Krämpfe, Blut und Abstinenz - Wenn ich meine Tage habe, hältst du dich gefälligst von meiner Muschi fern

“Ein echter Pirat sticht auch ins rote Meer”, ist einer dieser Sätze, die sich besonders witzige Männer heute noch – 15 Jahre, nachdem sie die Mittelstufe verlassen haben – gerne…
Krämpfe, Blut und Abstinenz

Wenn ich meine Tage habe, hältst du dich gefälligst von meiner Muschi fern

“Ein echter Pirat sticht auch ins rote Meer”, ist einer dieser Sätze, die sich besonders witzige Männer heute noch – 15 Jahre, nachdem sie die Mittelstufe verlassen haben – gerne ins Tinder-Profil schreiben. Ist ja auch lustig, einer Frau gleich mitzuteilen, dass man kein Problem damit hat, sie auch während ihrer Menstruation zu ficken. Nicht.

Die meisten Männer haben – gelinde gesagt – wenig bis keine Ahnung, wie der weibliche Zyklus funktioniert. Und leider gibt es auch viel zu viele Frauen, die sich nie mit mehr beschäftigt haben als der Tatsache, dass halt einmal im Monat Blut aus ihrer Muschi strömt. Ist ja auch irgendwie eklig, will man nichts mit zu tun haben – außer, Mann ist besonders erregt. Dann fickt man auch gern mal “ins rote Meer”.

Aber selbst in langjährigen, monogamen Beziehungen, in denen kein Risiko, sich Geschlechtskrankheiten einzufangen besteht, nur mit Gummi, denn Blut am Schwanz ist auch widerlich. Reicht schon, dass man danach meistens die Bettwäsche waschen muss, da will man sich nicht auch noch den Schniedel schmutzig machen.

So ganz prinzipiell ist Sex während der Periode erst mal so eklig wie Sex generell, nämlich gar nicht. Wir tauschen sowieso permanent irgendwelche Körperflüssigkeiten aus, und man muss der blutenden Frau ja nicht gleich die Muschi komplett auslecken. Kann man aber, wenn man will. Es gibt jedenfalls wesentlich abartigere Dinge als Sex während der Menstruation. Clubtoiletten zum Beispiel. Oder das, was McDonald’s euch so als “Chickenburger” serviert.

Ich persönlich bin der Meinung, dass Menschen, die nie einen Uterus besessen haben, beim Thema Menstruation erst mal gar nicht mitreden dürfen. Das heißt, sie dürfen auch nicht bestimmen, ob Sex während der Periode okay ist oder nicht. Denn neben der einfachen Tatsache, dass es eben etwas anders riecht als sonst und halt einfach etwas Blut auf Körper und Laken geraten können, ist es erst einmal der Mensch mit Uterus, der sich einmal im Monat mit dem Kram rumplagen darf und somit auch genau weiß, was geht und was nicht. Oftmals ist so eine Blutung nämlich auch mit Schmerzen verbunden. Nicht nur im Bauch, sondern auch im Kopf, im Rücken und in den Brüsten.

Da hat man dann eben auch keinen Bock, noch jemanden vor sich zu haben, der nölt, dass er unbedingt ficken will, aber nicht kann. Bei manchen Frauen löst genau diese Zeit allerdings eine Geilheit aus, die sind nur auftritt, wenn Robert Downey Jr. im Fernsehen zu sehen ist. In meinen Augen ist jeder Typ, der sich dann an ein wenig Blut stört, ein Vollidiot, der es eh nicht verdient hat, gefickt zu werden.

Die Welt wäre definitiv eine bessere, wenn Männer (und manche Frauen) erst mal auf das hören würden, was ihre Partnerin zum Thema Sex während der Tage zu sagen hat, als ihr direkt ins Gesicht zu reiben, dass es „extrem eklig“, „schon okay“ oder auch „irre geil“ ist. All diese Kommentare sind gleichzeitig unnötig und verunsichernd.

