Facebook und die Daten:

Facebook und die Daten - Ihr seid selbst schuld daran, wenn Mark Zuckerberg euch gnadenlos ausnutzt

„Es tut mir wirklich leid, was geschehen ist. Wir haben die Verantwortung, Ihre Daten zu schützen. Wenn wir das nicht können, haben wir nicht das Recht, Ihnen zu dienen.“ Mark…
Facebook und die Daten

Ihr seid selbst schuld daran, wenn Mark Zuckerberg euch gnadenlos ausnutzt

„Es tut mir wirklich leid, was geschehen ist. Wir haben die Verantwortung, Ihre Daten zu schützen. Wenn wir das nicht können, haben wir nicht das Recht, Ihnen zu dienen.“ Mark Zuckerberg macht es einem so einfach, ihm zu glauben. Wie er da sitzt, mit seinem zerzausten Haar und dem Bubi-Gesicht, das eher nach Student, der nebenbei sein Geld als Foodora-Lieferant verdient, aussieht, als nach dem Chef des größten sozialen Netzwerks der Welt. „Sorry, Leute, ist alles ein bisschen blöd gelaufen, möchte jemand als Entschädigung einen Foodora-Gutschein?“

Die Aktienkurse sinken rasant, als muss natürlich schleunigst mit einem Kniefall entgegengewirkt werden – in den Wochen, Monaten und Jahren vorher hielt das offenbar niemand für nötig. Wenn eh niemand davon weiß, wozu unnötig die Pferde scheu machen? Nun haben amerikanische und britische Medien den „Daten-Skandal“ um Facebook und Cambridge Analytica aber aufgedeckt. Die Daten von 50 Millionen User sollen abgezapft und zur Wahlmanipulation genutzt worden sein.

Das Kind ist in den Brunnen gefallen und die Aktienkurse gleich hinterher. Deswegen versucht Facebook auch – jenseits der Entschuldigung und dem Willen alles aufzuklären – sich lieber als Opfer darzustellen und die Schuld möglichst vollends in Richtung Cambridge Analytica zu schieben. Und diese sind natürlich auch schuldig, schließlich haben sie unter dem Deckmantel einer Umfrage-App die Daten von Millionen Usern abgegriffen und sie, ohne darüber zu informieren, für komplett andere Zwecke missbraucht.

Die Möglichkeit an diese Daten zu gelangen, bietet allerdings Facebook selbst an, damit verdienen sie schließlich Geld; Cambridge Analytica hat in diesem Falle also nichts Illegales getan, daran ist allein Facebook Schuld, wie der IT-Blogger Fefe im Interview mit Meedia erklärt: „Cambridge Analytica hat die Facebook-Schnittstellen genutzt. Da war kein Hack involviert, kein Einbruch, kein Eindringen. Facebook stellt diese Möglichkeiten zur Verfügung, und Cambridge Analytica hat sie genutzt.“

Facebook verdient Geld mit unseren Daten und ist demnach daran interessiert diese auch gewinnbringend an andere Unternehmen weiterzureichen. Das ist für die meisten kein Schock, mit diesem Fakt haben sich die Internetnutzer arrangiert. Was mich allerdings schockiert, ist die Tatsache, dass viele glauben sie hätten bei Facebook selbst unter Kontrolle was mit ihren Daten geschieht. „Ich poste kaum etwas, so viel können die also eh nicht über mich sammeln!“ oder „Ich habe alles auf privat gestellt!“. Eine erschreckende Naivität!

Diese manifestierte sich im Besonderen in der allgemeinen Aufforderung den eigenen Facebook-Kanal zu löschen – und hier zeigt sich das eigentliche Problem. Profil löschen, Thema erledigt, konzentrieren wir uns wieder auf irgendwas anderes. Klar kann man den Account löschen (im Grunde hätte man ihn eigentlich nie anlegen dürfen), damit packt man aber das eigentliche Problem nicht an der Wurzel und verschließt sich einer grundlegenden Diskussion, die nicht nur seitens der Politik, sondern vor allem seitens der Gesellschaft geführt werden muss.

Wie viel wollen wir preisgeben? Wie nachlässig wollen wir uns in Zukunft im Netz bewegen? Meine Daten werden im Netz jederzeit und überall gesammelt, dafür braucht es kein Facebook-Profil. Diese Daten können einerseits dazu dienen mir bei Netflix die Filme und Serien anzuzeigen, die mir wahrscheinlich gefallen werden oder werden eben dazu verwendet, um mich mittels maßgeschneiderter Werbung zu beeinflussen.

Das schien uns all die Jahre egal zu sein („Mir doch wurscht, ich habe ja nichts zu verbergen!“), doch jetzt wo es um die Beeinflussung inmitten von Wahlen geht, wird sich plötzlich empört. Dämliche Algorithmen dürfen mir gern schrottige Artikel im Browser anzeigen, aber politische Botschaften, no way! Dabei ist in beiden Fällen unser eigener Verstand gefragt. Will ich das wirklich kaufen? Will ich der News wirklich Glauben schenken?

Produkt- wie Parteienwerbung sind nun wirklich kein Produkt des Internets, das gibt es schon eine ganze Weile. Und egal, ob ich mit Flyern, Heftchen, Plakaten, Online-Clips -Nachrichten zugeballert werde, am Ende treffe ich als mündiger Bürger meine eigenen Entscheidungen. Und als ebendieser darf mir aber auch nicht egal sein, was im Netz mit meinen Daten geschieht.

Bundesjustizministerin Katarina Barley ist das zum Beispiel nicht egal. Die traf sich heute unter anderem mit mit einem der europäischen Cheflobbyisten von Facebook. Nach dem Gespräch, das laut Barley intensiv und durchaus kontrovers gewesen sein soll, signalisierte Facebook ein Entgegenkommen und wolle mehr Transparenz beim Algorithmus „wohlwollend prüfen“, ach wie süß.

Man merkt also, wenn die Bürger nicht mitziehen und sich kritischer mit ihrem eigenen Surfverhalten im Netz auseinandersetzen, dann werden große Konzerne wie Facebook auch weiterhin nicht über ein wohlwollendes Prüfen hinausgehen und auf zuckerbergsche Art mal kurz um Entschuldigung bitten, um nicht den User, sondern den Aktienkurs zu beruhigen.

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Monki

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