Tut das nicht weh? - Ich habe mir die Klitoris piercen lassen und bin jetzt ein besserer Mensch

Direkt an meinem 18. Geburtstag, ließ ich mir ein Piercing durch den Kitzler stechen. Genau genommen geht es gar nicht direkt durch den Kitzler, sondern durch die Vorhaut, die diesen…
Tut das nicht weh?

Ich habe mir die Klitoris piercen lassen und bin jetzt ein besserer Mensch

Direkt an meinem 18. Geburtstag, ließ ich mir ein Piercing durch den Kitzler stechen. Genau genommen geht es gar nicht direkt durch den Kitzler, sondern durch die Vorhaut, die diesen umschließt. Das wissen allerdings die wenigsten Menschen. also das in den meisten Fällen nur die Vorhaut gepierct wird, und eben nicht die Klitoris an sich.

Generell sorgt mein Piercing immer wieder für Verwirrung, wenn mir jemand an die Muschi fasst oder ich mit gespreizten Beinen von einem anderen Menschen liege. Meistens wird der Akt an sich dann erst mal unterbrochen, und ich muss ein paar Fragen zu meinem Intimschmuck beantworten, nachdem mein Partner oder meine Partnerin einen intensiven Blick darauf geworfen hat, um herauszufinden, wo genau das Piercing eigentlich sitzt. Schon da zeigt sich schnell, wie wenige Leute eigentlich Ahnung von der weiblichen Anatomie haben. Das Piercing markiert wirklich genau meinen Kitzler, also die Stelle, die am empfindsamsten ist. Diese Stelle sollte man also reizen, wenn man mich schnellst möglichst zum Orgasmus bringen will.

Zu den gängigsten Fragen gehört wohl das „Tut das weh?“. Nein, es tut nicht weh. Es fühlt sich sogar ziemlich geil an. Klar, das Stechen war nicht die angenehmste Sache auf der Welt, aber es hat sich gelohnt. Zwar muss man mit Piercing beim Sex etwas vorsichtiger sein – wildes rumrubbeln ist also nicht, macht aber glaube ich auch die wenigsten Frauen an –, dafür reicht allerdings bereits ein sehr leichter Druck mit Zunge oder Fingern darauf, um mich richtig geil zu machen.

Im Alltag spürt man das Piercing übrigens nicht. Ich weiß nicht, woher das Gerücht kommt, Menschen mit Intimpiercing seien dauergeil, aber dem ist definitiv nicht so. Ich zumindest war bereits ständig geil, bevor ein Stab in meinem Kitzler steckte. Und nein, ich kann mich auch nicht zum Orgasmus bringen, indem ich einfach die Beine übereinanderschlage.

Schön wäre es schon, ganz klar, aber so leicht ist es eben nicht. Das ist so in etwa, wie zu fragen, ob ein Typ kommen kann, alleine dadurch, dass sein harter Schwanz ein wenig am Stoff seiner Jeans reibt. Und das Gegenteil – also Desensibilisierung an der Stelle, wo das Piercing sitzt – ist übrigens auch nicht der Fall.

Ich hab es mir doch nicht hauptsächlich aus sexuellen Gründen stechen lassen – wobei das zugegebenermaßen zumindest ein kleiner Anreiz war -, sondern aus optischen. Ich finde Intimpiercings generell wahnsinnig sexy, sowohl an Männern, als auch an Frauen, und ich möchte nicht ausschließen, dass es in Zukunft vielleicht sogar noch mehr werden.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Nämlich dazu, was mein Klitorisvorhautpiercing mich über Sex gelehrt hat. Neben der Sache, dass eigentlich kaum einer meiner Geschlechtspartner so richtig Ahnung von der weiblichen Anatomie und wie man sie am besten bedient zu haben scheint, hab ich nämlich seit ich gepierct bin auch die absurdesten Sachen darüber gehört, was mit einer Vagina passieren kann, wenn man dort „Dinge hin macht, die da eigentlich nicht hin gehören“.

