Die neue Rechte - Wenn wir die AfD besiegen wollen, dann müssen wir anfangen, sie zu verstehen

Verlieren wir keine Zeit mit ausgelutschten Phrasen und nervtötenden Metaphern. Die AfD sitzt ab jetzt im Bundestag und wird die deutsche Politik mit gestalten. Dass das insgesamt eher problematisch ist,…
Die neue Rechte

Wenn wir die AfD besiegen wollen, dann müssen wir anfangen, sie zu verstehen

Verlieren wir keine Zeit mit ausgelutschten Phrasen und nervtötenden Metaphern. Die AfD sitzt ab jetzt im Bundestag und wird die deutsche Politik mit gestalten. Dass das insgesamt eher problematisch ist, dürfte allen klar sein. Aber es ist auch eine Chance, die heiß debattierte, aber ziemlich inhaltslose, Partei in den nächsten vier Jahren als das zu entlarven, was sie eben ist, und zwar als vollgesaugten Parasiten, der sich immer nur auf die größte Angst in der Bevölkerung wirft und sich daran labt.

Die AfD hat keine Lösungen für nationale und internationale Probleme und hat dafür auch weder den Verstand noch das Interesse. Wer sich nicht von den platten Parolen blenden lässt und einen Blick hinter die Kulissen wagt, der erkennt schnell, dass die AfD nur zwei ziemlich eingeschränkte Strategiezüge beherrscht, um im Gespräch zu bleiben: Skandal und Irritation. Im einen Moment wird durch grenzüberschreitende Bemerkungen provoziert und die Aussage im nächsten Augenblick als Geringfügigkeit abgetan.

Skandal und Irritation. Skandal und Irritation. Skandal und Irritation. Damit schafft es die AfD zuerst in die digitalen Kanäle, dann in die Tagesschau und dann in die Köpfe der geistig Verwirrten, die für komplexe Lösungen mental zu beschäftigt sind, aber für einfache Feindbilder gerade genug Bildung genossen haben. Wer möchte sich schon freiwillig mit dem diabolischen Kreislauf aus Rüstungsexporten, Kriegen und den daraus entstandenen Fluchtursachen beschäftigen, wenn er auch einfach auf den Afghanen wütend sein kann, der ein iPhone besitzt und sicherlich blonde Mädchen vergewaltigen will, bevor er uns allen dann die Jobs klaut.

Womit wir beim Kern der AfD wären: Anstatt sich um verflochtene Probleme zu kümmern, die allesamt verschiedenste Ursachen haben, wirft die Partei wie aus Reflex nur mit einem Wort um sich: Flüchtlinge. “Wie wollen Sie die Wohnungsnot in Deutschland bekämpfen?” “Die Flüchtlinge nehmen uns die Wohnungen weg!” “Womit sorgen Sie für bessere Bildung?” “Die Flüchtlinge nehmen uns die Studienplätze weg!” “Was wollen Sie für höhere Renten tun?” “Die Flüchtlinge nehmen uns das Geld weg!”

Schon die NSDAP kam an die Macht, weil sich arbeitslose und zurückgelassene Menschen lieber Sündenböcke gesucht haben, anstatt sich wirklich mit ihren Problemen zu beschäftigen und sich zu fragen, warum sie jetzt weniger Geld und Zukunftsaussichten haben als noch vor 20 Jahren. Juden, Zigeuner, Neger. Irgendwer wird schon schuld daran sein. Nur ich nicht.

Die AfD verspricht Menschen, die nicht über den Tellerrand schauen, sondern lediglich zwischen Russia Today und dem Nachmittagsprogramm von RTL hin- und her schalten, sie vor den Gefahren, die vor den Grenzen Deutschlands lauern, zu beschützen. Vor den Ausländern. Und Europa. Und den Siegermächten. Und nicht nur das: Sie möchte auch die Zeit zurück drehen. Damals, als alles noch gut war. Als das Leben noch einfach war. Als die Arbeit noch gut bezahlt war. Als die Frauen noch nicht nervten.

