Klarnamenpflicht - Die Volksrepublik China verbietet ab jetzt anonyme Kommentare im Internet

Wie oft ich schon von Leuten wie Bernd161, xXxMurDersTAr99xXx oder _Dein_Mama_FOZT_y_ als “Hurensohn”, “Asylantenliebhaber” und “Kai Diekmann 2.0” bezeichnet wurde, kann ich schon gar nicht mehr nachzählen. Manchmal überliest man…
Klarnamenpflicht

Die Volksrepublik China verbietet ab jetzt anonyme Kommentare im Internet

Wie oft ich schon von Leuten wie Bernd161, xXxMurDersTAr99xXx oder _Dein_Mama_FOZT_y_ als “Hurensohn”, “Asylantenliebhaber” und “Kai Diekmann 2.0” bezeichnet wurde, kann ich schon gar nicht mehr nachzählen. Manchmal überliest man solche Kommentare einfach, manchmal lacht man darüber, manchmal stürzen sie einen in eine dreiminütige Sinnkrise.

In China weiß man ziemlich bald zumindest, wer genau hinter Bernd161, xXxMurDersTAr99xXx und _Dein_Mama_FOZT_y_ steckt, denn dort sind anonyme Kommentare ab Oktober verboten. Die Klarnamenpflicht besagt, dass Nutzer online nur noch unter ihrem echten Namen diskutieren dürfen, was es dem Staats- und Zensurapparat natürlich um einiges leichter macht, lautstarke Gegner der machthungrigen Partei zu identifizieren und anschließend mundtot zu machen oder gleich zu entfernen.

“Die Verordnung wurde von Chinas oberster Internet-Behörde erlassen und richtet sich an alle Plattformen, auf denen Nutzer Kommentare hinterlassen können”, schreibt Johannes Steiling bei Netzpolitik und bezieht sich auf einen Bericht des Aktivistennetzwerks Global Voices. “Demnach müssen die Betreiber einen Mechanismus zur Identitätsfeststellung einrichten oder die Kommentarfunktion ihrer Website abschalten. Zu befürchten sei daher, dass die Anzahl an Kommentaren insgesamt abnehmen werde.”

Ähnlich wie in der Türkei, in der die Anzahl regierungskritischer Tweets, Facebook-Posts und Instagram-Bilder nach dem vermeintlichen Putschversuchs massiv abnahm, weil die Nutzer Angst davor hatten, selbst im Gefängnis zu landen oder von einem wütenden Mob durch Ankara geprügelt zu werden, möchte China die Kontrolle darüber behalten, wer was im Internet macht.

“Die Plattformen werden angewiesen, ihre registrierten Nutzer auf Basis ihrer Kommentare zu bewerten und Nutzer zu sperren, die negativ auffallen”, schreibt Johannes Steiling bei Netzpolitik weiter. “Das soll laut der regierungsnahen Global Times „Gerüchte, schmutzige Sprache und illegale Informationen“ aus dem chinesischen Internet verbannen. Zudem sollen die Bewertungen offenbar gesammelt und den Behörden zur Einstufung der Unternehmen dienen. Dies könnte ein Anreiz für Plattformbetreiber sein, kritische Kommentare schnell zu löschen und Nutzer zu blockieren.” Aber China plant noch mehr.

Die Volksrepublik arbeitet an einem landesweiten Belohnungsprogramm, in denen sich Bürger, die sich brav, ruhig und der Regierung gegenüber treu benehmen, auf allerlei Annehmlichkeiten, Geschenke und auch höhere Karrierechancen freuen können. Auch eine größere Kreditwürdigkeit solle so erreichbar sein. Wer Ärger macht, verscherzt es sich also gesellschaftlich wie finanziell.

Gerade vor einigen Wochen fiel China negativ auf, weil das Land sogenannte VPNs, mit denen sich die Zensur im Internet umgehen lässt, verboten hatte und auch Apple dazu brachte, VPN-Prorgramme aus dem hauseigenen App Store zu entfernen. China will sich also nicht nur immer mehr vom Rest der digitalen Welt abkapseln, das asiatische Land will auch die komplette Kontrolle über die Kommunikation behalten. Wir werden sehen, ob das so funktioniert, wie sich die Partei rund um Xi Jinping das vorstellt.

Topman

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