Da ist von irgendwelchen anschließenden Missbildungen an der Vagina die Rede, von absoluter Gefühllosigkeit, weil beim Piercen angeblich wichtige Nerven durchtrennt werden und von eitrigen Geschwüren, die zwangsläufig entstehen, wenn so ein Klitorisvorhautpiercing mit beispielsweise fremdem Speichel oder Sperma in Berührung kommen.

Es soll Leute geben, die nachdem sie sich ein Piercing in die Vagina rammen lassen haben „nie wieder schmerzfrei Sex haben konnten“ (nie wieder!) und denen es während einer natürlichen Geburt einfach rausgerissen ist, weil das zu gebärende Kind von innen dagegen gedrückt hat. Insbesondere im Internet gilt das Piercing als eines der gefährlichsten, von dem man bloß die Finger lassen sollte.

All das ist natürlich Schwachsinn und hat mit der Realität in etwa so viel zu tun, wie die böse Hexe, die Kinder holt, wenn sie nicht brav sind oder der Weihnachtsmann, der liebe Kinder reichlich beschenkt. Eigentlich amüsieren mich solche Geschichten ja immer, weil sie so wunderbar absurd sind, wenn – nun ja, wenn da nichts das Ding wäre, dass diese Storys zeigen, wie wenig Ahnung Menschen im Allgemeinen von ihrem Körper haben. Und zwar nicht nur von der Anatomie an sich, sondern auch von allen anderen Dingen, die der menschliche Körper Tag für Tag so verrichtet, ohne sich großartig anstrengen zu müssen.

Klar ist so ein frischgestochenes Piercing eine Wunde. Das darf man auf keinen Fall vergessen. Und dann sollte man da auch wirklich erst mal ein bis zwei Wochen kein Sperma und keinen Speichel dran lassen, aber insgesamt zählen Piercings, die von Schleimhaut umgeben sind – und dazu zählen neben Piercings im Mundbereich eben auch die, die man sich untenrum so stechen lassen kann – zu den risikoärmsten und denen, die am schnellsten verheilen und am seltensten zu Problemen führen.

Mit am unangenehmsten und gefährlichsten ist übrigens ein Piercing durch den Ohrknorpel, das sich insbesondere bei Frauen auch heute noch größter Beliebtheit erfreut. Und das, obwohl es im Normalfall zu den speichel- und spermafreien Zonen gehört. Je nach Fetisch, versteht sich.

Bei einem normalen Penis-in-Vagina-Fick spürt man es übrigens im seltensten Fall. Maximal dann, wenn man den Typen richtig hart reitet. Sonst wird das Piercing – zumindest bei mir – nicht mal annähernd berührt. Es sei denn, ich helfe mit der Hand ein wenig nach. Die Frauen, deren Kitzler beim Sex ständig ohne zutun von außen mit dem Körper des Partners in Kontakt ist, möchte ich an dieser Stelle gerne beglückwünschen. Eine so positionierte Klitoris hätte ich auch gerne.

Insgesamt stimmen mich diese ganzen Vorurteile ein wenig traurig. Nicht, weil Menschen Piercings – und vor allen Dingen denen im Intimbereich – so kritisch gegenüberstehen, sondern weil sie damit offenbaren, dass sie keinerlei anatomische Kenntnisse haben. Dabei macht Sex doch erst so richtig Spaß, wenn man auch weiß, wo man anfassen muss oder gerne angefasst wird. Und ich glaube, die Menschen, die solche Geschichten herausholen, wenn es ums Thema Piercings geht, wissen gar nicht, was sie mit ihren Körpern alles anstellen können, um sich selbst und anderen Lust zu bereiten.

Eine witzige Anekdote zu dem Intimpiercing hab ich übrigens auch noch. Ich hatte nämlich mal einen Typen im Bett, der das Piercing sah, aufsprang, sein Handy zückte und danach googelte. Ich glaube, Ich muss nicht dazu sagen, dass zwischen ihm und mir danach nichts mehr lief.

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