Die Vergewaltigungsdroge - So fühlt es sich an, wenn dir jemand K.-o.-Tropfen ins Glas getan hat

Ich habe bisher in meinem Leben dreimal GHB genommen. Einmal, um es wie alle anderen Drogen eben auch mal auszuprobieren. Und zweimal, ohne dass ich dem Konsum auch nur irgendwie…
Die Vergewaltigungsdroge

So fühlt es sich an, wenn dir jemand K.-o.-Tropfen ins Glas getan hat

Ich habe bisher in meinem Leben dreimal GHB genommen. Einmal, um es wie alle anderen Drogen eben auch mal auszuprobieren. Und zweimal, ohne dass ich dem Konsum auch nur irgendwie zugestimmt hätte. Oder überhaupt zu merken, dass mir jemand gegen meinen Willen K.-o.-Tropfen, also GHB, ins Getränk gemischt hat.

Natürlich könnte man jetzt sagen, es sei unverantwortlich von mir, nicht besser aufzupassen, wo ich mein Glas stehen lasse. Vor allem, wo mir das Ganze ja nicht nur ein-, sondern gleich zweimal passiert ist. Oder mir ganz und gar dazu raten, einfach nicht mehr wegzugehen, wenn ich keine Lust darauf habe, von irgendjemandem mit GHB betäubt zu werden. Könnte man.

Dann wäre man allerdings ein Arschloch, das die Verantwortung für das Szenario auf der falschen Seite, also beim Opfer, sucht. Und damit kein Stück besser als die Personen, die anderen Menschen ohne konkret geäußertes Einverständnis etwas ins Getränk mischen. Ob das nun GHB, MDMA oder „nur“ ein Schluck Whiskey in jemandes Cola ist, ist eigentlich vollkommen egal. Wer sowas macht, ist einfach nur ein Arschloch, und weiß das in 99,99 Prozent der Fälle auch. Trotzdem kommt es immer wieder vor. Und so ist es irgendwie auch nicht weiter verwunderlich, dass es mich gleich zweimal traf.

Beim ersten Mal, als mir jemand ohne mein Wissen GHB zugeführt hatte, wurde ich vergewaltigt. Diese Geschichte habe ich, obwohl sie wirklich schmerzhaft war, in meinem Buch niedergeschrieben. Mitsamt allen Einzelheiten, an die ich mich erinnern kann. Das zweite Mal, dass mir jemand gegen meinen Willen heimlich GHB ins Getränk gemischt hat, war zwar weniger schlimm, allerdings auch so eine Sache, auf die ich gut und gerne hätte verzichten können.

Ich war auf einer Hausparty, als es passierte. Genauer gesagt, auf der Geburtstagsfeier einer Kommilitonin, die in ihrer WG stattfand. Etwa 50 Prozent der Anwesenden kannte ich, die andere Hälfte war mir völlig fremd. Wer davon mir letzten Endes das GHB eingeflößt hat, kann ich nicht sagen. Sicher ist nur, dass sowieso jede Menge Drogen in Umlauf waren, wie das für Berliner Hauspartys eben so üblich ist, dass der Alkohol eher in Massen als in Maßen floss – und dass ich mich nach nur zwei Gin Tonic und einer kleinen Line Kokain im Bett der Gastgeberin wiederfand, wo ich zu absolut nichts mehr zu gebrauchen war.

Den Teil weiß ich allerdings nur aus ihrer Erzählung, denn an den Abend selbst habe ich – wie das für GHB eben so üblich ist – einfach so gar keine Erinnerung mehr. Außer eben der, dass ich definitiv keinen über den Durst getrunken und auch nicht übermäßig viele Drogen konsumiert hatte. Zumindest nicht solche, für deren Konsum ich mich ganz bewusst entschieden hatte.

