Rest in Peace, Datenkrake - Es wird Zeit, dass Facebook den selben Weg wie MySpace, Friendster und StudiVZ geht

Gerade sorgt der Bericht eines Insiders über die Hintergründe der unerlaubten Auswertung von 50 Millionen Facebook-Profilen durch die umstrittene Analysefirma Cambridge Analytica sowie deren Einfluss auf die Wahl des US-Präsidenten…
Rest in Peace, Datenkrake

Es wird Zeit, dass Facebook den selben Weg wie MySpace, Friendster und StudiVZ geht

Gerade sorgt der Bericht eines Insiders über die Hintergründe der unerlaubten Auswertung von 50 Millionen Facebook-Profilen durch die umstrittene Analysefirma Cambridge Analytica sowie deren Einfluss auf die Wahl des US-Präsidenten Donald Trump für Aufsehen. Der zum britischen Guardian gehörende „Observer“ und die „New York Times“ deckten auf, dass sich die Firma über eine vermeintlich wissenschaftliche App unrechtmäßig persönliche Daten von zig Millionen Facebook-Nutzern beschafft hat, um Wähler mit zielgerichteten Botschaften zu manipulieren.

Die EU-Justizkommissarin Věra Jourová bezeichnete es als “erschreckend“, dass die persönlichen Daten von 50 Millionen Nutzern so einfach abgegriffen und für politische Zwecke eingesetzt worden sein könnten. Auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter kündigte sie an, die Europäische Union werde “alle möglichen rechtlichen Maßnahmen ergreifen”, um die sensiblen Daten der Bürger zu schützen.

Mit dem Hashtag #DeleteFacebook fordern nun tausende Menschen auf der ganzen Welt dazu auf, den privaten sowie beruflich genutzten Facebook-Account zu löschen. Darunter ist neben dem WhatsApp-Gründer Brian Acton, der die App einst für 16 Milliarden Dollar an Mark Zuckerberg verkaufte, sowie der Whistleblower Edward Snowden. Der schrieb auf Twitter, dass Facebook nichts anderes sei, als ein als “Social Media” verkleideter Überwachungsapparat. Mark Zuckerberg würde nichts weiter machen, als Daten zu sammeln uns die teuer zu verkaufen.

“Facebook ist eines der mächtigsten, wenn nicht das mächtigste Unternehmen der Welt, was den Einfluss auf Wahrnehmung und Sozialverhalten sowie Reichweite angeht”, schreibt Sascha Lobo auf SPIEGEL ONLINE. “Und Facebook hat mehrfach bewiesen, dass es bisher nicht in der Lage ist, diese Macht angemessen zu kontrollieren. Deshalb geht es um die tatsächlichen und nicht die gefühlten Verfehlungen.”

Und weiter: “Genau genommen weiß nicht einmal Facebook selbst, wie Facebook wirkt. Und das ist die Gefahr, die das soziale Netzwerk für die Demokratie darstellt, das große Versäumnis, das man Facebook ankreiden muss. Die Menschen-Megamaschine wurde unglaublich perfektioniert, was Werbung angeht – aber alles andere inklusive der sozialen Wirkung auf die Welt war nachrangig.”

Angela Gruber kommentiert ebenfalls auf SPIEGEL ONLINE: “Es ist essenziell, dass Nutzer sich empören, zum Beispiel jetzt über Facebook. Wer angesichts des aktuellen Skandals Facebook nicht mehr nutzen möchte, sollte sich bitte flugs abmelden. Jede Bewegung startet klein und kann beim Erreichen einer kritischen Masse gehörig Druck aufbauen. Wenn aus der Hashtag-Aktion eine echte, breit geführte Privatsphäre-Debatte um die großen Tech-Konzerne und ihre Macht erwächst, wäre viel erreicht. Eine solche Debatte braucht es jetzt, damit die mächtigen Internetkonzerne in Zukunft vielleicht mehr auf die Interessen der Nutzer achten.”

Mir sind Facebook und Mark Zuckerberg seit Jahren unsympathisch und ich denke des Öfteren darüber nach, den AMY&PINK-Account sowie meinen eigenen zu löschen. Aus diversen Gründen. Ich persönlich warte jetzt einfach mal ab, ob das alles nur heiße Luft ist oder ob Facebook nun endlich den selben Weg wie MySpace, Friendster und StudiVZ geht. Wünschen würde ich es mir tatsächlich sehr.

“Wir selbst, alle Blogger, alle Online-Magazine, alle YouTuber, alle Redaktionen und alle Einzelpersonen, haben uns freiwillig in eine Abhängigkeit begeben, die uns nun, da sie uns fest im Würgegriff hat, erdrückt,” schrieb ich vor drei Jahren. “Und denjenigen, denen wir eigentlich Inhalte bieten möchten, ist das egal. Denn Facebook ist für sie da. Schon bald werden sie uns vergessen haben. Aus dem Auge, aus dem Sinn.”

Und weiter: “Einen Ausweg aus dieser Misere sehe ich nur darin, soziale Netzwerke strikt nicht mehr dazu zu nutzen, Inhalte des eigenen Mediums zu teilen. Damit die eigene Seite der einzige Weg für Leser ist, um an Neuigkeiten heran zu kommen. Womöglich muss man sie dazu konditionieren. Womöglich geraten wir dadurch aber auch schneller in die Vergessenheit als wir gucken können.”

Außerdem: “Dieses Risiko wird niemand von uns eingehen. Stattdessen freuen wir uns weiterhin über jeden Like, jeden Fav und jeden Retweet und löschen fleißig die Kommentare unter den Facebook-Posts, die Menschen davon abhalten, auf den Link zu klicken. Und hoffen, dass die Abhängigkeit, in der wir uns befinden, nicht allzu stark von amerikanischen Firmen ausgenutzt wird.”

Und: “Ein Appell an die jungen und damit zukunftsweisenden Nutzer wird ebenso wenig bringen wie die verzweifelte Kampagnen der Regierung an Heranwachsende, dass man Drogen keine Macht geben soll. Sie ahnen nicht, dass sie sich mit ihrem Verhalten ein Internet schaffen, dass weniger bunt und dafür mehr überwacht ist. Und es kümmert sie auch nicht. Warum auch?”

Facebook hat sich über die Jahre hinweg zu einem in Ansätzen faschistischen Gatekeeper entwickelt. Inhalte werden zensiert, blockiert oder einfach nur ausgeblendet. Hoffentlich ist die Affaire um Cambridge Analytica und das riesige Datenleck Grund genug, die Datenkrake endgültig sterben zu lassen. Und vielleicht leben wir morgen schon wieder in einem freieren, offeneren und bunterem Internet.

Die Frage des Tages: Löscht ihr jetzt euer Facebook-Konto?

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