Falsche Freunde - Egal, was man dir erzählt hat, aber deine beschissene Friendzone gibt es gar nicht

Das Wort „Friendzone“, das vor allem im Internet immer wieder auftaucht, steht für eine platonische Beziehung zwischen zwei Menschen, in der sich eine Person eine sexuelle Beziehung zueinander wünscht, die…
Falsche Freunde

Egal, was man dir erzählt hat, aber deine beschissene Friendzone gibt es gar nicht

Das Wort „Friendzone“, das vor allem im Internet immer wieder auftaucht, steht für eine platonische Beziehung zwischen zwei Menschen, in der sich eine Person eine sexuelle Beziehung zueinander wünscht, die andere allerdings nicht. Es ist somit ganz klar negativ belegt – obwohl es das eigentlich nicht sein sollte.

Ich persönlich hab ein riesengroßes Problem mit diesem Wort. Insbesondere, weil es nie in einem positiven, sondern prinzipiell in einem negativen Zusammenhang verwendet wird. Mein Freund zu sein ist ein verficktes Privileg, das nicht jedem Menschen, den ich kennenlerne zuteil wird. Meine Freunde bedeuten mir mehr als jeder Fick dieser Welt, von daher ist die „Friendzone“ etwas, das sich jeder Mensch, der mit mir in Kontakt steht, wünschen sollte.

Nur, weil ich nicht mit all meinen Freunden ficken will, ist das noch lange kein Grund, die Beziehung zu mir irgendwie abzuwerten. Und ich nehme mir an dieser Stelle heraus, für alle Frauen zu sprechen, die schon mal auf negative Weise mit dem Wort „Friendzone“ konfrontiert wurden. Es ist nämlich ein Begriff, den eigentlich nur Männer benutzen, wenn eine Lady nicht mit ihnen ficken will. Ich hab jedenfalls noch nie eine Frau sagen hören: „Der Typ hat mich gefriendzoned.“

Es sind besonders die netten, liebevollen Typen, die das Wort „Friendzone“ gerne in den Mund nehmen. Und es klingt immer wie ein Vorwurf. So, als wäre man als Frau ihnen Sex schuldig, nur weil man es ausnahmsweise mal mit einem Kerl zu tun hat, der in seinen eigenen kein Arschloch ist. Ich kann euch eines sagen: Wenn du den Begriff „Friendzone“ benutzt, dann bist du ein Arschloch. Und zwar ein ziemlich sexistisches, das sich auf keiner Ebene von den Typen unterscheidet, die einem auf der Straße hinterher glotzen, nur weil man einen kurzen Rock trägt.

Das Internet ist voll von Blogbeiträgen, in denen beschrieben wird, wie man es vermeidet, in die „Friendzone“ zu rutschen. Da wird zum Beispiel dazu geraten, als Mann keine gefühlsmäßige Ebene zu einer Frau aufzubauen, damit sie einen bloß nicht als „guten Freund“ sieht, sondern als reines Sexobjekt. Was für ein Schwachsinn.

Ich möchte zu den Typen, mit denen ich regelmäßig Sex habe, durchaus ein freundschaftliches Verhältnis haben. Und wenn ich ihnen auch gefühlstechnisch vertraue, bedeutet das in den meisten Fällen nur, dass der Sex mit ihnen um einiges besser ist als der mit irgendwelchen One-Night-Stands, zu denen ich so gar keine Beziehung habe.

Sollte man erst mal „in der Friendzone gefangen“ sein, gibt es natürlich auch etliche Tipps und Tricks, um da auch wieder herauszukommen. Da stehen dann so schlaue Dinge wie „Behandle die Frau, die dich gefriendzoned hat, möglichst scheiße, in dem du vor ihren Augen mit anderen Frauen flirtest, ihr sagst, dass du sie überhaupt nicht attraktiv findest und dass sie für dich nur eine Freundin ist, die du als ganz okay erachtest, die aber zu dick, zu klein oder zu blond ist, um in dir sexuelle Erregung hervorzurufen“.

