Haben die Terroristen gesiegt? - Je zubetonierter die Weihnachtsmärkte sind, desto unsicherer fühle ich mich

Welch aufbauende, starke und kämpferische Worte wir nach Terroranschlägen doch immer zu hören bekommen! „Wir werden uns dem Terror niemals beugen!“, „In diesen Zeiten sind wir stark!“, „Die Terroristen werden…
Haben die Terroristen gesiegt?

Je zubetonierter die Weihnachtsmärkte sind, desto unsicherer fühle ich mich

Welch aufbauende, starke und kämpferische Worte wir nach Terroranschlägen doch immer zu hören bekommen! „Wir werden uns dem Terror niemals beugen!“, „In diesen Zeiten sind wir stark!“, „Die Terroristen werden auf keinen Fall siegen!“.

So ermutigend, toll! Das Ergebnis dieses „sich-nicht-beugens“ sehe ich jetzt auf einem Berliner Weihnachtsmarkt. Wunderschöne Betonbarrieren zieren die Außengrenzen des Marktes, und ab und zu lugt irgendwo ein besinnlich ausschauender Polizist mit Maschinenpistole hervor.

Oder in Köln: Auch da kann man sich jetzt gemütlich mit einem Tässchen Glühwein an einen Betonklotz lehnen; dank Fahrzeugsperren kommt sogar noch ein Hauch Mad-Max-Feeling dazu (wobei die Stadt selbst ja schon apokalyptisch genug aussieht). Eine Zugangskontrolle behält man sich vor, wird aber sicher nur eingesetzt, wenn das Deutsch-Nafri-Verhältnis aus dem Gleichgewicht kommt.

Beton gibt’s ebenfalls in Düsseldorf, Essen, Rostock – Ludwigsburg nicht, da fährt man die Öko-Variante und stellt sich tonnenschwere Wasser-Barrikaden an die Eingänge – Bonn, und, und, und… Bonn, also ehrlich. Da verübt der Terrorist keinen Anschlag, da fährt er durch und denkt sich: „Um Allahs Willen, dieser Stadt überlasse ich ihrem eigenen Schicksal, ist ja schlimm hier!“

Die bedeutungsschwangere Frage lautet also jetzt: Hat aufgrund der zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen der Terror nicht schon längst gesiegt? Nein, sicher nicht. Würden die Terrorpräventionen täglich und spürbar in unseren Alltag eingreifen, unser alltägliches Leben verändern und wir in ständiger Angst leben, dann hätte der Terror sein ultimatives Ziel erreicht. Doch so weit sind wir ja zum Glück noch nicht. Wenn allerdings Call-Center-Agents Terroristen wären, hätten sie schon lange ihre 72 Jungfrauen, aber das ist ein anderes Thema.

Eine Frage, die man sich unweigerlich stellt, wenn man auf die hässlichen Betonblöcke in den Städten schaut, ist: Sind diese ganzen Sicherheitsmaßnahmen wirklich notwendig? Nun, die gefühlte Terrorgefahr ist in wenigen Jahren so stark gestiegen wie die Verkäufe von „Berliner Luft“ – und auch die tatsächliche Terrorgefahr ist angestiegen, das lässt sich leider nicht schönreden.

Da kann man noch so viel mit Statistiken um sich schmeißen, die beweisen, dass durch RAF und Co. in den 70ern wesentlich mehr Menschen durch Terroranschläge starben als jetzt. Trotzdem ist im Vergleich zu den letzten zwanzig Jahren die Gefahr durch IS-Mitglieder, -Sympathisanten, oder Trittbrettfahrer aktuell wieder gestiegen. Andererseits ist es wahrscheinlicher, an einer Alkoholvergiftung durch zu viel Eierpunsch zu sterben, als durch einen Terroranschlag. Aber hey, wenn mit den Barrieren auch nur ein Plan eines Terroristen zunichte gemacht wird, von mir aus.

Jetzt aber zur wichtigsten Frage: Fühlen wir uns dadurch überhaupt sicherer? Also ich definitiv nicht! Und woran liegt das? Natürlich daran, dass das alles scheiße aussieht! Die Polizisten mit inbegriffen! Wie soll ich mich bitte besinnlich mit Glühwein wegballern und zu Helene Fischer gröhlen, wenn mir die mahnenden Beton-Barrieren immer wieder vor Augen führen, dass mein Leben an einem seidenen Faden hängt? Wie soll ich festlich hinter die Bratwurstbude kotzen, wenn mich ständig ein bewaffneter Polizist dabei beobachtet? Wie soll ich später sturzbesoffen nach Hause kommen, wenn ich vor lauter Fahrzeugsperren mein eigenes Auto nicht finde?

Seid doch wenigstens etwas kreativ, liebe Veranstalter! Lasst die Fahrzeugsperren ausschließlich aus Fiat Multiplas bestehen, dann haben wir wenigstens was zu lachen. Verkleidet die Polizisten als niedliche Weihnachtselfen, dann sehen die nicht mehr so bedrohlich aus! Die Bochumer machen es richtig: Dort verpackt man die Barrieren in Geschenkpapier, genial! Nimm dir ein Beispiel daran, Weihnachtsmarkt-Deutschland!

Ansonsten hätte ich noch einen ganz anderen Vorschlag für Berlin: Warum begrenzen wir die Anzahl der Weihnachtsmärkte dort ab nächstem Jahr nicht lieber auf einen einzigen? Ich weiß auch schon wo wir ihn stattfinden lassen: Direkt inmitten des Holocaust-Denkmals! Sicherer und einladender geht’s doch nun wirklich nicht. Doch Obacht: Man munkelt der billige Beton beginnt schon zu bröckeln. Besser nichts riskieren.

ASOS

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