Die neuen Worthelden - Hier sind 10 Berliner Journalisten, die du unbedingt kennen musst

Gefühlte Wahrheit, Lügenpresse und jetzt auch noch Donald Trump. Die Zeiten stehen schlecht für den Journalismus. Oder gerade im Gegenteil – vielleicht kann sich die Presse gerade jetzt neu erfinden.…
Die neuen Worthelden

Hier sind 10 Berliner Journalisten, die du unbedingt kennen musst

Gefühlte Wahrheit, Lügenpresse und jetzt auch noch Donald Trump. Die Zeiten stehen schlecht für den Journalismus. Oder gerade im Gegenteil – vielleicht kann sich die Presse gerade jetzt neu erfinden. In Berlin, der deutschen Hauptstadt des Medienzoos, gibt es einige spannende, wenn auch streitbare Lichtgestalten, deren Namen man zumindest einmal gehört haben sollte. Eine kurze, subjektive Liste der zehn (oder besser elf) Berliner Journalisten, die man kennen sollte.

Dandy Diary

Carl Jakob Haupt und David Kurt Karl Roth
Sie feiern legendäre Parties mit Harlekins, echten Elefanten und hübschen Zahnspangen-Mädchen, tragen gerne goldene Schlagringe und sind überzeugte Veganer. Man kann von Carl Jakob Haupt und David Kurt Karl Roth halten, was man will. Kennen sollte man die Chefs des Fashion-Blogs Dandy Diary aber schon. Politikwissenschaftler Carl Jakob Haupt ist selbstironisch und haut Zitat raus wie: „Es ist total wichtig, scheiße auszusehen und das auch auszuhalten“ – womit er genau den Nerv der Berliner Antimode-Mode-Community trifft. Mit seinem Schulfreund, dem Bloggründer und Modejournalisten David Kurt Karl Roth, versteht er es so zu provozieren, dass er branchengerecht Aufmerksamkeit erregt. Deutschlandflaggen auf Pullovern? Geht für die Fashionszene klar, solange sie von Dandy Diary kommen. Darum steht man auch gerne Schlange, um auf einer der Parties mit einem nackten Mann an einem Kreuz zu Marilyn Manson zu wippen.

Jetzt Dandy Diary lesen

Teresa Bücker

Teresa Bücker
Uni Abschluss? Braucht man nicht unbedingt zum Erfolg. Die junge Journalistin aus Berlin Mitte hat die Abschlussarbeit im Publizistik-Studium nie geschrieben und kümmerte sich lieber um ihre Blogs, auf denen sie Texte über Popkultur und Feminismus veröffentlichte. Eine kluge Entscheidung, denn sie wurde schon mit 24 Jahren als eine der ersten Social-Media-Redakteurinnen in Deutschland zur Zeitung Der Freitag geholt. Dann wurde sie Beraterin der SPD für digitale Medien, Referentin in der Bundestagsfraktion und schließlich Chefredakteurin von Edition F, dem viel diskutierten Business-Magazin im Netz: ein Wirtschaftsmagazin für Frauen zwischen Lifestyle und harten Fakten. Teresa hat 20.000 Follower auf Twitter und über 34.000 Tweets veröffentlicht.

Jetzt Edition F lesen

Ronja von Rönne

Ronja von Rönne
Ronja von Rönne ist so etwas wie das publizistische Gegenstück zu Teresa Bücker. Als die junge Journalistin 2015 mit ihrem kritischen Text zum Feminismus bekannt wurde, spalteten er die Leser in zwei Lager auf: Die eine Hälfte feierte, dass eine Frau sich mit einem Beitrag unter dem Titel „Warum mich der Feminismus anekelt“ zu Wort gemeldet hat. Die andere Hälfte verdammte sie dafür. Für den Artikel hätte Ronja von Rönne den silbernen Hauptpreis des Axel-Springer-Preises bekommen sollen, lehnte ihn aber ab: „Mein Plan war nie, die Galionsfigur des Antifeminismus zu werden“, sagte sie und ruderte damit wieder ein Stück zurück. „Mein Text war eine spontane Wutrede im Kontext einer Debatte und sollte kein lebenslanges Statement sein.“ Trotzdem feiert sie die konservative Szene nach wie vor; vielleicht unberechtigt. Auf ihrem Blog „Sudelheft“ schreibt Ronja überhaupt nicht konservativ über alles, was sie gerade beschäftigt.

Jetzt Die Welt lesen

Moritz von Uslar

Moritz von Uslar
Er fragte Elton John, ob er als Kind ins Bett gepinkelt hat und Hillary Clinton, in welcher Ecke im Weißen Haus sie am liebsten rumgehangen hat. Die Idee, die Moritz von Uslar bekannt gemacht hat: 100 Fragen in einem Interview zu stellen und dabei statt einen Künstler nach seiner Inspiration oder einen Koch nach dem Lieblingsessen zu fragen, um die Ecke zu denken. Von Uslar befragte Karl Lagerfeld, Heidi Klum und Angela Merkel für das Süddeutsche – und später für das ZEIT Magazin. Seine Interviews versieht er im Anschluss mit vielen Details aus dem Gespräch und Kommentaren zu den Menschen, die ihm gegenübersitzen. So kommen Texte über berühmte Menschen zustande, die es sonst nirgendwo zu lesen gibt; etwa über den Schlafrekord von Mariah Ca-
rey: „Ich wache zwischendrin auf. Stehe auf, esse, schlafe weiter. So schaffe ich 15 Stunden. Im Bett bleiben kann ich fünf, sechs Tage lang. Und länger.“

