Das Ende des Web 2.0 - Vox feuert 50 Social-Media-Mitarbeiter, weil Facebook, Twitter & Co. offiziell tot sind

Jahrelang hatten selbsternannte Social-Media-Experten gepredigt, dass Facebook, Twitter und Snapchat die neuen Heilsbringer wären, dass die eigene Homepage Schnee von gestern sei, dass Blogger, Onlineredakteure und Digitaljournalisten all ihre Expertise…
Das Ende des Web 2.0

Vox feuert 50 Social-Media-Mitarbeiter, weil Facebook, Twitter & Co. offiziell tot sind

Jahrelang hatten selbsternannte Social-Media-Experten gepredigt, dass Facebook, Twitter und Snapchat die neuen Heilsbringer wären, dass die eigene Homepage Schnee von gestern sei, dass Blogger, Onlineredakteure und Digitaljournalisten all ihre Expertise und Arbeit und Visionen in für die verschiedenen Kanäle zugeschnittenen Content stecken sollten, sonst wären sie kürzester Zeit arbeitslos.

Gerade hat Vox, nicht der Fernsehsender, sondern der amerikanische Medienkonzern, der auch Seiten wie The Verge, Polygon oder Eater betreibt, angekündigt, 50 Social-Media-Mitarbeiter zu entlassen, weil “sich die Industrie in den letzten Monaten stark verändert hat”, wie der CEO Jim Bankoff mitteilte. Das seit dem Jahr 2003 geradezu heraufbeschworene Web 2.0 ist damit also offiziell vorüber.

Die Gründe sind klar. Facebook ist tot, weil Mark Zuckerberg Seitenbetreiber aus dem Newsfeed wirft und wieder mehr auf den direkten Austausch von Menschen setzt. Twitter ist tot, weil die Seite quasi nur noch eine Donald-Trump-One–Man–Show ist. Und Snapchat ist tot, weil die Verantwortlichen einen auf Digg machen und das von Millionen von Menschen gehasste Redesign nicht überleben wird.

Und die Entlassungen bei Vox werden nicht die letzten sein. Alle großen Medienhäuser, die zu sehr auf den Social-Media-Zug gesetzt hatten, müssen in den nächsten Monaten Konsequenzen aus den Veränderungen ziehen. Und die zuletzt so gefeierten Mitarbeiter dürfen um ihre absehbare Karriere bangen. Wie bei jedem Hype um die Zukunft der Medien stehen wir also nun einmal mehr vor dessen Trümmerhaufen.

Wie geht es weiter, nachdem wir Facebook, Twitter & Co. hinter uns gelassen haben? YouTube? Deren Content Creator leiden unter abnehmenden Werbeeinnahmen und chaotischen Regulierungen. Twitch? Deren Streamer müssen sich mit einer Welle der Zensur herumschlagen. Medium? Die einst so gefeierte Bloggingplattform musste zwei Büros schließen und etliche Mitarbeiter entlassen, weil Blogs (mal wieder) tot sind.

Die Jungen, um die es in der heutigen Zeit des Internets immer zu gehen scheint, treffen sich längst in aufgeteilten Grüppchen auf Instagram Stories, Discord und WhatsApp – oder nehmen den Zusammenbruch der großen, alten Netzwerke zum Anlass, Digital Detox zu betreiben und nur noch wenige Apps wie Netflix, Amazon Prime oder Spotify aktiv zu nutzen und den Rest für immer in den mobilen Papierkorb zu verfrachten.

Eine zutreffende Prognose für die Zukunft der Medien gibt es nicht. Und das ist auch gut so. Anstatt auf ein Pferd, das die Last unserer Erwartungen kaum tragen kann, zu setzen, sollte einfach jeder machen, was er für richtig hält und was ihm Spaß macht. Wer auf Twitch “Counter-Strike” streamen will, soll das tun. Wer über giftige Pilzsorten bloggen will, soll das tun. Wer auf Instagram sein Gesicht in Szene setzen will, soll das tun.

Dank des geistigen Ablebens von Facebook, Twitter & Co. fühle ich zum ersten Mal seit Jahren wieder Aufbruchsstimmung in der digitalen Szene. Das Internet ist tot, es lebe das Internet. Ich hoffe nur, dass wir aus unseren Irrtümern gelernt haben und in der nahen Zukunft nicht wieder zwei, drei Startups als die Zukunft der Medien ansehen. Schließlich müssen viele Menschen diesen fatalen Fehlschritt mit ihrem Job bezahlen…

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