Das Ende der Printbranche - Der Tod der deutschen Wired beweist, dass wirklich niemand mehr Zeitschriften liest

Während unabhängige Verlage die übrig gebliebenen Reste des Prints für die Chancen kleiner Publikationen feiern, wissen die monumentalen Urgesteine der Branche, dass die Zeit für große Innovationen längst abgelaufen sind.…
Das Ende der Printbranche

Der Tod der deutschen Wired beweist, dass wirklich niemand mehr Zeitschriften liest

Während unabhängige Verlage die übrig gebliebenen Reste des Prints für die Chancen kleiner Publikationen feiern, wissen die monumentalen Urgesteine der Branche, dass die Zeit für große Innovationen längst abgelaufen sind. Digital ist der nicht mehr ganz so neue Status Quo, tote Bäume sind die Vergangenheit. Jetzt ist diesem schmerzhaften Wandel der nächste Titel zum Opfer gefallen: Die deutsche Wired.

So genau weiß keiner, warum die 2011 gestartete und 2014 so richtig nach vorne gebrachte deutsche Version des wichtigsten Technikmagazins der Welt nun eingestellt wird. Schlechte Verkaufszahlen? Abnehmende Qualität? Wusste der Condé Nast Verlag nicht so ganz, was er mit der in den USA, Großbritannien und auch Japan ziemlich starken Marke hierzulande anfangen sollte? Gerüchte und Vermutungen gibt es viele, aber eigentlich ist das jetzt auch egal. Wired Germany ist Geschichte. Und damit auch ein Projekt, das beweisen sollte, dass Print eben nicht tot ist.

“Aus der Wired Germany wurde so eine Art Startup-Postille mit Berlin-Mitte-Blick auf die Welt”, schreibt Thomas Knüwer, der für die erste Ausgabe verantwortlich war. “Dann ging auch endlich eine Homepage online. Die wollte auf eine absurde Weise anders sein, als andere – und war deshalb praktisch nicht zu benutzen. Im Social Web mochte sich auch kaum noch jemand erwärmen, die Accounts wurden noch dazu wenig professionell betrieben. War die erste Ausgabe fortschrittsoptimistisch, kippte sie danach in Richtung Habt-Angst-vor-dem-Internet.”

Und weiter: “Die Behauptung, dass digitalaffine Menschen gar nichts Gedrucktes mehr lesen würden, ist einfach falsch – nur muss es gut gemacht sein. Wie sehr könnte Deutschland im Jahr 2018 eine Wired brauchen. Endlich diskutieren wir über die Rückständigkeit des Wirtschaftsstandortes, wir reden im Kleinen und im Großen darüber, wie unsere Gesellschaft mit digitalen Themen umgehen will, die Wirtschaft wird dominiert von der der Debatte über digitale Transformation. Doch weiterhin sind die Klassikmedien technologiekritisch bis -feindlich, häufig genug wird nicht ausreichend recherchiert. Die Marktlücke wäre also da.” Doch gibt es jemanden, der diese Lücke erfolgreich nutzen kann?

Der einst so vielversprechende Printmarkt liegt am Boden und selbst große Verlage tun sich schwer, den Spagat zwischen Internet und Gedrucktem zu schaffen. Die letzte Hoffnung liegt bei kleinen Indie-Publishern, die sich nicht um die großen Probleme der Branche scheren, sondern eigene Regeln schaffen. Sollte es jemals wieder eine deutsche Version der Wired geben, dann müsste sie von Grund auf neu durchdacht sein. Vielleicht eine Mischung aus Offscreen Mag, +81, und IdN, mit einem Hauch von Mushpit? Doch dafür ist es jetzt wahrscheinlich sowieso zu spät…

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