Meinungsfreiheit in Gefahr? - YouTube hat damit angefangen, erfolgreiche deutsche Kanäle willkürlich zu löschen

Nach außen hin gibt sich YouTube gerne hipp, nett und Community-nah. Doch hinter den Kulissen brodelt es nach Recherchen des Wall Street Journals über Werbung auf terrornahen und rechtsextremen Kanälen,…
Meinungsfreiheit in Gefahr?

YouTube hat damit angefangen, erfolgreiche deutsche Kanäle willkürlich zu löschen

Nach außen hin gibt sich YouTube gerne hipp, nett und Community-nah. Doch hinter den Kulissen brodelt es nach Recherchen des Wall Street Journals über Werbung auf terrornahen und rechtsextremen Kanälen, des daraus resultierenden Aufschreis amerikanischer Videokünstler und dem Vorwurf, PewDiePie wäre ein Nazi. Aus der netten Clipseite wurde ein Konzern, der Angst um seine Einnahmen hat.

Am liebsten sind YouTube Creator, die harmlosen Content erstellen. Kosmetik testen zum Beispiel. Oder Musikvideos drehen. Oder Reisereportagen veröffentlichen. Doch dass gerade medienkritische, skandalöse und manchmal auch jugendbedenkliche Kanäle die erfolgreichsten sind, was zum Teil auch an den immer schwerer zu durchschauenden Algorithmen des Portals liegt, ist YouTube seit Jahren ein Dorn im Auge.

Dass YouTube jetzt härter und gern auch mal willkürlicher durchgreift, bekommen nun auch Kanäle zu spüren, die sich dank ihrer hohen Abonnentenanzahl bisher eigentlich ziemlich sicher fühlten. Gerade wurde zum Beispiel der Kanal von Open Mind mit über 320.000 Abos gelöscht, weil Simon ein Video über Hanfprodukte hochgeladen hatte. “Ich habe über fünf Jahre lang hart an diesem Kanal gearbeitet, habe jede Woche ein Video hochgeladen”, erzählt er. “Es ist einfach wirklich übertrieben, wenn man sich überlegt, wegen welchen Videos der Kanal gelöscht wurde.”

Gleichzeitig wurde der Kanal des beliebten Streamers Tanzverbot mit einem Community-Richtlinienstrike wegen eines über zwei Jahre alten Videos bestraft. Damit werden ihm wichtige YouTube-Funktionen vorenthalten und gesperrt, um ihn am besten daran zu hindern, weitere Abonnements zu generieren. “Ich bin mit guter Laune aufgestanden und das fickt mich gerade schon ziemlich weg, dass ich für ein zwei Jahre altes Video komplett auseinander genommen werde”, lässt Kilian verlauten. “Ich glaube, jetzt ist es vorbei mit YouTube.”

Damit dürfte klar sein, dass die Aktionäre den Druck auf YouTube erhöht haben und ihnen Werbeeinnahmen wichtiger als die künstlerische Freiheit ihrer Creator sind. Der Kuschelkurs und die darauf folgende Schonzeit sind nun endgültig vorbei, jetzt werden die Kanäle aussortiert, die nicht in das kindgerechte und harmlose Weltbild von Google passen. Kleine wie große YouTuber sollten sich jetzt wirklich überlegen, ob sie das Risiko aufnehmen wollen, weiterhin für eine Firma zu arbeiten, die ihnen von heute auf morgen, ohne jegliche Vorwarnung, die Lebensgrundlage entziehen kann, oder ob sie nach alternativen Wegen suchen wollen, um sich selbst zu verwirklichen und dabei auch noch etwas zu verdienen.

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