Zwischen Liebe und Kummer - Kryptonitmenschen machen unser Leben gleichzeitig schön und schrecklich

Den Begriff »Kryptonit« kennen die meisten spätestens, seit Superheldenfilme auf den Leinwände der Kinos laufen oder Superheldenserien über unsere Bildschirme flimmern. Wikipedia fasst es ganz gut zusammen: »Kryptonit und Magie…
Zwischen Liebe und Kummer

Kryptonitmenschen machen unser Leben gleichzeitig schön und schrecklich

Den Begriff »Kryptonit« kennen die meisten spätestens, seit Superheldenfilme auf den Leinwände der Kinos laufen oder Superheldenserien über unsere Bildschirme flimmern. Wikipedia fasst es ganz gut zusammen: »Kryptonit und Magie sind in Superman-Geschichten wesentliche Schwachstellen der Superhelden.« Superman, der Übermensch, der im Vergleich zu den Menschen wie ein Gott wirkt kommt trotzdem nicht ohne Schwachstelle aus.

Es sind nicht einmal viele Schwachstellen und die Wichtigste und Berühmteste ist lediglich eine: Das Kryptonit. Und das hat es in sich — Es beraubt ihm seiner Kräfte und tötet ihn sogar, wenn er ihm längere Zeit ausgesetzt ist. Wenn man es mal nüchtern betrachtet sind wir normalen Menschen auch eine Art Superman oder -woman: In unserem Leben passiert so viel schlechtes, Leute die wir lieben oder zumindest mögen sterben, Beziehungen gehen zu Bruch und so weiter. Aber uns kann das nichts anhaben. Irgendwann stehen wir wieder auf, machen normal weiter und werden stärker. Oder?

Fast. Natürlich gibt es auch eine Schwachstelle, die uns ähnlich wie Superman ganz schnell ins Straucheln bringen kann: Der Kryptonitmensch. Ein Kryptonitmensch ist der Mensch, von dem wir nie wieder loskommen. Irgendwas hat er oder sie in uns ausgelöst und für immer verändert. Und mit nie wieder loskommen, meine ich auch genau das.

Du wirst diesen Menschen nie vergessen und vor allem nie über ihn hinweg kommen. Du wirst deinen Kryptonitmenschen auf ewig attraktiv finden, im Gegensatz zu den ganzen anderen Leuten mit denen du etwas hattest. Irgendwann ändert sich dein Geschmack und du denkst dir nur noch: »Was ging damals mit mir ab?« Aber nicht beim Kryptonitmenschen. Immer mal wieder stößt du auf Kleinigkeiten, auf einen Song, einen Geruch, eine Situation in einem Film oder eine Floskel, die jemand verwendet, die dich an den Kryptonitmenschen erinnern.

Stellen wir uns mal vor, es sind 10 Jahre vergangen seit du deinen Kryptonitmensch getroffen hast und du bist glücklich in einer anderen Beziehung. Du bist sogar so glücklich, dass ihr demnächst heiraten werdet. Dann läufst du zufällig deinem Kryptonitmenschen über den Weg, ein komisches Gefühl macht sich in deiner Magengegend breit. Du erinnerst dich an dieses Gefühl.

In deinem Kopf stellt sich die Assoziation mit »frisch verliebt sein« her. Du gehst ein paar Gedankenspiele durch. Was wenn der Kryptonitmensch jetzt zu dir sagen würde: »Komm mit, wir hauen hier ab.« Du würdest wahrscheinlich zögern, nicht sofort »Alles klar!« rufen und deine Koffer packen. Aber du würdest es in Erwägung ziehen und dir überlegen ob das eine realistische Option wäre.

Aber was macht diesen Kryptonitmenschen zu unserer Schwachstelle? Warum kommen wir nie von ihm oder ihr los? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Vielleicht liegt es daran, dass wir nie etwas Schlechtes mit unserem Kryptonitmenschen verbinden. Selbst wenn er oder sie sich mal einiges geleistet hat, wir konnten immer darüber hinwegsehen und verzeihen, weil es am Ende eben doch nicht so schlimm war, weil schon allein die Existenz des Menschen alles andere entschuldigt. Vielleicht weil wir bei diesem Menschen immer ein Grundlevel an »verliebt sein« haben.

Es fühlt sich immer ein bisschen an, als wären wir frisch verliebt, als hätten wir den Kryptonitmensch gerade erst kennen gelernt, als wäre es Frühling. Vielleicht liegt es, dass wir nicht von ihm oder ihr loskommen, auch einfach daran, dass er oder sie genau der richtige Mensch ist und auf eine gewisse Weise fast perfekt zu uns passt. Eine Frage, die ich mir oft stelle ist, ob der Kryptonitmensch nicht das Beste in unserem Leben war. Alles mit ihm war top-notch, die absolut perfekte Definition von »super«, und alles was danach kommen kann ist zwangsläufig schlechter, nur die zweite Wahl.