Während wir die AfD als Nazis und ihre Wähler als dumm bezeichnen, sehen sich die Partei und deren Angehörige als Retter einer Nation, die nach und nach von fremden Gefahren aufgefressen wird. Sie haben das Gefühl, genug gegeben und nichts zurück bekommen zu haben. Einst blühende Einkaufsstraßen sind heute leergefegt. Einst gut bezahlte Arbeitsplätze können heute keine Familien mehr finanzieren. Einst noble Grundschulen werden heute von ausländischen Problemkindern dominiert.

Für den gemeinen AfD-Wähler ist Deutschland in den letzten 20 Jahren immer weiter zerbrochen. Und die großen Parteien sehen darin kein Problem, sondern feiern sich auch noch dafür. Bundestagswahl für Bundestagswahl. Für diese Menschen ist Angela Merkel keine starke Persönlichkeit, die Deutschland durch die globalen Probleme lenkt, keine erfolgreiche Bundeskanzlerin, sondern eine Verräterin, die dafür sorgt, dass sich das Land, das sie lieben, immer weiter verändert – und zwar zum Schlechteren.

Das Problem an dieser Denkweise ist, dass sie zu einfach und zu beschränkt ist. Denn nicht Angela Merkel hat Deutschland zu dem gemacht, was es heute ist, sondern die Welt um uns herum ist schuld daran. Wir können uns nicht vor den Herausforderungen dieses Planeten verstecken, indem wir uns auf eine Partei verlassen, die uns das Blaue vom Himmel verspricht. Denn sie kann diese leeren und populistischen Zusagen auf keinen Fall einhalten, egal wie sehr sich das manche auch wünschen mögen.

Selbst wenn wir alle Ausländer aus Deutschland werfen, die D-Mark wieder einführen und eine Mauer um uns herum bauen würden, könnten wir die nostalgisch verklärte Vergangenheit nicht wieder zurückholen. Ganz im Gegenteil: Wir würden nicht nur unseren Status als reiche Industrienation verlieren, sondern uns auch noch vor den modernen Entwicklungen einer globalisierten Welt verschließen. Aus dem Vorreiter Deutschland würde eine schräge, abgekapselte Kopie von Nordkorea werden.

Dass die AfD nun im Bundestag sitzt, ist tatsächlich das Beste, was uns gerade passieren konnte. Denn so wird aus dem ungreifbaren Underdog, der lediglich durch die Lokalräte, Talkshows und Köpfe geistert, endlich eine reale Machtpartei, die ab jetzt nicht nur für ihre Taten gerade stehen, sondern dadurch auch endlich mit politischen Konsequenzen rechnen muss.

Wir können fast schon von Glück reden, dass die AfD jetzt mit einem knappen, zweistelligen Wahlergebnis ins Parlament einzieht und nicht noch weitere vier Jahre Zeit hat, durch kontinuierlichen Hass und giftige Hetze im politischen Untergrund weiter zu brodeln, um im Jahr 2021 womöglich noch stärker und größer auf der nationalen Bühne aufzuschlagen.

Die erste gute Nachricht ist, dass die AfD im Grunde vollkommen irrelevant für die Zukunft unseres Landes ist. Sie war lediglich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, um die künstlich aufgebauschten Sorgen der Bürger abzuernten und diese in eine politische Form zu gießen. Nur eine Sache unterscheidet die AfD von der NPD: Sie hat es durch bürgernahes Marketing geschafft, dass man sich nicht als kompletter Nazi fühlt, wenn man sie wählt. Das ist auch eine gewisse Art von Leistung.

Die zweite gute Nachricht ist, dass die AfD nur ein Angstthema auf einmal kann. Momentan dreht sich ihre gesamte politische Existenz um einen einzigen Gedanken: Flüchtlinge. Um die AfD als heiße Luft zu enttarnen und dadurch endgültig unschädlich zu machen, braucht es nur zwei Schritte. Erstens: Das ganze Thema Flüchtlinge muss verschwinden. Irgendwie. Und zweitens: In den nächsten vier Jahren darf es kein weiteres Angstthema geben, an dem sich die AfD festhalten könnte.

