Wer ist dieser Junge? - Der Bitburger Ausnahmerapper Mortel ist mit seinem neuem Album Arriveé am Start

Rapper Mortél sah ich das erste Mal live auf dem Konzert von Nimo im vergangenen Jahr. War er Franzose? Deutscher? Oder doch Afrikaner? Ich konnte es nicht sagen. Er kam…
Wer ist dieser Junge?

Der Bitburger Ausnahmerapper Mortel ist mit seinem neuem Album Arriveé am Start

Rapper Mortél sah ich das erste Mal live auf dem Konzert von Nimo im vergangenen Jahr. War er Franzose? Deutscher? Oder doch Afrikaner? Ich konnte es nicht sagen. Er kam irgendwie aus dem Nichts. Dabei macht er schon mit “Stimmen der Unterschicht” feat. Nimo und Azad in einem breiteren Publikum von sich Reden. Ein Song, der auf seinem Mixtape Racaille im vergangenen Jahr erschien. Und mit “Depart” etablierte er seinen “Recaille”-Sound des Straßenraps weiterhin.

Jetzt kommt er mit neuem Album “Arriveé” daher und ist angekommen. Angekommen im großen Rap-Game. Und tatsächlich, um auf seine Herkunft zurück zu kommen: er ist im amerikanischen Stützpunktort Bitburg geboren, ist kongolesischer Abstammung, und lernte durch Verwandte in Paris, die er besuchte und die selbst Hip Hop hörten, die fanzösische Kultur kennen. Daher der Name: Mortel, zu Deutsch “tödlich”.

Derzeit lebt er in Trier, wo er sichtlich gefeiert wird. Und es geht weiter: Internationale Rapgröße Booba sponsert ihn derweil mit seiner Modemarke Ünkut. Aber wen wundert das schon, betrachtet man das Cover seines neuen Albums? Das ganze Gesicht eingetaucht in weiße Wandfarbe; in ihm liegen Augen aus Glas, tiefschwarz wie unsterblich. Ist das Mode? Kunst? Oder nicht doch sogar Politik? Und dann hat er auch noch Sa4, Loco und Eunique mit aufs neue Album geholt. Mit letzterer rappt er zur smoothen Stimme Mashandas auf “Auf ewig” ziemlich erwachsen und selbstkritisch: “Gehen über Leichen, sind unser eigener Herr, es ist nicht immer das Umfeld, jeder ist sein eigener Herr.”

“Suche den Fehler bei dir, Und schieb’ es nicht immer auf die ander” scheint sein Kommentar zu jungen Menschen zu sein, die vor allem im Rapbusiness die Schuld ihres Versagens – man denke an Schulabbruch, Drogendealen und zuletzt auch Gewaltdelikte- gerne bei allem, nur nicht bei sich selbst suchen. Und gleichzeitig setzt das Trio im Video in schwarzer Kleidung und sakraler Kulisse ein Zeichen. Ein Ton, der so selten im Deutschrap existiert. Denn Mortel bringt mit seinem Standpunkt und der dazugehörenden Ästhetik in den sonst so orientalisch, aggressiven und gleichzeitig melodischen Rap frischen, “wilden” Wind, um es einmal in seinen Worten auszudrücken.

Der Sound von Mortel ist düster, aber modern und keineswegs melancholisch, sondern viel mehr dynamisch. “Vergessen nicht” zum Beispiel ist eine Mischung aus Afrotrap und wie Mortel anpreist “positiver vibes”, ein Begriff, der gerade über soziale Netzwerken an Popularität gewann, im Grunde aber eine verinnerlichte Grundeinstellung vieler Afrikaner ist. Mortel steht zu seiner Identität, und feiert sie gleichzeitig. Das erfordert Größe und eine Menge Mut, in einer Gesellschaft, in der junge Menschen vor allem aus prekär migrantischen Verhältnissen oft ignoriert und im Stich gelassen werden.

Aber er steht da drüber und rappt weiter: “Genieß jede Sekunde hier in Deutschland, auch wenn es in der Jugend Differenzen gab”. Und weil er die direkte Konfrontation sucht, und sich seiner Lebenslage stellt, adressiert er in “Pablo” seine Hörer gleich mal auf Deutsch statt in englischer Sprache zu rappen. “Nein, ich bin kein Negro, der hier Englisch spricht (no), Kinshasa meine Herkunft, red’ Lingála (ah, wouh). Mit den großen Amerikanern in Sachen Hiphop solidarisiert er sich selbstverständlich dennoch, und zeigt mit einem “Who Da Buckest” Sample, wer für ihn die Limits setzte. Und damit schafft er es, neue Akzente zu setzen. Mortels “Arrivée” ist soweit ziemlich dope.

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