschichte ging es zwar um die Social-Media-Hochstaplerin Anna Delvey, die Bankdokumente fälschte und Investoren verarschte, aber die Angst in Tavi, irgendwann selbst am digitalen Pranger zu stehen, verleitete Tavi dazu, ihr eigenes Projekt zu töten, bevor es und damit auch sie, auf die schiefe Bahn gerieten. Und damit verstummt nach sieben Jahren eine Stimme, mit der ich persönlich zwar nicht immer einverstanden war, die allerdings wichtig für die Welt sein durfte. Denn das Rookie Magazin schaffte es, Unterhaltung und Feminismus unter einen Hut zu bringen, die Leser zu inspirieren und aktivieren, anstatt sie mit dumpfen “Frauen an die Macht, Männer auf den Scheiterhaufen”-Sprüchen ins mentale Nirvana zu grölen. Eines ist allerdings sicher: Das wird nicht das letzte Mal sein, dass wir etwas von Tavi Gevinson hören. Garantiert.

Rookie Mag

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