Als junges Mädchen hatte ich aufgrund solcher Kommentare so große Probleme mit meiner eigenen Menstruation, dass ich lieber nach Hause gefahren bin, als mir von einer Mitschülerin einen Tampon zu leihen, wenn ich unerwartet meine Tage bekam – und da bin ich sicherlich nicht die Einzige. Andere Mädchen versteckten ihre Tampons und Binden klammheimlich aber sorgfältig in ihren Socken, bevor sie zur Toilette gingen.

Hatte einer der pubertierenden Jungs erst mal herausgefunden, dass man blutete, war man für mindestens eine Woche das Gespött der ganzen Schule. Setzte einer der Kerle allerdings einen riesigen Haufen ins Schulklo, wurde das mit Standing Ovations gefeiert. Ich will nicht wissen, wie viele Frauen neben ihren stinkenden und blähenden Kerlen regelmäßig ihre eigenen Fürze zurückhalten, weil sie auf solche Art und Weise gelernt haben, dass Frauenkörper anders funktionieren müssen als die von Männern.

Es dauerte eine ganze Weile, bis ich offen zu meiner Menstruation stehen konnte. Sowohl zu der Tatsache, dass ich sie habe als auch zu der, dass sie eben nicht glitzrig-blau ist und nach „Frische“ riecht wie in der Werbung, sondern schmodderig-rotbraun mit dem Geruch von Eisen. Nachdem ich diesen Punkt endlich für mich erreicht hatte, vergingen auch endlich die Probleme, vor anderen offen zu sagen, dass ich meine Tage hatte, statt zu behaupten, ich würde mich einfach „unwohl“ fühlen oder hätte „Bauchschmerzen“.

Geprägt hat mich diesbezüglich ein Mädchen aus meiner Klasse, das während einer Klausur um die Erlaubnis bat, auf die Toilette zu dürfen und nachdem der Lehrer das verneint hatte durch den ganzen Raum rief: „ICH MUSS AUF’S KLO, ICH LAUF GERADE AUS!“ Eier aus Stahl, die Frau.

Der Lehrer lief nach dieser Aussage in der Farbe an, die ihre Unterhose vermutlich zu diesem Zeitpunkt bereits hatte und ließ sie gehen. Von da an lachte zumindest in diesem Kurs kein Junge mehr, wenn ein Mädchen seine Tage hatte. Vermutlich waren die Jungs auch neidisch darauf, dass sie niemals mit der Menstruationsausrede den Sportunterricht schwänzen oder sich von Klausuren befreien lassen konnten.

Natürlich gibt es viele weitere Dinge, die insbesondere Männer nicht äußern sollten, wenn es um die monatliche Blutung geht. Ich könnte hier eine Reihe von frauenverachtenden „Witzen“ anführen, die ich zu dem Thema schon gehört habe, erspare euch das aus Gründen aber lieber. Vor allem aber sollten Männer schlecht gelaunte niemals Frau fragen, ob sie gerade ihre Tage hat.

Es ist ein eindringen in die Privatsphäre eines anderen Menschen, das sich weder im Büro, noch in einer festen Partnerschaft gehört. Und stellt euch vor: schlechte Laune kann man auch einfach so haben. Zum Beispiel, weil man gezwungen ist, mit einem Typen zu reden, von dem man weiß, dass er in seinem Tinder-Profil stehen hat, dass er auch ins rote Meer sticht.

Also, liebe Herren, spart euch in Zukunft bitte wenigstens Sätze wie “In der Regel haben Wikinger rote Bärte.” Es ist weder erotisch, noch klug, noch irgendwie witzig. Und sich über Menschen lustig macht, die einmal im Monat bluten, oder irgendwas daran eklig findet, sollte sich mal überlegen, aus welchem dreckigen Loch er das Licht der Welt erblickt hat.
Und liebe Frauen: Lasst euch von solchen Sprüchen nicht verunsichern. Aber hört bitte auch auf, eure Menstruation „die Erdbeerwoche“ zu nennen. Euphemismen für die Periode sind dem Feminismus in etwa so zuträglich wie ein Mann, der sich darüber lustig macht.

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