Mit anderen Worten: Man soll der Frau, die man gern hat, mitten ins Gesicht lügen, um zu bekommen, was man selbst will. Wie schwachsinnig das ist, merkt ihr hoffentlich selbst. Es bringt euch der Frau eurer Träume nämlich nicht näher, sondern treibt euch maximal komplett aus ihrem Leben. Menschen, die lügen, hat man einfach nicht gern um sich herum. Und dass Frauen prinzipiell auf Arschlöcher stehen, halte ich auch für ein Gerücht.

Wer nicht in der „Friendzone“ sein will, muss da auch nicht bleiben. Sorry, aber es ist immer noch jedem freigestellt, ob er mit mir befreundet sein möchte oder nicht. Wenn man kein Bock auf eine rein platonische Beziehung zu einem anderen Menschen hat, geht man. So, wie man halt auch romantische Beziehungen beendet, wenn es einem reicht.

Niemand zwingt dich, eine Beziehung zu führen, die du nicht führen willst. Niemand zwingt dich, eine Freundschaft zu führen, die du nicht führen willst. Wenn du trotzdem bleibst, ist das gelinde gesagt einfach dein Pech. In allen zwischenmenschlichen Kontakten trägt jeder nur die Verantwortung für das eigene Handeln, nicht das der anderen.

Und wenn man mit einem Menschen, mit dem man eng befreundet ist, gerne auch ficken will, kann man das offen sagen. So uncool es auch ist, auf der Straße wildfremden Leuten ins Gesicht zu sagen, dass man ihnen an die Geschlechtsteile will, umso cooler ist es, in Freundschaften ganz offen miteinander umzugehen.

Selbst wenn die andere Person nein sagt, ist das für die platonische Beziehung selbst kein Nachteil. Und wenn doch, dann war es auch keine richtige Freundschaft, sondern einfach nur scheiße. Ich jedenfalls kann meinen Freundinnen und Freunden offen ins Gesicht sagen, wenn ich sie gerne knallen würde. Und wenn sie „nein“ sagen, dann ist das eben so. Das „nein“ eines anderen Menschen wird akzeptiert und vor allem auch respektiert, auch wenn der eigene Wille in eine andere Richtung geht.

Also, ihr ganzen Schlappschwänze, die ihr im Internet so gerne rumheult, dass ihr mal wieder „gefriendzoned“ wurdet und nach Tipps sucht, wie ihr der Frau doch noch an die Wäsche könnt: Habt einfach mal die Eier in der Hose, euren Standpunkt auch im echten Leben ganz klar zu vertreten.

Sagt der Frau, wenn ihr sie ficken wollt, und akzeptiert ihr „Nein“, wenn sie es nicht will, ohne euch darüber aufzuregen. Sie ist euch nämlich nichts schuldig. Und wenn euch eine Freundschaft ohne Sex zu viel ist, dann geht. Es finden sich da draußen genügend andere, mit denen ihr auch klarkommt und die sich eurem Konzept von „friends with benefits“ oder welche genaue Vorstellung da auch immer durch eure kranken Köpfchen geistert, gerne annimmt.

Aber hört bitte auf, mit solch frauenfeindlichen Begriffen um euch zu werfen, als seien sie irgendwie cool oder witzig. Das sind sie nämlich nicht. Zumindest nicht, solange ihr ihnen diese negative Konnotation verpasst und die „Friendzone“ nicht als das anseht, was sie eigentlich sein sollte: Eine Zone, aus der man am liebsten gar nicht raus will, weil das Gegenüber einem so viel bedeutet, dass man die Freundschaft wirklich und wahrhaftig schätzt. Auch dann, wenn es keinen Sex dazu gibt.

Nadine Kroll: Stellungswechsel
Topman

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