Das Ende einer Ära - Mit dem plötzlichen Tod des Neon Magazins stirbt auch ein großes Stück Jugendkultur

Egal ob Pubertät, Studium oder Jobsuche: Die NEON war immer dabei. Keine andere deutsche Zeitschrift schaffte es, den Zeitgeist der jungen Erwachsenen so ehrlich, ernst und unaufgeregt zu treffen, wie…
Das Ende einer Ära

Mit dem plötzlichen Tod des Neon Magazins stirbt auch ein groSSes Stück Jugendkultur

Egal ob Pubertät, Studium oder Jobsuche: Die NEON war immer dabei. Keine andere deutsche Zeitschrift schaffte es, den Zeitgeist der jungen Erwachsenen so ehrlich, ernst und unaufgeregt zu treffen, wie die 2003 vom Stern gegründete Publikation. Hier ging es nicht um seelenlose Sternchen, peinliche Lacher oder den schnellen Kick. Die NEON war jeden Monat das Zuhause echter Heranwachsender, die über den Tellerrand hinaus schauen wollten. Hier lehrte man uns, dass die Welt nicht vor der Haustür endete, sondern immer, immer weiter ging.

“Am Anfang der Entwicklung von NEON stand ein einziger Satz: Eigentlich sollten wir erwachsen werden,” hieß es in der allerersten Ausgabe, auf der Nora Tschirner vom Cover herüber blickte. “Er fasst zusammen, was viele junge Frauen und Männer fühlen. Auf der einen Seite versuchen wir, die Unbeschwertheit unserer Jugend zu bewahren – obwohl wir schon lange volljährig sind: Möglichst nicht an Morgen denken. Den Augenblick genießen. Das Falsche tun, einfach weil es Spaß macht. Eigentlich sollten wir erwachsen werden. Wer diesen Satz versteht, ist hier richtig.”

Nach über 15 Jahren wird die NEON nun eingestellt. Nach all den Höhen und Tiefen, die das Magazin hinter sich hatte. “In diesem “eigentlich” schwang mit: So richtig wollen wir das nicht, dieses Erwachsenwerden,” schreibt Chefredakteurin Ruth Fend auf der NEON-Internetseite über das von Timm Klotzek und Michael Ebert kreierte Magazin und sein baldiges Ende. “Weil das junge Leben, trotz all seiner Unsicherheiten, Ängste und Selbstzweifel, immer auch das größere Versprechen birgt. Die Chance auf ein großartiges Morgen und ein aufregendes Jetzt, das vielleicht doch etwas prickelnder, lauter, bunter ist als das Leben unserer Eltern. Mehr NEON eben.”

Und weiter: “Manche von uns schaffen es, dieses Gefühl sehr lange, vielleicht sogar ein Leben lang aufrechtzuerhalten, und das ist schön. Viele allerdings stellten irgendwann fest: Sie sind jetzt nun mal erwachsen. Und selbst wenn sich ihre Sehnsüchte und Widersprüche damit nicht einfach auflösten, so haben sie sich doch vom Lebensgefühl ihrer Zeit mit NEON verabschiedet.”

Dann richtet sich Ruth direkt an die Leser: “Wir würden wahnsinnig gerne weiter ein Heft für euch machen, mit all der Leidenschaft, mit der wir es noch immer jeden Monat tun. Aber ihr seid zu wenige geworden. Denjenigen, die sich verabschiedet haben, sind nicht genügend Jüngere gefolgt. Die heute 20-Jährigen haben neue Lebensbegleiter gefunden. Als unsere Leser wisst ihr, was für einen Rat wir euch geben würden, wenn die Basis für eine Beziehung nicht mehr da ist: Seid ehrlich zu euch. Denkt nach vorn. Trennt euch. Für die gedruckte NEON ist es die wirtschaftliche Perspektive, die nicht mehr vorhanden ist. Wir haben um sie gekämpft – auch das ist wichtig. Aber jetzt müssen wir loslassen.”

Mir hat die NEON damals mehr bedeutet als es mir vielleicht bewusst war. Kein anderes Heft habe ich so ausführlich, von vorne bis hinten und wieder zurück, verschlungen wie sie. Die Reportage über Träume, die Wahrheit über Sex, die Hassliebe des Lebens, das digitale Dasein. Punktgenau stach die NEON immer direkt ins Herz, bis sie sich eines Tages wiederholte. Ich war herausgewachsen. Ich war nicht mehr NEON.

Wenn ich heute noch irgendwo ein altes, vielleicht schon zerfleddertes Heft herum liegen sehe und darin herum blättere, erkenne ich mich in vielen großen und kleinen Themen wieder. Mir wird bewusst, wie sehr mich manche Gedankengänge aufstrebender Autoren inspiriert, angespornt und womöglich sogar ein wenig beeinflusst haben. Und dafür möchte ich der NEON danken. AMY&PINK wäre nicht das, was es heute ist, wenn es die NEON nicht gegeben hätte. Ob das jetzt positiv oder negativ ist, möchte ich jetzt einfach mal dahin stellen.

Am 18. Juni erscheint nun die letzte Ausgabe. In ihr will die Redaktion eine große Abschiedsparty ausrichten und auf die vergangenen 15 Jahre zurück blicken. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wie man das eben so macht, wenn man geht und sich in neue Abenteuer stürzen möchte. “Obwohl wir traurig sind, dass diese Zeit für das Heft zuende geht, wollen wir sie noch einmal feiern,” schreibt Ruth.

Es soll jetzt, wie so viele andere Publikationen es vorgemacht haben, nur noch digital weiter gehen. Dort ist die Konkurrenz zwar groß, aber die Hoffnungen und Chancen auch, so scheint es. Die NEON wird eine Lücke in den Zeitschriftenregalen der Kioske im ganzen Land hinterlassen, die so wahrscheinlich niemand mehr füllen kann – und will. Den sich ständig selbst voran schiebenden Lauf der Dinge kann eben niemand aufhalten. Und so stirbt mit dem irgendwie vorhersehbaren und dann doch ziemlich plötzlichen Tod der NEON auch ein großes Stück Jugendkultur.

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Topman

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