Meinen Kryptonitmensch traf ich vor eineinhalb Jahren. Ich lernte Eileen über eine gute Freundin und Kommilitonin kennen. Wir verstanden uns auf anhieb richtig gut, waren direkt auf einer Wellenlänge. Alles lief super, wir schrieben den ganzen Tag miteinander, trafen uns auch mal alleine. Irgendwie sollte es dann aber doch nicht sein. Es hat etwas gedauert, bis ich verstanden hatte, dass Eileen nicht irgendein Mensch war, sondern mein Kryptonitmensch ist.

Am Anfang hatte ich die normale Phase an Liebeskummer. Nichts was ich noch nie erlebt hatte und neu für mich war. Aber irgendwie hörte diese Phase nicht auf. Normalerweise folgt auf die Liebeskummerphase die Phase, in der einem die Person so richtig auf die Nerven geht. Egal was die Person tut oder sagt, selbst wenn sie nur atmet, geht einem auf die Nerven. Man hält die Anwesenheit dieser Person nicht lange aus. Diese Phase blieb größtenteils aus.

Es gab nur einen Tag an dem dies zutraf, aber schon am Ende des Tages war das vorbei. Auf die Genervt-Sein-Phase folgt dann eigentlich die Phase der Normalisierung: Irgendwann findet man diesen Menschen nicht mehr attraktiv, sondern eben einfach normal. Man kann wieder normal mit diesem Menschen sprechen und wenn man ihn oder sie ansieht ist es ein ganz normaler Mensch, der wenig bis keine Gefühle in uns weckt. Auch diese Phase blieb bis heute aus.

Seit ich vor circa einem Jahr erkannte, dass Eileen mein Kryptonitmensch ist habe ich viel ausprobiert, um irgendwie »drüber weg zu kommen«. Meine erste Strategie war es den Kontakt auf ein Minimum runterzufahren und so wenig wie möglich mit meinem Kryptonitmensch zu tun zu haben. Geholfen hat das nicht wirklich. Das führte nur dazu, dass durch meinen Kopf typische »Was-wäre-Wenn«-Gedanken gingen.

Dann hatte ich versucht wieder mehr Kontakt zu haben. Ich dachte mir, wenn ich etwas mehr mit ihr zu tun hätte, würde es normaler werden und mir würden vielleicht auch mal schlechte Eigenschaften auffallen, sodass es mir leichter fiele über Eileen hinwegzukommen. Wie ihr euch denken könnt, war dies auch nicht die optimale Herangehensweise.

Denn selbst als ich schlechte Eigenschaften gefunden hatte, waren die dann doch irgendwie nicht so schlimm. Es ist ja eben auch mein Kryptonitmensch. Das liegt ja in der Natur der Sache. Außerdem ist es keine gute Idee mit seinem Kryptonitmenschen auf Dauer viel und engen Kontakt zu haben, obwohl es am Anfang vielleicht gut gehen mag.

Das führt nur dazu, dass man sich konstant selbst verletzt und der oder die Andere es vielleicht unbewusst tut. Viel Kontakt mit dem Menschen zu haben, über den man nie hinwegkommt und der immer eine Schwäche darstellt, in dem Bewusstsein, dass man nie (wieder) zusammenkommen wird, kann keine gute Idee sein. Man macht sich bewusst oder unbewusst immer wieder selbst Hoffnungen, die unausweichlich enttäuscht werden.

Mittlerweile glaube ich, dass ich eine Lösung gefunden habe: Es einfach aushalten, sich damit abfinden. Ich versuche erst gar nicht völlig darüber hinweg zu kommen, sondern versuche mich mit dem Gedanken zu arrangieren, dass es immer oder zumindest noch für eine lange Zeit so bleiben wird. Denn was bleibt einem anderes übrig? Man kann sich und seine Gefühle zu nichts zwingen und diese zu unterdrücken ist auch nicht gerade gesund.

Es reicht, glaube ich, schon, dass man sich bewusst wird, was ein Kryptonitmensch ist und ob er oder sie das für einen ist. Vielleicht ist das auch romantische Verklärung, aber irgendwie hat es auch was schönes (auch wenn es ein bisschen eine Perversion ist), dass man einen Menschen hat, für den man immer etwas übrig hat und der in einem immer ein bisschen Gefühle weckt.

Guess

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