Um ehrlich zu sein, hab ich vom GHB noch nie etwas gemerkt, solange die Wirkung anhielt, sondern immer erst danach, also wenn sie fast schon komplett abgeklungen war. Das Einzige, was GHB mit mir gemacht hat, war mich direkt in einen komatösen Zustand zu befördern, in dem ich mehrere Stunden blieb, und mir, nachdem ich wieder zu mir kam, jedes Mal den schlimmsten Kater meines Lebens zu schenken. So richtig mit dröhnenden Kopfschmerzen und mehrstündigem Erbrechen, das nicht mal dann aufhören will, wenn du längst nur noch Galle kotzt.

Das Widerlichste daran ist jedoch, dass man absolut keine Ahnung mehr hat, was zwischen dem Moment, als man das letzte Mal an seinem Gin Tonic genippt hat, und dem, wo man den Inhalt seines Magens auf dem Fußboden verteilt, weil er schneller aus einem rauskommt, als man zum Klo rennen kann, getan hat. Und dass man meistens auch nur mutmaßen kann, dass man versehentlich GHB zu sich genommen hat, weil es tatsächlich nur so kurz nachweisbar ist, dass die meisten sich wohl nur darauf testen lassen, wenn sie vermuten, während ihres Komas vergewaltigt oder anderweitig sexuell bedrängt worden zu sein.

Für mich persönlich ist GHB die absolute Hölle. Und zwar wegen genau dieser Sache. Dass du nie so genau sagen kannst, was in der Zwischenzeit alles passiert ist und auf die Aussagen von Leuten angewiesen bist, die dabei waren, als du unter Drogen gesetzt wurdest und einfach weggekippt bist. Meine Kommilitonin, bei der die Hausparty stattfand, hat mir zwar versichert, dass ich die ganze Nacht vollkommen ungestört in ihrem Bett geschlafen habe, doch sicher sein kann man sie nie. Immerhin war sie selbst ganz schön drauf, sodass sie auch nicht zwangsläufig alles mitbekommen hat, was auf der Party so gelaufen ist.

Richtig gruselig wurde es allerdings erst, als etwa eine Woche später rauskam, dass drei weitere junge Frauen unter GHB gesetzt worden waren. Eine davon hatte es erst bemerkt, als ihr Kater am nächsten Tag so schlimm war, dass sie sich ins Krankenhaus hat einliefern lassen, und die beiden anderen waren ziemlich schnell nach Beginn der Geburtstagsfeier schon wieder gegangen, weil sie sich nicht gut fühlten.

Keines von uns ist weiter was passiert, und auch das Mädchen, das im Krankenhaus gelandet war, war nach einer Infusion und ein paar Tagen Bettruhe wieder vollständig fit, aber die Sache ließ uns dann halt doch irgendwie keine Ruhe. Die Person, die uns das GHB in die Drinks gemischt hatte, musste ja irgendein Ziel verfolgt haben. Und wenn es „nur“ war, und so schnell wie möglich von der Party loszuwerden, weil sie keine Lust auf uns hatte.

Wir haben allerdings nie rausbekommen, wer es war. Ob es jemand war, der uns kannte, oder ob es jemand war, der uns völlig fremd war. Oder was das genaue Motiv dahinter war. Es ist jedenfalls ein mehr als unangenehmes Gefühl, solchen Vorfällen ausgesetzt zu sein. Und GHB ist im Gesamten alles andere als geil, zumindest meiner Meinung nach. Falls ihr also mal die „tolle“ Idee haben sollten, jemanden mit GHB zu pranken, weil es „lustig ist“ und „ja nur unter Freunden“, lasst es bitte einfach sein.

Nur Arschlöcher flößen anderen Menschen irgendwelche Drogen oder Alkohol ein, denen die Betroffenen vorher nicht ausdrücklich zugestimmt haben. Schmeißt lieber zusammen ein wenig MDMA oder raucht einen ordentlichen Joint. Das macht viel mehr Spaß und bringt wesentlich weniger unangenehmen Kater mit sich. Und sollte ich einmal jemanden dabei erwischen, wie er mir oder meinen Freunden etwas ins Glas mischt … Nun ja, das wird sie dann schon sehen.

Nadine Kroll: Stellungswechsel

Abonniert unseren Newsletter!

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu:

1 Kommentar