Ein blutiges Erlebnis - Um eine Analfissur zu kriegen, musst du nicht unbedingt Charlotte Roche sein

„Ich habe eine Analfissur.“ Wie das klingt. Erstmal nach Schmerzen, ja. Nach ziemlichen Schmerzen, zuerst stechenden, und dann pulsierenden. Doch lässt man sich diesen Satz auf der Zunge zergehen, kommt…
Ein blutiges Erlebnis

Um eine Analfissur zu kriegen, musst du nicht unbedingt Charlotte Roche sein

„Ich habe eine Analfissur.“ Wie das klingt. Erstmal nach Schmerzen, ja. Nach ziemlichen Schmerzen, zuerst stechenden, und dann pulsierenden. Doch lässt man sich diesen Satz auf der Zunge zergehen, kommt man nicht drum herum, über die Ursache zu spekulieren. Analfissur. „Die wird doch nicht etwa …“ Na? Ja, genau. Der Gedanke an (zu harten) Analsex liegt nahe.

Wie verrucht. Schmutzig, wild. „Total Nadine“, mag der ein oder andere jetzt vermutlich denken. „Ich habe eine Analfissur“, klingt nach „Ich bin ein ganz schlimmes, dreckiges Ding. Du darfst es mir richtig hart anal geben, bis ich reiße und Schmerzen habe.“ Der pornobelastete Traum jeden Mannes. Aber bei mir, da hat das ausnahmsweise einmal nichts mit meinem animalischen, wilden Sexleben zu tun… Sollte ich leider sagen?

Drehen wir die Zeit ein paar Tage zurück. Im Nachhinein betrachtet begann alles mit einem fiesen Bakterium. Nein, keines welches sich durch mein Arschloch eingeschlichen hatte, sondern genau auf der anderen Seite meines Körpers. Eine Erkältung hatte mich erwischt. Eine richtig fette, eklige Erkältung, mit Schleim in der Nase, Schleim im Hals, Schleim einfach überall.

Röchelnd lag ich tagelang im Bett, die Wärmflasche an den Füßen, den Tee in der einen, die Halsschmerztabletten in der anderen Hand. Nun gut, endlich mal Zeit, die Serie anzufangen, für die ich zwar nie vor Interesse brannte, die aber aufgrund des im Internet zahlreich vertretenen Gefolges verspricht, gar nicht mal so schlecht zu sein. So verbrachte ich Stunden damit Tee zu schlürfen und Menschen bei ihrem Überlebenskampf in einer apokalyptischen Welt zuzusehen.

Wie jedes Mal, wenn ich diese Art von Unterhaltung verfolge, fragte ich mich die meiste Zeit: Wie um Himmelswillen bekommen es diese Frauen immer hin, perfekt rasiert zu sein? Wie können diese Leute knutschen, obwohl sie schon monatelang keine Zahnbürste mehr gesehen haben? Stinken die nicht alle unfassbar? Und wann und wo gehen die eigentlich kacken?

Apropos kacken: Durch meine recht einseitige Ernährung, bedingt durch unterlassene Kochanstrengungen sowie das lange Liegen, reduzierte sich meine Darmtätigkeit scheinbar drastisch. Nach einer Woche Betthüten und meiner ersten, warmen, vollwertigen Mahlzeit, kam dann endlich der Tag der Wahrheit. Mein Bauch spannte und fühlte sich voll an. Der erste Kaffee das erste Bier und die erste Kippe seit Tagen taten dann den Rest: Ich verspürte das dringende Gefühl mal kräftig einen abzuseilen.

Mit einer dieser elenden Frauenzeitschriften, die ich so hasse, bewaffnet, trat ich gemütlich meinen Weg aufs Klo an, welches mir in diesen Situationen immer wie Himmel auf Erden erscheint. Ich machte es mir bequem und wartete. Nach sieben Tagen Darm-Sammel-Aktion freute ich mich auf ein Gefühl der Erleichterung, einer Befriedigung die seinesgleichen sucht. Denn seien wir mal ehrlich: Kacken gehen ist sowas von geil! Oder, um es mit einer StudiVZ-Gruppe zu sagen: Wer Sex für das Geilste hält, war noch nie so richtig kacken.