Um das Schreckgespenst Flüchtlingskrise zu besiegen, müssen wir gezielt Fluchtursachen bekämpfen und den Bürgern gleichzeitig verständlich machen, dass Syrer, Afghanen und Marokkaner nicht am wirtschaftlichen Verfall Deutschlands schuld sind, auch wenn es einige gibt, die mit Lastwagen in Menschenmengen rasen, Studentinnen vergewaltigen oder mit Drogen handeln.

Um kein weiteres Angstthema zu kreieren, müssen die demokratischen Parteien gemäßigte, aber wirksame Politik ohne Kompromisse machen. Die Bürger müssen fühlen und erleben, dass ihre Ängste und Sorgen wahrgenommen werden und effektiv daran gearbeitet wird, die Probleme zu lösen, ohne dabei in die gleichen extremen Schützengräben wie die AfD zu fallen.

AfD-Wähler müssen verstehen, dass die sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen an die Welt um uns herum gebunden sind und es keine Lösung ist, sich hinter einer Mauer zu verstecken, die Augen zu verschließen und zu hoffen, dass dadurch wieder alles wie früher wird. Das wird es nämlich nicht. Erfolg werden nur diejenigen haben, die sich klug und intelligent am Wandel der Zeit beteiligen. Wir können den Lauf der Dinge nicht aufhalten oder gar zurückspulen. Wir können ihn nur mitformen.

Ohne ein weiteres Angstthema wird die AfD in den nächsten vier Jahren in sich zusammenfallen und in der politischen Versenkung verschwinden. Damit wäre die rechtsextreme Parteienlandschaft wieder aus der Mitte der Gesellschaft ausgeschlossen und die nächsten 20, 30, vielleicht sogar 40 Jahre weitestgehend unwählbar. Bis eben wieder die nächste Krise ansteht, die Unbehagen, Zweifel und Ängste in der Bevölkerung auslöst. Aber wir hätten zumindest eine Zeit lang Ruhe vor den Nazis.

Wenn wir das nicht hinbekommen und der AfD weiter kleine und große Angriffsflächen bieten, an der sie sich fett und stark kämpfen kann, dürfen wir 2021 mit einer prall gefüllten, rechtsextremen Partei rechnen, die die Union und die SPD weit hinter sich lassen und so das Land in eine politische Krise stürzen kann, von der wir uns so schnell nicht wieder erholen werden.

Plumpe Provokation bringt uns jetzt nicht mehr weiter. Die AfD als Nazis und deren Wähler als dumm zu beschimpfen auch nicht. Die nächsten vier Jahre sind entscheidend für den weiteren Verlauf dieses Landes. Jeder einzelne von uns kann dazu beitragen, den Einfluss der AfD nach und nach zu schwächen, indem wir auf lokaler, nationaler und auch internationaler Ebene für effektive Lösungen sorgen, die das Leben der Bürger positiv beeinflussen. Jetzt liegt es an uns, intelligente Politik zu leben und für uns zu nutzen, um Deutschland in die richtige Richtung zu lenken. Ohne die AfD. Aber mit den AfD-Wählern.

Guess

Abonniert unseren Newsletter!

Drückt hier, um weitere tolle Neuigkeiten über News zu lesen und drückt hier, um eigene Artikel und Fotos einzureichen. Oder folgt uns auf Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr und Pinterest, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Superdry

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu:

17 Kommentare

  • Sebastian

    Hört sich trotzdem noch nach Meinungen bekämpfen an !

