Wichsvorlage wider Willen - So mies fühlt es sich an, wenn dein eigener Pornofilm plötzlich im Internet landet

Wenn ihr euch gewundert habt, warum hier in den letzten Tagen so wenig passiert ist, dann liegt das daran, dass ich die ganze Zeit ausgiebig auf YouPorn verbracht habe. Was…
Wichsvorlage wider Willen

So mies fühlt es sich an, wenn dein eigener Pornofilm plötzlich im Internet landet

Wenn ihr euch gewundert habt, warum hier in den letzten Tagen so wenig passiert ist, dann liegt das daran, dass ich die ganze Zeit ausgiebig auf YouPorn verbracht habe. Was nach einem spritzigen, verlängerten Wochenende klingt, verliert schnell seine spaßige Komponente, wenn man damit beschäftigt ist, sein selbst gedrehtes, nur für das eigene Auge bestimmte Video wieder von der Seite zu bekommen.

Am späten Freitag Abend, als ich gerade in einer Bar mit einem anderen Filmfan darüber diskutierte, ob “Zombieland” nun ein Klassiker oder purer Müll ist, bekam ich eine Nachricht von meiner Exfreundin, die wir an dieser Stelle einfach mal Fabienne nennen. Ob ich sie verarschen wollen würde, schreibt sie da. Und warum ein Porno von ihr im Internet sei. Halb verdutzt, halb neugierig schrieb ich nur zurück: “Was? Wo?”

Es stellte sich heraus, dass ein Typ ohne unser Wissen einen mehr als freizügigen Clip, den wir vor einigen Jahren aus Jux und Tollerei gemacht hatten, auf YouPorn hochgeladen hatte. Ein Freund hätte Fabienne darauf aufmerksam gemacht und ihr das Video auf seinem Handy gezeigt. Seit über einem Jahr thronte der selbst gedrehte Amateurporno nun bereits auf der Seite und lockte mehrere Millionen Zuschauer an. Man hätte fast schon stolz auf die Anzahl der Interessenten sein können, wenn die ganze Sache nicht so unfassbar schrecklich gewesen wäre.

Denn während ich bekanntlich kein Problem damit habe, wenn jemand mein bestes Stück in Aktion sieht, war bei Fabienne genau das Gegenteil der Fall. Und das verstand und respektierte ich auch. Wie kam das Video dann aber auf die Seite? Fabienne war sich sicher, dass ich ihn selbst auf YouPorn hochgeladen hatte, um damit ein wenig Geld nebenher zu verdienen. Ich beteuerte aber immer wieder meine Unschuld.

Wer wäre schon so dämlich und würde mit einem selbstgedrehten Porno ohne die Zustimmung seiner Partnerin den dicken Reibach machen wollen? Früher oder später würde das doch sowieso rauskommen und dann wäre das Chaos groß. Außerdem bin ich mir gar nicht sicher, ob man Kohle auf YouPorn scheffeln kann, indem man dort irgendwelche Pornos hochlädt. Sonst hätte doch niemand mehr einen normalen Beruf.

Vielleicht war das Video auf einer der Festplatten, die peinlicher Weise mehrmals aus unserem Büro gestohlen wurden. Vielleicht war es auf dem MacBook, das ich einst in Hamburg liegen ließ. Vielleicht war einer der Cloud-Backup-Dienste doch nicht so seriös und sicher. Oder vielleicht hatte es der ein oder andere Freund unbemerkt auf einen USB-Stick gezogen. Die Möglichkeiten waren vielfältig, doch für Fabienne gab es nur eine Erklärung. Und in der war ich ganz allein schuld an der Misere. Wer könnte es ihr verübeln? Ich jedenfalls nichts.

Mit wenigen einfallslosen und wild zusammen gewürfelten Schlagworten wie “Teen”, “Pussy” und “Fucked” konnte jeder den rund 20-minütigen Film, in dem mehr von ihr als von mir zu sehen war, aufrufen und Kommentare wie “Ich will auf ihre Titten abspritzen!”, “So gut bin ich schon lange nicht mehr gekommen!” und “Heißes Fötzchen!” hinterlassen. Anstatt gleich im Strahl zu kotzen, klickte ich auf die kleine Flagge am rechten, oberen Rand des Videos, um es zu löschen. Damit begann für mich eine wahre Odyssee durch die Weiten des dunklen Internets.

Von Samstag Morgen bis Dienstag Abend war ich Tag und Nacht lang damit beschäftigt, einen Weg zu finden, um den Clip von YouPorn zu entfernen. Ich schickte unzählige Emails an alle möglichen Adressen, die auf der Seite angegeben waren, füllte Formular um Formular aus und bat sogar Webseiten, die im selben Netzwerk wie YouPorn sind, um Mithilfe. Doch nichts passierte. Das Video war immer noch da und verhöhnte mich.

