2020 ist Schluss:

2020 ist Schluss - Deutsche Serienfans müssen jetzt ganz stark sein, denn die ARD setzt die Lindenstraße ab

Man kann von Seifenopern und dem deutschen Fernsehen im Allgemeinen halten was man möchte. Aber eines muss man zugeben: Die Lindenstraße hat mehr für den nationalen Zusammenhalt getan als so…
2020 ist Schluss

Deutsche Serienfans müssen jetzt ganz stark sein, denn die ARD setzt die LindenstraSSe ab

Man kann von Seifenopern und dem deutschen Fernsehen im Allgemeinen halten was man möchte. Aber eines muss man zugeben: Die Lindenstraße hat mehr für den nationalen Zusammenhalt getan als so mancher Politiker vor und nach ihr. Lindenstraße, das ist nicht nur Kult, nicht nur eine Institution, nicht einfach nur ein Fernsehprogramm. Die Lindenstraße, sie hat uns alle begleitet, immer und überall, egal, ob wie sie nun geschaut haben oder nicht – warum auch immer. Sie ist Familie für die, die Halt brauchten, Wahrheit, für die, denen die Augen geöffnet werden mussten, und Unterhaltung für die, die sonst alles hatten im Leben. Oder eben nichts.

Seitdem ich denken kann, gibt es die Geschichten um Helga Beimer, ihre Familie und alle Nachbarn drumherum. Meine Mutter hat das immer geguckt und tut es auch heute noch. Und damit auch ich. Die Serie von Hans W. Geißendörfer, deren kleine und große Dramen immer irgendwo im Treppenhaus, im Café oder im Restaurant spielten, hat mich gelehrt, dass Homosexualität ganz normal ist. Dass man vor Ausländern keine Angst haben muss. Dass internationale Politik auch im hintersten Wohnzimmer einer vermeintlich bayerischen Familie Konsequenzen hat. Und dass man mit jedem Problem umgehen kann, wenn man es denn will.

Heute hat die ARD angekündigt, dass sie die Lindenstraße nach 34 Jahren absetzen wird. Die letzte Folge soll dann 2020 ausgestrahlt werden. Der Programmdirektor Volker Herres erklärt: “Diese Entscheidung hat sich die Fernsehprogrammkonferenz der ARD nicht leicht gemacht. Denn die „Lindenstraße“ ist eine Ikone im deutschen Fernsehen, die uns seit Jahrzehnten begleitet. Sie ist Spiegelbild der Geschichte und Entwicklung unserer Republik. Sie hat Akzente gesetzt, die prägend bleiben werden – ein Verdienst engagierter, leidenschaftlicher Macher. Doch wir müssen nüchtern und mit Bedauern feststellen: Das Zuschauerinteresse und unsere unvermeidbaren Sparzwänge sind nicht vereinbar mit den Produktionskosten für eine solch hochwertige Serie. Hans W. Geißendörfer hat als Vater der „Lindenstraße“ Fernsehgeschichte geschrieben. Ihm und seiner Nachfolgerin Hana Geißendörfer sowie allen Mitwirkenden gelten unser Respekt und unser Dank. Und noch ist ja nicht Schluss: Wir versprechen allen Zuschauern und treuen Fans bis 2020 noch viele interessante Folgen und ein fulminantes Finale.”

Und der verantwortliche WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn sagt dazu: “Mein besonderer Dank gilt dem Erfinder der Serie, Hans W. Geißendörfer, seiner Nachfolgerin Hana Geißendörfer, dem Ensemble und dem ganzen Team – und nicht zuletzt dem Publikum, das der „Lindenstraße“ seit mehr als 30 Jahren die Treue hält. So sehr der Abschied auch schmerzt, können doch alle Beteiligten sehr stolz sein, denn sie haben mit der „Lindenstraße“ geschafft, was keiner anderen deutschen Serie gelungen ist: über Generationen hinweg mitten aus dem Alltag der Menschen heraus große gesellschaftliche und politische Themen abzubilden. Wir sind der Gemeinschaft der ARD dankbar, dass sie die „Lindenstraße“ über Jahrzehnte mitgetragen hat und bedauern, dass sie keine Möglichkeit mehr sieht, die Serie fortzuführen. Gleichzeitig verstehen wir, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der ARD geändert haben und Produktionen neu bewertet werden müssen.”

Mit dem baldigen Tod der Lindenstraße, die in den vergangenen Jahren immer stiefmütterlicher von der ARD behandelt wurde, stirbt womöglich das letzte Fünkchen Normalität im deutschen Fernsehen. Schon bald werden die Schreihälse der Politiktalkshows, die unzähligsten Neuauflagen nicht totzutretender Castingshows und die Angst vor der abnehmenden Intelligenz der letzten verbleibenden Zuschauer die Oberhand gewinnen. Die Lindenstraße wird uns fehlen. Nicht nur wegen der Unterhaltung, sondern auch und gerade wegen der Tatsache, dass nun niemand mehr da sein wird, der uns durch die hohen Wellen der unvorhersehbaren Zukunft leiten wird.

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NA-KD

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