Game Over - Der Indiespiele-Blog Superlevel macht nach fast zehn Jahren endgültig dicht

Da ich die letzten paar Wochen unter einem Stein gelebt habe, und das wortwörtlich, habe ich erst jetzt mitbekommen, dass der deutsche Indiespiele-Blog Superlevel nach fast zehn Jahren dicht macht.…
Game Over

Der Indiespiele-Blog Superlevel macht nach fast zehn Jahren endgültig dicht

Da ich die letzten paar Wochen unter einem Stein gelebt habe, und das wortwörtlich, habe ich erst jetzt mitbekommen, dass der deutsche Indiespiele-Blog Superlevel nach fast zehn Jahren dicht macht. Also… genau genommen achteinhalb. Aber achteinhalb Jahre sind fast zehn Jahre. So irgendwie. Und das macht mich traurig. Aus diversen Gründen.

Es gibt nur noch eine Handvoll hiesiger Blogs, die mich seit den Anfängen von AMY&PINK begleiten. Nerdcore vielleicht. Oder UARRR. Oder das sich ständig weiter entwickelnde Seelenprojekt von Sara. Und eben das eben erwähnte Superlevel, mit der Fabu auf Teufel komm raus versuchte, mit einer konsequenten Andersartigkeit so relevant wie nur irgendwie möglich zu sein. Doch erbarmungslose Rebellion und finanzielle Sicherheit lassen sich oft nur schwer miteinander kombinieren. Leider.

Für viele eingefleischte Fans war Superlevel ein Blog voller subjektiver Texte, experimenteller Podcasts und nerdiger Mixtapes, für mich jedoch war die Seite ein interessantes Fallbeispiel dafür, wie man mit einer liebevollen, tief verwurzelten und fast schon arroganten “Fickt euch doch alle ins Knie”-Philosophie erfolgreich sein kann. Zumindest mehr oder weniger.

Am Ende scheiterte es mal wieder am Geld. Was bei unabhängigen US-Medien irgendwie noch zu funktionieren scheint, nämlich auf Werbung zu scheißen und stattdessen darauf zu hoffen, dass wenige Liebhaber dank Patreon & Co. genügend finanzielle Unterstützung aufbringen, scheint in Mitteleuropa schwieriger als gedacht zu sein. Oder man ist gezwungen, sich doch breitbeinig zu verhuren, so wie wir das bei AMY&PINK eben machen. Geld statt Würde. Das ist zwar kein schönes Motto, aber es funktioniert.

Ich möchte mich bei Fabu an dieser Stelle bedanken. Dafür, dass er es zumindest versucht hat. Dafür, dass er sich mit Superlevel gegen die sich immer weiter prostituierende Bloglandschaft gestellt hat. Gegen Modemädchen, die für Waschmittel werben. Gegen Videospielmagazine, die Wertungen verkaufen. Und gegen AMY&PINK, das nicht zu Unrecht als Hipster-BILD verschrien ist.

Kaum ein anderes Medium hat so viele neue Ideen in so kurzer Zeit ausprobiert wie Superlevel. Gefühlt alle paar Wochen gab es einen neuen Podcast. Der legendäre “Diablo 3” Key Generator hat ganze Hauptschulklassen in Süd-, Ost-, West- und Norddeutschland zum Heulen gebracht. Und das an die Webseite angeschlossene, kunterbunte Forum war das digitale Zuhause anders denkender Pixelabenteurer, die mit allseits beliebter Mainstreamkost nur wenig bis gar nichts anfangen konnten.

Jetzt fühle ich mich wie eines dieser dämlichen Arschlöcher, die auf Beerdigungen anfangen zu heulen, aber zu Lebzeiten des Verstorbenen nicht einmal im Traum daran dachten, auch nur ein gutes Wort über ihn zu verlieren. Weil man zu beschäftigt war. Weil man alles für selbstverständlich ansah. Weil selbst genügend Probleme hatte. Jetzt ist es zu spät. Nun bin ich ein Arschloch.

Fabu hat jetzt einen richtigen Job bei einer richtigen Firma mit richtigem Budget. Und trotzdem hoffe ich, dass er in ein paar Jahren die Schnauze voll davon hat und mit all seiner Erfahrung, seinem Können und seiner dann nicht mehr zu bewältigenden Langeweile ein neues Projekt beginnt, das alles richtig macht. Wenn das denn auch nur irgendwie möglich ist.

Bis dahin sage ich: “Lebewohl, Superlevel!” Mögest du deinen digitalen Frieden neben Megazord, Panda Fuck und Indigoidian finden. Und jeder, der jetzt erst gemerkt hat, dass es noch eine farbenfrohe Welt neben GameStar, 4Players und Gronkh gibt, der darf sich gerne die kommenden Nächte um die Ohren schlagen und jeden einzelnen Artikel auf Superlevel lesen, bevor die Seite irgendwann womöglich endgültig ins virtuelle Nirvana entschwindet. Mach’s gut. Und bis bald. Vielleicht. Wer weiß…

Puma

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