Der Wahnsinn ist zurück - Deadpool 2 ist der perfekte Film für alle, die auf durchgeknallte Superantihelden stehen

Vor zwei Jahren hat uns Deadpool einen dankbaren Dienst erwiesen und dem Superheldengenre einen riesigen, dildoförmigen Stock aus dem Arsch gezogen. Galt bisher unbedingte Kinderfreundlichkeit – sprich: harmlose Gags, blutbefreite…
Der Wahnsinn ist zurück

Deadpool 2 ist der perfekte Film für alle, die auf durchgeknallte Superantihelden stehen

Vor zwei Jahren hat uns Deadpool einen dankbaren Dienst erwiesen und dem Superheldengenre einen riesigen, dildoförmigen Stock aus dem Arsch gezogen. Galt bisher unbedingte Kinderfreundlichkeit – sprich: harmlose Gags, blutbefreite Action, damit von Enkel bis Oma auch wirklich jeder sein Geld in Richtung Kinokasse ausschütten kann (ja gut, das DCEU geht es im Vergleich zum MCU etwas düsterer an, aber deswegen ist es nicht weniger kinderfreundlich und, nun ja, die Filme sind halt durchweg beschissen) – konnte Deadpool zumindest einen kleinen Befreiungsschlag starten und zeigen, dass eine Ausrichtung auf eine erwachsene Zielgruppe nicht gleich weniger Erfolg bedeutet. Im Gegenteil: “Deadpool” ging an den Kinokassen so richtig ab – und ihm ist letztlich auch zu verdanken, dass wir einen würdigen, würdevollen “Wolverine”-Film bekamen.

Das war 2016. “Deadpool” war mit seinem augenzwinkernden Humor, den vielen Meta-Gags und der nicht jugendfreien Gewalt etwas Neues und Aufregendes. Jetzt erscheint “Deadpool 2” – kann der uns überhaupt noch überraschen oder gibt’s einfach nur dasselbe nochmal? Das verrate ich natürlich nicht sofort, sonst liest ja hier kein Schwein weiter! Vielleicht gibt ja die offizielle Inhaltsangabe schon mal einen Hinweis darauf, ob hier schlicht der Plot aus Teil Eins ein bisschen variiert wird:

Nachdem er eine beinahe tödliche Rinderattacke überlebte, setzt ein entstellter Cafeteria- Koch (Wade Wilson) alles daran, seinen Traum zu verwirklichen, der heißeste Barkeeper Mayberrys zu werden, während er zudem noch mit dem Verlust seines Geschmacksinns zurechtkommen muss. Auf der Suche nach neuer Schärfe in seinem Leben – als auch einem Fluxkompensator –  muss Wade gegen Ninjas, die Yakuza und eine Horde sexuell aggressiver Hunde kämpfen. Dabei reist er um die Welt, entdeckt die Bedeutung von Familie, Freundschaft und Flavour, findet neuen Geschmack an Abenteuern und verdient den begehrten Kaffeebecher-Titel „World’s Best Lover“.

Damit sollte bereits jetzt klar sein, dass die Fortsetzung genauso wenig Rücksicht auf Erwartungen nimmt wie sein Vorgänger und alles und jeden verarscht. Denn diese tatsächlich so vom Studio Fox veröffentlichte Inhaltsangabe ist – Überraschung – natürlich nicht ganz wahr. Und ich persönlich möchte den eigentlichen Plot auch nicht verraten, denn, und das ist die wirkliche Überraschung, dieser ist tatsächlich überraschender als es die Trailer hätten vermuten lassen. Überraschung!

Was wir wissen: Deadpool bekommt es mit einem düsteren Typen namens Cable (Josh Brolin) zu tun, der ein bisschen aussieht wie die Motörhead-Version eines Terminators. Da es Deadpool aber nicht schafft den mysteriösen Widersacher allein zu bezwingen, trommelt er eine Gruppe von Superhelden (und Peter) zusammen, nennt sie X-Force und zieht mit ihnen in den Kampf. Mehr muss und sollte man nicht wissen, um Spaß mit diesem Film zu haben und auch emotional mitgerissen zu werden.

Denn das schafft “Deadpool 2” wesentlich besser als sein Vorgänger: die emotionale Balance. Klar haben wir es hier immer noch mit einem albernen Antihelden zu tun, der scheinbar zu keinem Moment ernst sein kann, aber es gibt trotzdem ein paar traurige Momente, in denen auch kurz mal Ruhe ist und man als Zuschauer einfach mittrauern kann. Dadurch bekommt Deadpool wichtige neue Facetten, aber auch den Bösewicht lernen wir näher kennen.

