Liebe Leser*innen - Wer Gender-Sternchen in Texten verwendet, fragt beim Masturbieren auch um Erlaubnis

Wir haben in letzter Zeit einige grammatikalisch fragwürdigen Emails erhalten, in der uns teilweise nicht sehr höfliche Individuen mehr oder weniger nett dazu aufforderten, doch gefälligst Gender-Gaps oder -Sternchen in…
Liebe Leser*innen

Wer Gender-Sternchen in Texten verwendet, fragt beim Masturbieren auch um Erlaubnis

Wir haben in letzter Zeit einige grammatikalisch fragwürdigen Emails erhalten, in der uns teilweise nicht sehr höfliche Individuen mehr oder weniger nett dazu aufforderten, doch gefälligst Gender-Gaps oder -Sternchen in unseren Texten zu verwenden. Wenn ihr nicht wisst, was das ist, dann gehört ihr zu den letzten mental gesunden Menschen auf diesem Planeten. Und wenn ihr doch wisst, was das ist, dann zählt ihr zu den Leuten, die AMY&PINK eigentlich nur lesen, um zu schauen, ob und warum es den Dreck bedauerlicherweise immer noch gibt.

Wenn man in Texten nicht Busfahrer und Busfahrerinnen, sondern Busfahrer*innen schreibt, dann spricht man vom Gender-Sternchen. Einige feministische Blogs, linke Onlineforen und experimentelle Schülerzeitungen großer, deutscher Verlage verwenden sie, um zu zeigen, dass Sexismus auch im geschriebenen Wort keinen Einzug einhalten darf. Zumindest ist das die offizielle Stellungnahme, warum sie das machen.

Und weil Frauen immer noch weniger verdienen als Männer, weil der im Straßenverkehr nicht ganz ungefährliche Stecher einer der Kardashians jetzt keinen Penis mehr hat und weil es heutzutage 2913 Geschlechtsbezeichnungen, von denen einer ein Delfin ist, der im Körper einer homosexuellen Straßenlaterne in Bremen gefangen ist, gibt, sind Gender-Sternchen quasi nicht nur der gute Ton, sondern eine gesellschaftliche Pflicht.

Wir haben bei AMY&PINK lange, breit und ausführlich darüber diskutiert, ob auch wir nun endlich modern werden sollen und die Gender-Sternchen in unseren Texten verwenden sollen, nein, müssen, nein, dürfen. Und wenn ich lange, breit und ausführlich sage, dann meine ich damit, dass einer die Emails laut vorgelesen hat, während die anderen Pizza mit THC-Butter futterten und laut lachten. Das war dann auch schon die Antwort.

Es ist doch so: Gender-Gaps, -Sternchen oder was auch immer es jetzt noch in dieser Form gibt, sind nicht nur unlesbar und sehen scheiße aus, sie werden auch noch von Menschen benutzt, denen es nicht um den Delfin, der im Körper einer homosexuellen Straßenlaterne in Bremen gefangen ist, geht, sondern lediglich darum, sich in der Öffentlichkeit zu profilieren und zu zeigen, wie modern und liberal man doch ist.

Wer Gender-Sternchen in seinen Texten verwendet, der fordert auch eine Frauenquote in der Prostatakrebs-Selbsthilfegruppe, der spricht auch chinesische Touristengruppen auf Deutsch an, weil es ja sein könnte, dass sie gar nicht aus Peking, sondern aus Bottrop-Kirchhellen kommen, der trägt auch ein “Black Lives Matter”-T-Shirt, obwohl er noch nie einen Schwarzen gesehen hat, der fragt auch beim Masturbieren um eine schriftliche, vom Notar bestätigte Erlaubnis, weil es ja sein könnte, dass sein Körper gerade keine Lust darauf hat, unsittlich berührt zu werden.

Die politische Korrektheit, zu denen die Gender-Sternchen zweifellos zählen, ist zu einem gesellschaftlichen Stigma verkommen, das von der AfD dazu benutzt wird, intelligenzarme Hinterwäldler davon zu überzeugen, dass Ausländer ihre Blondinen vögeln und Jobs übernehmen, dass sie die Bundeskanzlerin ins Mittelmeer abschieben müssen, damit sie weiterhin Zigeunersauce und Negerküsse in sich hinein stopfen können, und dass die Erde eigentlich flach ist – woran wahrscheinlich die USA schuld sind. Oder ein Flüchtling. Aber auf gar keinen Fall Russland.

Einige Medien haben sich deshalb dazu entschieden, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um sich so weit wie möglich von diesen im wahrsten Sinne des Wortes verrückten Leuten zu distanzieren, egal, ob das nun gut für den Leser ist oder eben nicht. Ihnen geht es scheinbar nur noch darum, nach außen hin zu zeigen: Seht her, wir sind das genaue Gegenteil von AfD, Pegida und der Identitären Bewegung. Und von Hitler.

Sie wiederholen zwölf Mal am Tag, dass Frauen in der Welt ungerecht behandelt werden, und erreichen durch diese ständig gleiche und monotone Aussage nur, dass es nur noch diejenigen interessiert, die sowieso schon ihrer Meinung sind. Sie katapultieren sich dadurch in eine Meinungsblase, aus der sie nicht mehr heraus kommen und in der sie nur noch die Bestätigung von sich selbst und einigen Klonen erhalten.

Wenn ich meinen Freunden erzähle, dass männliche Küken in den ersten Minuten ihres Lebens in den Häcksler wandern, weil sie keine Eier legen, dann sind sie schockiert und denken vielleicht sogar über dieses Thema nach. Wenn ich ihnen das jede halbe Stunde erzähle, zünden sie mich wahrscheinlich nach einer Woche an, damit ich endlich die Klappe halte. Wahrheiten sind auch wahr, wenn man sie nicht zu Tode repetiert.

Gender-Sternchen sind nicht nur unleserlich, bescheuert und werden von Menschen verwendet, die sich geil fühlen, weil sie so viel besser und klüger und moderner sind als der Rest der Welt, sie schrecken auch Leute ab, die sonst womöglich offen für neue Impulse, Gedanken und Ideen gewesen wären. Das ist nicht nur schade, sondern auch einer der größeren Gründe, warum wir uns gegen ihre Verwendung entschieden haben.

Wahrscheinlich kommt sowieso irgendwann raus, dass Gender-Gaps und -Sternchen nur ein ziemlich schief gelaufener Aprilscherz eines Frauen hassenden und Chemtrails fürchtenden Flatearther-Nazis gewesen sind, der sich auch heute noch darüber schief und kantig lacht, dass Feministen diesen grammatikalischen Verkehrsunfall tatsächlich ernsthaft in ihren sich ständig wiederholenden Manifesten verwenden.

Wenn ihr also, warum auch immer, darauf gehofft habt, dass wir bei AMY&PINK in naher Zukunft Gender-Gaps oder -Sternchen verwenden, dann muss ich euch leider enttäuschen. “Liebe Leser*innen” werdet ihr in nächster Zeit nicht bei uns lesen. Ob ihr das nun gut findet oder nicht, liegt natürlich ganz bei euch. Aber irgendetwas sagt mir, dass die meisten Leser von AMY&PINK mit uns einer Meinung sind. Und das zurecht.

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