Liebe auf Standby - Was bei uns als Beziehungspause begann, endete in einer glücklichen Trennung

„Ich brauche eine Pause von dir.“ Es war der dritte Streit innerhalb von nur zwei Wochen, und der Grund dafür war eine Nichtigkeit. So bedeutungslos, dass ich heute, ein paar…
Liebe auf Standby

Was bei uns als Beziehungspause begann, endete in einer glücklichen Trennung

„Ich brauche eine Pause von dir.“ Es war der dritte Streit innerhalb von nur zwei Wochen, und der Grund dafür war eine Nichtigkeit. So bedeutungslos, dass ich heute, ein paar Jahre später, nicht einmal mehr sagen kann, warum wir uns damals eigentlich in die Haare gekriegt haben. Vermutlich ging es darum, dass einer von uns mal wieder den Müll nicht rausgebracht hatte, oder die neuste Folge einer Serie, die wir gemeinsam schauen wollten, ohne den anderen angesehen hatte. Ich weiß es wirklich nicht mehr.

Was mir aber in Erinnerung blieb, war dieser eine Satz, der alles zwischen uns veränderte. „Ich brauche eine Pause von dir.“ Gesprochen von meinem damaligen Freund, und das auch noch während einer verbalen Auseinandersetzung. Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Intuitiv wusste ich, dass es hier nicht um eine kurze Auszeit ging, bis die erhitzten Gemüter sich wieder beruhigt hatten, sondern eine richtige Pause. Eine Pause von unserer Beziehung.

Zwei Tage nach unserem Streit, als sich alles wieder etwas beruhigt hatte, setzten wir uns zusammen und redeten miteinander, ganz ruhig und sachlich. Es lief schon länger nicht mehr richtig gut zwischen uns, aber, da waren wir uns einig, die Gefühle füreinander waren noch vorhanden. Somit war es für meinen Freund ausgeschlossen, dass wir Schluss machen würden.

Er wollte lediglich eine Auszeit haben, um sich neu zu sortieren und auch mir die Chance geben, dasselbe zu tun. Einer Beziehungspause stand ich zwar skeptisch gegenüber, weil es für mich gleichbedeutend mit einer richtigen Trennung war, doch am Ende des Tages willigte ich ein. Ich wollte ihn nicht verlieren, und er mich offensichtlich auch nicht.

Gemeinsam stellten wir ein paar Regeln auf, an die sich während der Probezeit ohne einander jeder von uns zu halten hatte. Wir einigten uns auf einen Zeitraum von sechs Wochen, in denen wir beide keinen Kontakt zueinander haben würden, und tun und lassen würden, was wir wollten, ohne auch nur im Kopf auf den anderen und seine Gefühle Rücksicht nehmen zu müssen.

Es war praktisch wie eine richtige Trennung. Zwar sprach es keiner von uns aus, aber es war klar, dass während dieser sechs Wochen auch Liebeleien und Sex mit anderen kein Tabu waren. Nach Ablauf dieser Frist wollten wir uns treffen. Mit der festen Absicht, unsere Beziehung wieder zu beleben und es noch einmal miteinander zu versuchen. Wir glaubten beide nicht daran, dass sich an unseren Gefühlen füreinander etwas ändern würde, und genau das war der Grund, warum auch ich in eine Trennung auf Zeit einwilligte.

Wenn ich ehrlich war, konnte ich ein wenig Raum für mich alleine auch sehr gut gebrauchen. Da wir zusammen wohnten, musste einer von uns vorübergehend ausziehen. Die Entscheidung fiel auf meinen Freund, weil die Idee einer Beziehungspause von ihm gekommen war und er einen guten Kumpel hatte, in dessen WG gerade ein Zimmer freigeworden war, das er kurzfristig beziehen konnte. Wir verbrachten noch eine letzte Nacht miteinander, bevor er am nächsten Tag einen Koffer mit dem Nötigsten packte und verschwand.

Die ersten Tage ohne ihn waren wirklich hart. Ich fragte mich ständig, was er machte, und ob es ihm auch so schlecht ging wie mir, oder ob er seine neu gewonnene Freiheit genoss und durch die Clubs zog, mit fremden Frauen flirtete und die Zeit seines Lebens hatte. Es fühlte sich an wie Liebeskummer, dabei war mir gar nicht das Herz gebrochen worden.