Jetzt das ZEIT Magazin lesen

Theresia Enzensberger

Theresia Enzensberger
Wenn man mit dem, was es gibt nicht zufrieden ist, soll man es besser machen. Will man ein eigenes Magazin gründen, muss man allerdings eine gute Idee und starke Nerven haben. Theresia Enzensberger, die Tochter des Schriftstellers Hans Magnus Enzensberger, fand, es ist Zeit für ein Heft ohne Aktualitätsoder Klickzahlen-Zwang. So hat sie das Block Magazin gestartet, in dem Schriftsteller und Journalisten Beiträge zu Themen schreiben, die sie gerade wichtig finden, also Internet-Chats, Beyoncé als Vorbild für die Frauen oder die Schweiz als kitschiges Paradies. Enzenbergers Heft wird nach Crowdfundingprinzip immer dann gedruckt, wenn es genügend Leser bestellt haben. Mit der Idee hat die Journalistin 2016 den Lead-Award für das Newcomermagazin des Jahres gewonnen.

Jetzt das Block Magazin lesen

Tom Littlewood

Tom Littlewood
Drogenexperimente und Kriegsreportagen? VICE kann man lieben oder hassen. Dass das ehemalige Punk-Fanzine eine der ersten Zeitschriften war, die mit Gonzo-Journalismus erfolgreich wurde und heute eine der bekanntesten Medienmarken unter jungen Lesern ist, kann man aber nicht abstreiten. Tom Littlewood ist Chefredakteur der deutschen Version des amerikanischen Magazins, das mittlerweile unzählige Online-Ableger, eine Nachrichten-, sowie eine Werbeagentur unter seinem Dach vereint. Der gebürtige Brite studierte Literatur in Cambridge und war vor VICE als freier Journalist unterwegs. Er schreibt über politische Themen wie den Brexit oder auch über sexuellen Missbrauch in der Satanistenszene. Je stärker ein Thema seinen Lesern Reaktionen abtrotzt, desto besser.

Jetzt VICE lesen

Elke Buhr

Elke Buhr
Wer Kunst liebt, liest in Deutschland entweder das Berliner Monopol-, oder das Hamburger art Magazin. Wie seine Heimatstadt ist ersteres ein bisschen wilder und freier; mittlerweile lesen es darum auch viele Nicht-Kunstfreaks. Der Mix aus Lifestyle, Malerei, Film und Architektur hat Monopol groß gemacht; mittlerweile hat es 45.000 Leser. Als Chefredakteurin entscheidet Elke Buhr folglich mit, welcher Künstler groß rauskommt und welcher nicht. Elke ist seit 2008 bei Monopol und seit 2016 dort Chefredakteurin, davor war sie Autorin und Leiterin des Kunstressorts der Frankfurter Rundschau. Außerdem schreibt sie Texte über Popmusik für die ZEIT und ARD. Lady Gaga und Trash-Rap? Elke Buhr kann dazu genauso viel sagen, wie zu den wichtigsten Museen. Damit schlägt sie die Brücke zwischen Hoch- und Popkultur.

Jetzt Monopol lesen

Oliver Gehrs

Oliver Gehrs
Herausgeber Oliver Gehrs gründete den Dummy-Verlag; vorher war er für so ziemlich jede große Zeitung in Deutschland tätig, schrieb bei taz, Berliner Zeitung, Spiegel und Süddeutsche Zeitung. Als Medienkritiker macht er sich nicht nur Freunde, gilt aber als wichtige Instanz in der Journalistenwelt. Und er wagt mit jeder Ausgabe seines Dummy Magazins ein Experiment, einen Dummy eben. Behinderte, Freiheit, Polizei oder Mama: Jeder Titel beschäftigt sich von allen Seiten mit einem gesellschaftlich relevanten Thema, und das ohne sich um politische Korrektheit zu kümmern. Es gibt gut recherchierte Texte und Interviews, zum Beispiel über Pädophilie oder Sklaverei. Die Autoren haben keine Berührungsängste mit schwierigen Themen, gehen sie aber vorsichtig und nicht reisserisch an. Mit den ikonischen Coverseiten und Fotostrecken sind die Ausgaben Sammlerstücke – auch dafür hat Gehrs zehn Lead Awards bekommen.

Jetzt das DUMMY Magazin lesen

Heiko Hoffmann
Berlin und Techno gehören zusammen. Darum ist der Chefredakteur der Groove, der ältesten Zeitschrift für elektronische Musik, auch ein König der Szene. Heiko Hoffmann ist im Berghain, Tresor oder Watergate unterwegs und entdeckt dort, was später überall gehört wird. Er schreibt über die Entwicklung von Techno und House, von neuen DJs und über die Welt drumherum, kennt Labels, Künstler, Türsteher und Feierpublikum am besten. Wer in Deutschland wissen will, was man sich anhören sollte, liest Groove oder schaut sich Heiko Hoffmanns YouTube-Kanal an.

Jetzt Groove lesen

Johanna Adorján

Johanna Adorján
Die großen Zeitungen sind immer noch sehr männlich. Johanna Adorján setzt einen Gegenpol. Sie studierte sie Regie an der Theaterakademie, schreibt poetische, eigenwillige Texte, hat sich damit jahrelang im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung behauptet, für die Medienseite der Süddeutschen geschrieben und Texte in der Vogue, Elle, im Focus oder Spiegel veröffentlicht. Außerdem hat die Schriftstellerin mehrere Bücher herausgebracht; darunter den in 18 Sprachen übersetzten Roman „Eine exklusive Liebe“ über den gemeinsamen Selbstmord ihrer Großeltern. Bekannt wurde sie für die Schönheit ihrer Sprache und hat den Medienpreis für Sprachkultur bekommen.

Jetzt die Süddeutsche Zeitung lesen

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