Da saß ich nun, blätterte in meiner Zeitschrift, hasste die Sex- und Diättipps ab und wartete… und wartete… und wartete… bis ich irgendwann misstrauisch wurde. Mein Darm fühlte sich randvoll an, ich hatte das Gefühl, er würde sich gleich in seiner vollen Länge seinen Weg nach draußen bahnen. „Okay“, dachte ich mir, „in irgendeinem dämlichen Buch stand mal, pressen soll man nicht, das führt zu Hämorrhoiden.

Aber hey, das muss jetzt echt mal sein.“ Also presste ich wie eine Frau, die gerade vaginal ein Kind zur Welt bringt. Es bewegte sich sogar etwas, doch sobald ich aufhörte zu drücken, flutschte der braune Schokobär, der es sich in meinem Darm bequem gemacht hatte, wieder zurück in meinen Körper. „Na gut“, dachte ich, „du willst es also auf die harte Tour.“ Also atmete ich noch mal tief durch, nahm meine ganze Kraft zusammen, bündelte sie im unteren Teil meines Körpers und drückte.

Der beschissene Artikel, den ich gerade gelesen hatte, war längst vergessen. Meine Hände umklammerten dennoch die Zeitung, einfach, weil ich was zum Festhalten brauchte. Wie gern hätte ich in dieser Situation die beiden Griffe rechts und links neben der Toilette gehabt, von denen ein Kumpel mir in unserer Jugend mal erzählt hatte („Da kann man sich beim Pressen richtig schön dran festhalten!“) und langsam, ganz langsam schob sich die Kacke ihren Weg nach draußen.

Plötzlich spürte ich einen Schmerz, genau dort, wo sich das lang ersehnte Stück nicht verwertbaren Essens heraus wandte. Aber was einmal angefangen war, musste zu Ende geführt werden, also drückte ich nun noch verzweifelter. Tränen stiegen mir in die Augen, doch dann war es vorbei. Endlich! Oh du schöne, schöne Erleichterung! Beim automatischen Klopapier-Check nach dem Abwischen dann der Schock: Zwischen den obligatorischen braunen Streifen ein roter Streifen frisches Blut. Ich hatte mir doch tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes beim Scheißen den Arsch aufgerissen!

„Okay, jetzt bloß keine Panik, vergiss es einfach“, dachte ich mir so. Aber schon beim Hose hochziehen merkte ich, auch das tut weh. Ein bisschen humpelnd verließ ich das Badezimmer, nun nicht mehr Himmel auf Erden für mich, sondern mehr so Tal der Schmerzen. Zurück in meinem Zimmer setzte ich mich vorsichtig auf einen Stuhl und vor sofort wieder hoch, als mich ein jäher Schmerz in der Gegend meines Arsches durchzuckte. Ich fragte mich nun doch, ob das schlimm war, was ich tun sollte und ob ich mal das Internet, das auf alles eine Antwort weiß, befragen sollte.

„Bloß nicht googlen“, sagte mir eine leise, kluge Stimme, die irgendwo ganz tief in meinem Kopf wohnt. Aber was dann? Wenn ich das Internet nicht befragen kann, bin ich mit meinem Latein am Ende. Zum Arzt gehen? Mit einer Verletzung, die man sich durchs Scheißen zugezogen hat? Und zu welchem überhaupt? Dem Hausarzt, der Frauenärztin? Wie die auf sowas wohl reagieren? „Oh, eine Analfissur. Sind Sie beim Analsex nicht vorsichtig genug gewesen? Sie sollten stets ein geeignetes Gleitmittel dazu verwenden.“

Ja, ja, weiß ich doch alles. Aber zuzugeben, dass der Riss in meinem Arschloch beim Kacken entstanden ist und nicht bei einem schönen, genussvollen Fick in den Arsch, war selbst mir zu peinlich. Also entschied ich mich dazu, abzuwarten, ob das Ding nicht doch von alleine wieder abheilen würde. Hat übrigens auch super funktioniert. Arschficks genieße ich nach wie vor. Nur beim Kacken, da bin ich wirklich etwas vorsichtiger geworden.

Nadine Kroll: Stellungswechsel
s.Oliver

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