Ich wünschte mir, dass es ihm gut ging – aber gleichzeitig, dass er mich so vermisste, dass er einfach anrief und die selbst auferlegte Kontaktsperre brach, während ich eisern dagegen ankämpfte, nicht diejenige zu sein, die zum Hörer griff und ihm sagte, dass es eine schwachsinnige Idee war, sich auf Zeit zu trennen.

Nach einer Woche Herzschmerz raffte ich mich das erste Mal so richtig auf und tat all die Dinge, von denen ich wusste, dass sie meinen Freund an mir störten. Ich hörte die furchtbarste Popmusik, die die Welt je gehört hat, auf voller Lautstärke, sang dazu laut in meine Haarbürste und ließ meine Kaffeetassen dort stehen, wo ich nun mal am liebsten meinen Kaffee trank – auf dem Fußboden direkt vor der Heizung.

Ich verbrachte Stunden in der Badewanne, wo ich einfach nur rumlag und träumte und klatschte mir mehr Make-Up ins Gesicht, als es eine Drag Queen jemals tun würde. Ich rief meine Singlefreundinnen an, die ich zugegebenermaßen etwas vernachlässigt hatte, und ging mit ihnen bis in die frühen Morgenstunden tanzen, arbeitete Dinge ab, die ich schon ewig vor mir hergeschoben hatte und begann, wieder Klavier zu spielen.

Bereits in der dritten Woche merkte ich, dass das Vermissen weniger wurde und dass ich irgendwie Gefallen an meinem „Single-Leben“ fand. An einem Abend knutschte ich sogar mit einem Fremden, und auch wenn es sich etwas komisch anfühlte, genoss ich es doch irgendwie. Im Laufe der Zeit fühlte ich mich immer freier – und hatte das Gefühl, wieder mehr bei mir selbst anzukommen.

Genau sechs Wochen nach seinem vorübergehenden Auszug meldete sich mein Freund wieder. Wir verabredeten ein Treffen an einem neutralen Ort, wo wir ungestört miteinander über die vergangene Zeit und unsere Gefühle sprechen konnten, ohne von Erinnerungen überflutet zu werden. Schließlich wollten wir die Sache neutral angehen, uns weder streiten, noch direkt im Bett landen. Die Wahl fiel schließlich auf einen Park.

Das Wiedersehen verlief zwar herzlich, aber wir beide spürten, dass zwischen uns eine gewisse Distanz herrschte. Insgeheim merkten wir wohl beide, worauf es hinauslaufen würde, wollten dem jeweils anderen aber auch nicht auf die Füße treten. Wir machten ein bisschen Smalltalk, kamen dann aber recht schnell zur Sache. Meinem Freund war es fast genauso ergangen wie mir. Nach anfänglichen Zweifeln und ein bisschen Liebeskummer hatte auch er eine Richtung eingeschlagen, die während unserer Beziehung irgendwie auf der Strecke geblieben war.

Obwohl wir zu Beginn unserer Pause noch der festen Überzeugung waren, dass wir nach einer kurzen Auszeit wieder zueinander finden würden, war klar, dass unsere Partnerschaft hier zu Ende gehen würde. Nicht, weil wir uns nicht mehr möchten, sondern weil wir beide gemerkt hatten, dass wir doch noch nicht bereit dazu waren, uns zu binden. Zwar schlossen wir nicht aus, es irgendwann noch einmal zu versuchen, doch jetzt und hier war nicht die Zeit dazu.

Und das war es. Eine Woche später zog er aus. Wir blieben in losem, freundschaftlichen Kontakt, trafen uns ein paar Mal auf ein Bier, aber mehr war es auch nicht. Einige meiner Freundinnen meinten, die Beziehungspause wäre eine dumme Idee gewesen, und dass er und ich noch immer zusammen wären, wenn wir uns nicht vorübergehend getrennt hätten. Ich wage diese These anzuzweifeln. Vielleicht hätten wir noch ein, zwei Jahre mehr geschafft – aber so richtig glücklich wären wir vermutlich nicht damit geworden.

Von daher war es wohl die richtige Entscheidung, die Liebe für einen Moment auf Standby zu setzen, auch wenn ich das in jetzigen Partnerschaften anders handhaben würde. Ich glaube durchaus, dass es Paare gibt, die nach einer solchen Bewährungsprobe wieder zusammenfinden. Ich habe für mich aber auch gemerkt, dass ich nicht der Typ für so etwas bin – und bevor ich noch einmal eine Trennung auf Zeit eingehen würde, eher Schluss machen würde.

Nadine Kroll: Stellungswechsel
Topshop

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