Ignoriert und ausgenutzt - Ich bin es endgültig leid, immer nur eine Ersatzfreundin zweiter Klasse zu sein

Es ist 4 Uhr nachts und alles, was ich will, ist ins Bett zu gehen. Was ich aber stattdessen mache? Ich warte, dass eine Freundin vom Feiern kommt (wieder mal…
Ignoriert und ausgenutzt

Ich bin es endgültig leid, immer nur eine Ersatzfreundin zweiter Klasse zu sein

Es ist 4 Uhr nachts und alles, was ich will, ist ins Bett zu gehen. Was ich aber stattdessen mache? Ich warte, dass eine Freundin vom Feiern kommt (wieder mal eine Party auf die ich nicht eingeladen wurde) und ich ihr die Tür aufmachen kann. „Hey, ich weiß, dass es schon echt spät ist, aber kann ich heute bei dir pennen? Lara hat einen Typen mit nach Hause genommen und ich weiß gerade nicht wo hin.“ Sie hat mal wieder ihre Wohnung untervermietet.

„Ja, klar. Komm vorbei“, tippe ich halb im Schlaf und frage mich, warum Sie ausgerechnet immer mich fragt. Naja, wahrscheinlich, weil ich immer „Ja“ sage. Ich bin schon fast auf dem Sofa eingeschlafen, als es endlich klingelt. Meine Freundin braucht gefühlte Ewigkeiten bis in den dritten Stock und sie hat deutlich zu viel getrunken. „Sorry, sorry, sorry. Ich wusste echt nicht wohin und ich hoffe ich mache keine Umstände.“ Ich sage nur, dass ich jetzt wieder schlafen gehe und drücke ihr eine Decke und ein Kissen in die Hand. „Danke.“

Am nächsten Morgen wache ich auf und darf mir anhören, wie viel Spaß sie mit Lara hatte, wo sie überall waren (und ich nicht) und dass ich die Rettung in der Not war. Ich fühle mich kurz wie Mutter Theresa und fange an, darüber nachzudenken, warum ich mich so oft wie die Ersatzfreundin fühle. Ich habe nicht sonderlich viele Freunde, aber dafür sehr gute, für die ich viel mache und die meiste Zeit macht es mir auch nichts aus. Aber irgendwann ist es dann auch mal genug.

Manchmal frage ich mich, ob ich nur die Person bin, die fürs Zuhören gerade vor Ort ist. Die nur gefragt wird, ob man mit Essen gehen will, weil der anderen Person gerade langweilig ist und ihr jemand abgesagt hat, die das Essen erstmal bezahlt, weil das Restaurant keine Kartenzahlung anbietet und sie mal wieder vergessen hat Geld zu holen und dann auch vergisst mir das Geld wieder zu geben.

Meine Probleme sind die meiste Zeit egal. Ich höre ihr die meiste Zeit gerne zu, aber mittlerweile ist es mir egal, ob Tim ein netter Typ ist, dass sie mit Ryan nicht mehr spricht, „weil er ein Opfer ist“, wie sie sagt, und warum Katha zur Schauspieluni geht. Ich erzähle nicht, dass ich am liebsten meinen Job kündigen will, dass ich mich auf Tinder angemeldet habe, weil ich sonst wohl nie jemanden kennen lernen würde und dass ich heimlich in jemanden verliebt bin, der aber nicht in meiner Liga ist, den ich aber doch irgendwie jede Woche sehe. Irgendwann habe ich aufgehört über bestimmte Themen zu sprechen, weil ich von ihr keine richtige Antwort bekommen habe, außer ein „Ja, musst du selber wissen, aber ich würde es nicht so machen.“ Es ist einfach nur noch anstrengend. Ich gebe auf und höre ihr zu, wie immer.

Ein anderes Mal wollen wir zusammen auf ein Konzert gehen. Eine andere Freundin und ich fahren schon los, weil sie sich noch fertig machen muss. Alles kein Problem. Als sie endlich da ist, ist das Konzert fast vorbei, sie ist mega genervt, weil ihr warm ist und ich fühle mich schuldig, weil ich wollte, dass sie mitkommt. Wir gehen kurz vor die Tür. Ich spreche die schlechte Stimmung nicht an, weil es das nur noch verschlimmern würde. Kurze Zeit später treffe ich einen Freund, erzähle ihm, dass Madam mal wieder einen kleinen Diva-Auftritt hatte und sie bekommt es mit.

„Warum erzählst du ihm denn alles? Kannst du nichts für dich behalten?“ Ich denke mir nur: „Er hört mir, im Gegensatz zu dir, zu.“ Wenigstens ist sie jetzt nicht mehr die Einzige, die genervt ist. Ich verschwinde auf die Toilette und will nur noch nach Hause. Ich versuche das Beste aus der Situation zu machen und frage, ob wir drei wieder reingehen wollen. Drinnen werden Neue-Deutsche-Welle-Songs von zwei verkleideten Männern gesungen, zwei Typen diskutieren lautstark mit dem Barpersonal (keine Ahnung, wer was geklaut haben soll, die Musik ist viel zu laut, das Licht viel zu dunkel) und ich bekomme tierische Kopfschmerzen. „Wollen wir gehen“, schlägt Sam vor. „Ja, ich habe auch kein Bock mehr.“ „Immer müsst ihr entscheiden!“ „Willst du denn noch bleiben?“, frage ich sie.

Es entbrennt eine Diskussion, wer was wann wo wie entschieden hat und ich sage nur, dass sie gerne bleiben kann und ich nach Hause gehe. Wir müssen denselben Heimweg nehmen und schweigen uns die ganze Fahrt über an. Was für eine tolle Party. Der Award für die mieseste Stimmung geht definitiv an diesen Abend. Am Tag darauf sagt sie nur: „Sprich mit ihm bitte nicht mehr über mich.“ Wow, jetzt verbietet sie mir schon, mit wem ich über was spreche. Als ob es immer nur um sie gehen würde.

Ich habe das Gefühl, dass ich immer nur dann gut genug ist, wenn niemand anderes gerade verfügbar ist. Bin ich tatsächlich nur ein Ersatz? Ich google das Wort „Ersatz“. 61.500.000 Ergebnisse. Scheinbar wurde schon viel ersetzt. Die erste Definition, die auftaucht, bestätigt meine Theorie. „Person, Sache, die anstelle einer anderen Person oder Sache eingesetzt wird oder werden kann, deren Funktion übernimmt.“ Ich fühle mich wie ein Ersatz und bin sogar einer. Vielleicht beginne ich gleich nach meiner Recherche einen Ersatz für diese Freundin zu finden.

Abonniert unseren Newsletter!

Amazon Styles

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu:

10 Kommentare