Mein Schlafrhythmus war seit dem Wissen um den eigenen Pornofilm sowieso quasi nicht mehr vorhanden. Ich wachte um 2, um 4 und um 6 Uhr nachts auf, nur um YouPorn einmal mehr neu zu laden und mit Schrecken festzustellen, dass niemand unser Video entfernt hatte. Wieder klickte ich auf die kleine Flagge und schlief danach verzweifelt ein. Nur mehrere Kannen Kaffee konnten mich tagsüber am Leben erhalten.

Ich versuchte auch dem geheimnisvollen Typen, der das Video gemeinsam mit ein paar anderen mir unbekannten Sexfilmen auf YouPorn geladen hatte, eine Nachricht zukommen zu lassen, dass er es doch gefälligst entfernen solle. Leider gab es diese Funktion nicht und ich wollte auch keinen Kommentar unter dem Video hinzufügen. Das fühlte sich irgendwie falsch an. Also war auch dieser Weg eine Sackgasse.

Wirkliche Hilfe und Unterstützung bekam ich dann nur von einer gewissen Katie, die vielleicht Mitarbeiterin, vielleicht Werbefigur von YouPorn ist. Als ich ihr auf Twitter mein Leiden schilderte, antwortete sie schnell und mitfühlend. Sie wäre gerade im Urlaub, aber sobald sie zurück käme, würde sie das Video manuell löschen. Also wartete ich und wartete ich und wartete ich. Was blieb mir denn auch anderes übrig?

Mehrmals versuchte ich mich in der Zeit bei Fabienne zu entschuldigen. Dahinter könnte man jetzt ein schlechtes Gewissen und ein daraus resultierendes Eingeständnis vermuten, aber ich hätte sie gern einfach in dieser für sie mehr als für mich schwierigen Situation unterstützt. Schließlich verstanden wir uns selbst nach unserer Trennung gut, eigentlich war alles okay. Bis zu diesem schicksalshaften Tag.

Am Dienstag Abend bekam ich dann eine Mail von Katie. Sie hätte das Video gelöscht und es täte ihr leid, wenn wir eine schlechte Erfahrung mit YouPorn gemacht hätten. Ich wäre gerne glücklich darüber gewesen. Leider lebte ich seit Fabiennes Nachricht mit der immer größer werdenden Angst, dass jeden Augenblick ein Sondereinsatzkommando der Polizei meine Wohnung stürmt und man danach nie wieder etwas von mir hört.

Ich schrieb Fabienne, dass das Video nun gelöscht sei. Doch sie antwortete nicht mehr. Entweder ignorierte sie mich aus purem Hass oder weil es ihr ihr Anwalt geraten hatte. Beides war in Ordnung und verständlich. Der Porno war nun zwar von YouPorn entfernt, aber was blieb, war ein mehr als bedrückendes Gefühl. Denn es stimmt: Was einmal im Internet ist, bleibt auch dort. Da kann man noch so viel löschen.

Wir leben immer noch in einer Zeit, in der Männer als Helden und Frauen als Schlampen abgestempelt werden, wenn sie etwas machen, was vermeintlich nicht der sozialen Etikette entspricht, obwohl man genau weiß, dass hinter verschlossenen Schlafzimmertüren alle Hemmungen fallen. Und warum bestimmen überhaupt die prüdesten, verschämtesten und langweiligsten Mitglieder unserer Gesellschaft den Status Quo?

Wer noch nie einen Pornofilm in seinem Leben gedreht hat, der hat einiges verpasst. Das macht nämlich großen Spaß. Ob der anschließend allerdings im Internet landet, sollte jeder für sich selbst bestimmen können. Doch auch wenn er an die Öffentlichkeit gerät, wie es eben nun passiert ist, darf man mit Fug und Recht stolz darauf sein, etwas ausprobiert zu haben, anstatt sich ab jetzt für alle Zeit in Grund und Boden zu schämen.

Natürlich ist es erst einmal ein Schock, wenn dein eigener Porno plötzlich ohne dein Wissen im Internet herumgeistert. Aber Fabienne und ich hatten Spaß dabei, scherten uns nicht um den Rest der Welt und sahen dabei auch noch unglaublich gut aus. Wer uns dafür angreift, schlecht redet oder das Leben schwer machen will, der zählt zu einer ekelhaften Sorte Mensch, die hoffentlich bald ausgestorben sein wird.

Alles landet irgendwann im Internet. Egal, wie sehr ihr versucht, es zu verhindern. Ihr habt zwei Möglichkeiten, um euch dieser Wahrheit zu stellen. Entweder ihr fügt euch der Angst, löscht eure selbst gemachten, schmutzigen Fotos und Videos aus eurem Handy, eurem Tablet und eurem Computer und werdet zu einem prüden Mitläufer. Oder aber ihr seid stolz auf eure modernen Ansichten, eure unbändige Neugier und eure lebendige Offenherzigkeit und lasst euch von niemandem sagen, was ihr zu tun oder zu lassen habt. Selbst oder gerade in schweren Zeiten wie diesen.

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