Apropos: Josh Brolin ist als Cable eine absolute Bereicherung für den Film! Musste er sich in “Avengers: Infinity War” noch hinter seiner (zugegeben technisch fantastischen) CGI-Erscheinung Thanos verstecken, kann er hier selbst zeigen, was er draufhat. Ordentlich in Form gepumpt darf er nicht nur so richtig loskloppen (und mit seiner großartigen, magnetischen Waffe rumballern), das Drehbuch gibt ihm auch wesentlich mehr, als nur böse durch die Gegend zu gucken. Wie schon oben erwähnt bekommen wir tiefere Einblicke in seine Motivation, die durchaus dramatisch und mehr als nur ein „Ich will XY töten!!“ ist.

In Sachen Humor gibt’s wie auch schon im ersten Teil eine Flut an albernen, pubertären, popkulturellen und grenzwertigen Gags. Die Meta-Schraube wurde hier noch mal ein Stückchen weiter angezogen, was bis zum gezeigten Grad auch vollkommen in Ordnung geht. Mehr braucht’s aber wirklich nicht zu sein, sonst drohen viele Gags einfach aufgrund der schieren Menge in der Mittelmäßigkeit zu versinken.

Sowieso hat man auch in “Deadpool 2” erst seinen vollen Spaß, wenn man sich in der Film- und noch mehr in der Superheldenwelt auskennt. Aber hey, viele Anspielungen sind so offensichtlich oder werden sogar direkt genannt (ich sage nur Basic Instinct in einer äh, sagen wir, kinderfreundlichen Version), sodass man auch gut zu lachen hat, wenn man nicht jede Kleinigkeit versteht. Und wenn alle Stränge reißen, bleibt da immer noch die Action.

Die ist schließlich noch genauso brutal und unterhaltsam wie im Vorgänger – und mit Regisseur David Leitch (John Wick, Atomic Blonde) ist jemand an Bord, der sein Handwerk auch versteht. Nun darf hier nicht so „bodenständige“ und ballettartig durchchoreographierte Action erwartet werden wie in John Wick, denn es sind eben wesentlich mehr visuelle Effekte mit im Spiel, aufgrund derer man bei Kampfszenen auch ein paar Abstriche machen muss.

Nichtsdestotrotz weiß David Leitch, was er tut und liefert übersichtliche, wohl dosierte Action, die nie in einer ermüdenden Materialschlacht ausartet. Das sind eben die Vorteile, wenn das Budget nicht so hoch wie bei den großen Marvel-Filmen ist: Man muss kreativ werden und kann nicht halbe Städte in Schutt und Asche legen – und das ist auch gut so, schließlich haben wir das schon oft genug gesehen. Ob eine Massenschlägerei im Gefängnis, eine Verfolgungsjagd mit einem gepanzerten Transporter oder ein unerwartet endender Gruppensprung aus einem Flugzeug, in jedem Fall bleibt man gespannt an der Kinoleinwand kleben.

So, an dieser Stelle muss ich (so macht man das in professionellen Reviews) meine oben gestellte Frage wieder aufgreifen. Was taugt “Deadpool 2” denn nun? Sehr viel, würde ich sagen. Wir haben einen Regisseur, der gute Action inszenieren kann; ein Drehbuch, das für einen Superheldenfilm erstaunlich emotional ist und mit einigen Überraschungen aufwarten kann; einen Bösewicht, der cooler nicht sein könnte und einen Ryan Reynolds, der auch diesmal wieder abliefert und die Gags im Sekundentakt rausballert. In der Hinsicht liefert “Deadpool 2” nicht nur genauso hervorragend ab wie sein Vorgänger, sondern kann sogar noch ein paar neue Facetten hinzugewinnen.

Das Einzige, was etwas verloren gegangen ist, ist dieser Überraschungsmoment, diese Jungfräulichkeit, die der erste Teil noch besaß. Wir wissen jetzt einfach, was für Gags uns erwarten, wir können nicht mehr so leicht geschockt werden. Das hat “Deadpool” seinem Sequel voraus. Aber ehrlich gesagt: Allein für die sehr, sehr, sehr lustige Abspannsequenz hat sich das Kinoticket schon fast gelohnt! Zudem ist “Deadpool 2” noch genauso erfrischend kompromisslos wie Teil Eins, keine Sorge! Oh, und für alle, die zu faul sind diesen Text zu lesen und zur Einordnung unbedingt eine Wertung benötigen: 7/10. Wäre das auch geklärt.

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