Nie wieder Pizza - Ich bin so fett, dass ich meinen Penis nicht mehr sehen kann, wenn ich herunterschaue

Als ich 2007 nach Berlin gezogen bin, wog ich exakt 70 Kilogramm. Nun, 10 Jahre, 972 Cheeseburger und 2923 Pizzen später, wiege ich etwas über 100 Kilogramm. Das ist eine…
Nie wieder Pizza

Ich bin so fett, dass ich meinen Penis nicht mehr sehen kann, wenn ich herunterschaue

Als ich 2007 nach Berlin gezogen bin, wog ich exakt 70 Kilogramm. Nun, 10 Jahre, 972 Cheeseburger und 2923 Pizzen später, wiege ich etwas über 100 Kilogramm. Das ist eine Volumenvergrößerung von 40 Prozent. Oder so. Das muss man sich einmal vorstellen. Und das Schlimmste ist: Ich werde immer mehr. Ich mache nichts dagegen, versteht mich nicht falsch, also sollte das alles andere als überraschend für mich sein. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich immer fetter und fetter und fetter und fetter und fetter und fetter und fetter und fetter werde.

Um niemanden zu schockieren oder unsere Werbekunden zu vergraulen, verzichte ich an dieser Stelle darauf, euch ein aktuelles Foto von mir zu zeigen. Aber so viel sei gesagt: Meine Wampe ist heute so mächtig und aufgebläht, dass ich meinen ansonsten natürlich riesigen und gigantischen Penis nicht mehr sehen kann, wenn ich gerade an mir herunterschaue. Das musste ich vorhin bei einem flüchtigen Besuch auf einer nicht zu benennenden Toilette feststellen. Da wurde mir bewusst: Vielleicht sind meine vergangenen Lebensentscheidungen nicht die besten gewesen.

Das war, nachdem ich eine doppelt belegte Käsepizza in einer Rekordzeit, die selbst den japanischsten Wettbewerbsesser blass aussehen lassen würde, in mich hinein gestopft hatte. Mir war danach so schlecht, dass ich kurzzeitig darüber nachdachte, mir mit dem Pizzaschneider den Bauch aufzuschneiden, nur um das Zeug pseudooperativ wieder aus mir herausholen zu können. Aber dafür war ich zu feige.

Als ich wieder zu Hause war, habe ich in einer spontanen Aktion alles Ungesunde aus dem Kühlschrank und drumherum in zwei riesige, blaue Mülltüten verfrachtet und in einem dunklen Container am anderen Ende der Stadt entsorgt. Und ja, die Kinder in Afrika waren mir an dieser Stelle mehr als egal. Ich habe Essen weggeworfen. Und ich stehe dazu. Auch wenn ich den gerade gekauften Pizzen hinterher trauere.

Weil das Fett noch nicht in mein Gehirn vorgedrungen ist, weiß ich, dass solche “Ich ändere jetzt mein Leben lololol”-Artikel niemals gut enden. Meistens halten die guten Vorsätze ein, zwei Wochen an und dann drückt man seinen Kopf in eine Sahnetorte und atmet einfach tief ein. Aber das nützt ja alles nichts. Wenn ich nicht in kürzester Zeit 30 Kilo verliere, müssen sie mich in spätestens drei Jahren aus der Wohnung schneiden.

Und da ich dieses Ziel mit so wenig Sport wie nur irgendwie möglich erreichen möchte, habe ich mir zwei geniale Dinge vorgenommen. Ich werde nur noch Gurken essen und am Tag 10.000 Schritte gehen. Das muss wirklich reichen. Okay, ich gebe zu, dieser Plan hat womöglich seine Schwächen, aber ich arbeite noch an den Details. Doch so ungefähr wisst ihr hoffentlich, auf was ich hinaus möchte. Ist ja auch nicht so kompliziert.

Übrigens ist meine mehr oder weniger akute Fettleibigkeit auch der Grund dafür, warum ich mich nicht mehr auf irgendwelchen Presseevents blicken lasse. Erstens, weil es mir peinlich ist, ständig neben perfekten und hauchdünnen Instagram-Models herum zu schwitzen, und zweitens, weil ich nicht mehr durch die anscheinend immer schmäler werdenden Eingangstüren passe. Und ja, das meine ich vollkommen ernst.

Natürlich könnte ich jetzt so ein Body-Positive-Verfechter werden, der am Tag zwölf Packungen Prinzenrolle in sich hinein drückt und dann auf Twitter “Fat is beautiful” postet und Mattel verklagt, weil er sich mit dem durchtrainierten Ken nicht mehr identifizieren kann. Und überhaupt, alle sind so dünn, aber wer setzt sich für all die kleinen, fetten Kinder ein, die keine richtigen Vorbilder haben? Ja eben, denkt darüber mal nach!

Aber die Wahrheit ist, dass ich mich absolut beschissen fühle. Ich weiß gar nicht mehr, was ein Hungergefühl überhaupt ist. Essen wurde zur Gewohnheit. Und Gemüse ist nur Beilage. Die ganzen Klischees eben. Aber jammern bringt ja nichts. Und ich sage auch nicht, dass sich jetzt was ändern muss, sondern wird. Weil ich mal gehört habe, dass das psychologisch gesehen mehr bringt. Wehe das stimmt nicht, dann aber…

Wenn ich richtig gut bin, dann war das heute vielleicht meine allerletzte Pizza. Mein offizielles Lebensmotto ist jetzt nämlich: “Nie wieder Pizza!” Wenn ich realistisch bin, dann war das heute meine letzte Pizza bis in zwei Wochen. Aber soweit wollen wir es ja nicht kommen lassen, nicht wahr? Eben. Wir sind jetzt ein Team. Wir alle. Die Anti-Fat-Gang. Oder so. Nur noch Gurken! Und Karotten! Und Avocados! Hurra…

Eine gute Freundin von mir trackt ihr ganzes Essen mit der anscheinend ziemlich guten App Lifesum und geht 10.000 Schritte am Tag. Und sie hat 12 Kilo abgenommen. Und weil ich ein Nachmacher bin, werde ich das jetzt auch machen. Das kann ja wohl nicht so schwer sein. Wenn ihr in einem Jahr also einen perfekt definierten, schlanken Typen seht, der euch sexy und gekonnt zuzwinkert, dann bin ich das. Und niemand sonst.

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