    • Marcel

      Meinungsvielfalt ist wichtig. Sehr wichtig. Aber Meinungen sind oft auch sehr subjektiv. Mit Subjektivität kann man aber keine Probleme lösen. Meinungen müssen der Realität standhalten, sonst sind es nicht mehr als wirre Emotionen, die sich in einem politischen Kanal gebündelt haben. Die AfD macht eigentlich genau das, was sie der restlichen Politik immer vorwirft: Viel versprechen und nichts davon halten. Die AfD gibt ihren Wählern das Gefühl, die vermeintliche Stabilität von früher wiederherzustellen, indem sie Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung vom deutschen Wirtschaftskreislauf fern hält, um dadurch Arbeitsplätze, Ressourcen und Wohnungen für ihre Wähler freizuhalten und so für mehr Wohlstand zu sorgen. Das klingt nach einer einfachen Lösung. Aber das ist nicht realistisch, weil Deutschland in dieser AfD-Utopie ökonomisch gelähmt und auf ein wirtschaftliches Niveau der früheren Ostblockstaaten zurückfallen würde. Die Welt dreht sich weiter und Deutschland hat nur zwei Möglichkeiten: Ein erfolgreicher Teil dieser Welt sein – oder sich vor ihr verschließen und so in der globalen Irrelevanz zu versinken.

    • Claas

      Solch ein dummes Zeug von Euch mal wieder. FAKTEN auf den Tisch. Ihr schreibt von wirren Emotionen? Dann lest Euren Eigenen stümperhaft zusammengewürfelten redaktionellen Text noch einmal – da sind sie ja die wirren Emotionen. Was reg ich mich überhaupt noch auf …

    • Sebastian

      AMY&PINK , naja das mit der Wirtschaft sehe ich ein wenig anders ! Unser derzeitiger Reichtum basiert auf der Ausplünderung von Ressourcen und Arbeitskraft anderer Länder ! Dass wir das zurückzuführen müssen , ist jedem der klar Denken kann auch bewusst und den Leuten in der AfD , die zumeist Selbstständige sind , ist das sehrwohl bewusst !

      Oder wo denkt ihr , dass die Migrationsströme herkommen ! Die Produzieren wir doch selbst mit unserem Konsum !

  • Matthias

    Die AfD vertritt aber keine Meinungen, sie möchte andere Menschen angreifen und ihnen ihre selbstverständlichen Rechte klauen. fFauen, sex. und ethnische Minderheiten müssten das aushalten

    • Maik

      NEIIIIIIIIIIIIIIIN!!!!!! 😂

    • Ronny

      Und da ist es schon wieder… ich habe die AFD nicht gewählt, weil mir ihr politischen Ansichten am Arsch vorbei gehen. Aber ich kann die knapp 6 Millionen verstehen die es taten. Ich bin nur mit dem wenigstem einverstanden, was die AFD so fabriziert, aber Fakt ist Du bist dumm und hast keine Ahnung!!
      .
      .
      .
      .
      .
      .
      .
      .
      .
      Wenn du jetzt sauer bist, dich vllt sogar etwas ärgerst und dich rechtfertigen willst, oder sogar deine Interessen noch stärker vertrittst… ist das dein gutes Recht so wie das von 6 Millionen anderen… dennen über Jahre keiner zugehört hat.

    • Sascha

      Ronny Sickert wenn Aussagen Sinn ergeben und einen gewissen Ton erfüllen, dann wird ihnen auch Gehör geschenkt.

    • Ronny

      Und gerade das ist im Fall der AFD nicht geschehen. Sie war nicht immer dieses Extreme Monstrum was sie heute darstellt. Aber sie wurde von Anfang an niedergemacht, ihre Mitglieder belächelt, ausgegrenzt, später beleidigt. So wie ein komplettes Bundesland und das war falsch! Menschen neigen nunmal dazu sich zu radikalisieren, wenn sie sich unterdrückt und Missverstanden fühlen. Das ist hier so… in Russland… Lybien… den USA … und Frankreich… und auch an jedem anderem Ort der Welt.

  • Matthias

    Ein Schritt in die richtige Richtung wäre schon mal, wenn man auf die Beiträge, die man hier auf FB zu diesem Thema schreibt, mal eine Antwort bekommen würde, aber auch bei amy&pink ist man ja da an der falschen Adresse.

Forever 21