Emotionale Abhängigkeit - Dein angeblicher Kryptonitmensch existiert einfach nicht

Ich sage dir jetzt, wie es ist: Kryptonitmenschen gibt es nicht. Das, was du als solches bezeichnest, ist nichts weiter als eine Person, von der du emotional abhängig bist und…
Emotionale Abhängigkeit

Dein angeblicher Kryptonitmensch existiert einfach nicht

Ich sage dir jetzt, wie es ist: Kryptonitmenschen gibt es nicht. Das, was du als solches bezeichnest, ist nichts weiter als eine Person, von der du emotional abhängig bist und die du aus genau diesem Grund nicht loslassen kannst. Du projizierst deine Empfindungen auf eine andere Person, die genauso ist wie alle anderen.

Sie ist absolut nichts Besonderes, auch wenn du dir das gerne einredest. Sie ist auch nicht dein „Kryptonit“. Vor allem nicht in der romantisierten Form, in der du diesen Begriff benutzt. Dass du sie als solches siehst und bezeichnest, zeigt einfach nur, dass du ein echtes Problem hast, das du behandeln lassen solltest.

Emotionale Abhängigkeit lässt sich im klinischen Kontext an drei verschiedenen Symptomen festmachen, die alle denen einer Sucht, wie zum Beispiel bei Drogen oder Alkohol, recht ähnlich sind. Zum einen wäre da das zwanghafte Verhalten, sich an eine andere Person zu klammern, über Selbstaufgabe bis hin zur kompletten Unterwerfung.

Wenn ich Texte über angebliche Kryptonitmenschen lese ist das immer das Erste, was mir ins Auge sticht. Sie alle handeln auf die ein oder andere Weise davon, dass man alles aufgeben würde, wenn die Person zurückkommen und wieder mit einem zusammen sein wollen würde. Das ist keine Liebe, das ist Abhängigkeit.

Das zweite, was mir auffällt, ist, dass die Personen, die von einem anderen Menschen als ihr „Kryptonit“ sprechen, kein normales Verhältnis zu diesem aufbauen können. Obwohl sie teilweise recht stark unter den Gefühlen, die ihr „Kryptonitmensch“ in ihnen auslöst, leiden, können sie die Beziehung entweder nicht beenden oder – was noch häufiger vorkommt – trauern ihr auch lange nach dem Ende noch hinterher und können sich so gar nicht auf einen neuen Partner oder eine neue Partnerin einlassen. Auch das ist keine Liebe, sondern pure Abhängigkeit, die man als Symptom nicht unterschätzen und auf gar keinen Fall romantisieren sollte.

Zu guter Letzt wären da noch die Entzugssymptome, unter denen die Leute leiden, wenn ihr „Kryptonitmensch“ sie verlassen hat. Oder auch einfach mal nur für eine Weile nicht erreichbar ist. Aus jedem Text, der über Kyptonitmenschen jemals geschrieben wurde, lassen sich die negativen Emotionen, Gefühle der Hilflosigkeit und manchmal auch einfach nur nackte Angst herauslesen.

Dass alles nicht mehr wird wie es mal war. Dass der Verlust so groß ist, dass er sich kaum ertragen lässt. Worte, die darauf hindeuten, dass deutlich mehr vorliegt als ein normaler Liebeskummer, den man früher oder später verkraftet. Bei dem man dann auch nicht mehr sehnsüchtig an die andere Person denkt, sondern ihr neutral begegnen kann.

All diese Dinge deuten auf Sucht, auf emotionale Abhängigkeit hin. Aber keineswegs auf irgendeinen „Kryptonitmenschen“. Die gibt es wie bereits erwähnt nämlich gar nicht. Wohl aber die Sorte Mensch, die längst vergangene Beziehungen nicht ruhen lassen kann und sich gedanklich immer wieder hinein katapultiert, Herzstechen spürt, wenn sie an die besagte andere Person erinnert wird und ihr ständig nachtrauert. Was stattfindet ist keine Liebe, sondern eine Projektion der eigenen Gefühle auf einen anderen Menschen, dem man das Wort „Kryptonit“ einfach nur gegeben hat, weil es nicht so schlimm klingt wie zu sagen „Ich bin emotional abhängig von dir!“. Obwohl man genau das ist.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass es gegen emotionale Abhängigkeit Mittel und Wege gibt. Der Einfachste ist der, die Dinge mal ganz rational zu betrachten und sich selbst einzugestehen, was eigentlich von statten geht. Zur Not eben mit jemandem, der einen mal auf den Boden der Tatsachen holt. Der einem sagt, dass „Kryptonitmenschen“ nicht wirklich existieren und das Problem in einem selbst liegt. Weil man eine idealisierte Beziehung nicht loslassen kann oder will.

Wenn das nicht hilft, tut das auf jeden Fall der Weg zum Therapeuten. Denn das, was du beschreibst, wenn du von deinem „Kryptonit“ sprichst, ist eine Sucht. Möglicherweise ausgelöst von einem viel tieferliegenden Problem, dessen du dir noch gar nicht bewusst bist. Und die musst du behandeln lassen, wenn du jemals glücklich werden willst. Oder eine Beziehung führen, die nicht auf Abhängigkeit basiert.

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