Streit ums Make-up - Es ist allein meine Entscheidung, was ich mit meinem Gesicht mache

Mir wird relativ häufig gesagt, dass ich ohne Make-up viel hübscher aussehe als mit. Meistens in Verbindung mit “Du brauchst diesen ganzen Kram gar nicht!” oder “Männer stehe auf Natürlichkeit!”.…
Streit ums Make-up

Es ist allein meine Entscheidung, was ich mit meinem Gesicht mache

Mir wird relativ häufig gesagt, dass ich ohne Make-up viel hübscher aussehe als mit. Meistens in Verbindung mit “Du brauchst diesen ganzen Kram gar nicht!” oder “Männer stehe auf Natürlichkeit!”. Zu all diesen Menschen, die solche Sätze von sich geben, habe ich genau eins zu sagen: Fuck you! Es geht euch gar nichts an, ob und wie viel Zeug ich mir ins Gesicht schmiere.

Und Dinge wie “Du siehst heute sehr blass aus, bist du krank?”, könnt ihr euch auch sparen. Ich bin nicht krank, ich bin einfach nicht geschminkt. Und dazu meistens noch ziemlich unausgeschlafen, weil ich die Nacht entweder mit lernen, mit feiern oder mit vögeln verbracht habe. Hört doch bitte einfach auf, mein Aussehen zu kommentieren.

Ich schminke mich verdammt gerne. Und zwar nicht nur, weil ich mich mit Make-up attraktiver finde. Mir gefällt meine Fresse auch ohne den ganzen Kram ganz gut. Aber schminken macht mir nun mal Spaß und ich liebe es, dass ich damit mein Gesicht verändern kann, wie es mir beliebt. Ich trage Make-up grundsätzlich für mich und nicht für andere.

Wenn ich also meine Augenringe unter einer dicken Schicht Concealer verschwinden lassen will, ist das meine Sache. Ich hab kein Problem damit, anderen Leuten die dunklen Schatten unter meinen Augen zu präsentieren. An manchen Tagen kotzen sie mich einfach selbst so an, dass ich sie überschminken muss. Selbiges gilt für Pickel. Insbesondere die, die aufgrund erhöhten Drogenkonsums entstanden sind. Es ist schon okay, dass sie da sind. Ich will sie bloß nicht immer sehen.

Natürlich trägt ein großer Teil der Frauen auch heute noch hauptsächlich Make-up, weil das zu einem “tadellosen Erscheinungsbild” dazu gehört. Es sind aber eben nicht alle. Und wie immer sollte hier nicht die Frau an sich hinterfragt werden, sondern eher die Gesellschaft, die erwartet, dass Frauen immer adrett gekleidet sowie perfekt frisiert und geschminkt sind. Es braucht verdammt viel Kraft, sich von diesen Erwartungen zu lösen und drauf zu scheißen, was andere über dein Aussehen sagen. Wenn nicht jeder ständig die Optik einer Frau kommentieren müsste – egal ob positiv oder negativ – wäre es um ein Vielfaches einfacher.

“Ihr Frauen habt’s so gut! Ihr könnt einfach alle Makel überschminken!” Wer hat denn behauptet, dass es für Männer nicht okay ist, sich eine dicke Schicht Make-up in die Fresse zu klatschen, das Gesicht nach Belieben zu konturieren, um die Stirn etwas kleiner und die Nase schmaler erscheinen zu lassen, oder knallpinken Lippenstift zu tragen? Ach, die Gesellschaft war’s! Entschuldigung, aber wenn du dir als Kerl von “der Gesellschaft” verbieten lässt, dich zu schminken, weil sich das für einen “echten Mann” nicht gehört, hast du einfach keine Eier in der Hose.

Es spricht absolut nichts dagegen, auch als Mann die eigenen Pickel oder Augenringe mit Concealer abzudecken. Ist alles eine Frage der Prioritäten. Und wenn es du dich als Mann mit deinen sogenannten “Makeln” in unserer Gesellschaft wohler fühlst als mit ein bisschen Schminke, weil du Angst hast, man könne dich für die Verwendung von Make-up verurteilen, beschwer dich halt auch darüber, dass Frauen alles abdecken “dürfen” und du nicht.

Generell sind es eigentlich immer die Männer, die motzen, wenn es um das Thema Make-up geht. Es ist immer zu viel oder zu wenig. Der einzige Look, der durchweg akzeptiert ist, ist der, bei dem die Frau sich zwanzig Tonnen Schminke ins Gesicht schmiert, nur um möglichst ungeschminkt auszusehen. Auf Youtube gibt es hunderte Tutorials dazu, wie das mit nur 58 verschiedenen Produkten funktioniert. Prinzipiell ja eine ganz gute Idee, aber in meinen Augen völlig unnötig. Wenn ich Make-up trage, dann will ich das auch sehen. Und der “ungeschminkt”-Look funktioniert am besten, indem man einfach das tut, was das Wort schon sagt. Nämlich sich nicht schminken.

Die Entscheidung, ob und vor allem wie man sich schminkt, sollte dennoch jedem Menschen selbst überlassen werden. Es hat überhaupt nichts mit „Falschheit“ zu tun oder „jemandem etwas vormachen“. Ein bisschen – oder auch extrem viel – Make-up ändert nichts am Charakter eines Menschen. Oder an seinen Qualitäten im Job. Oder, oder, oder. Der Spruch „Wer mich ungeschminkt nicht mag, hat mich geschminkt nicht verdient!“, ist genauso schwachsinnig wie „Ich schminke mich nicht, weil ich nichts zu verbergen habe!“. Alleine deshalb schon, weil solche Sätze immer als Rechtfertigung vor anderen benutzt werden.

Verdammt, steht doch einfach dazu, wenn ihr euch gerne die Augen dick mit schwarzem Kajal umrandet oder kein Make-up benutzt, weil ihr euch ohne einfach schöner findet. Oder lediglich zu faul seid, euch zu schminken. Selbst wenn ihr euch das Gesicht jeden Tag in der Farbe einer Deutschlandflagge anmalt, geht das niemanden etwas an. Es vermittelt ein komisches Signal, definitiv, aber eigentlich darf niemand eure Intension dahinter hinterfragen. Niemand außer euch selbst.

Die vielzitierte Natürlichkeit wird genauso überbewertet wie ein Lippenstift von Chanel. Man sollte immer das tun und tragen, mit dem man sich wohl fühlt. Und das bezieht sich jetzt nicht nur auf Schminke, sondern auch auf Kleidung. Und den Charakter selbst. Jeder Mensch kann für sich selbst entscheiden, ob und wie er sich schminkt. Ob er oder sie gerne Röcke trägt oder auf Unterwäsche verzichtet. Jeder Mensch hat einen Einfluss darauf, ob er ein Arschloch ist oder nicht. Schlechte Eigenschaften lassen sich genauso ablegen wie Make-up. Es liegt eben nur nicht an Fremden, zu bestimmen, was man zu tun oder zu lassen hat, sondern immer an einem selbst.

Liebe Mädchen. Liebe Jungs. Schmiert euch in die Fresse, was ihr euch in die Fresse schmieren wollt. Ganz egal, ob das nun fünf Schichten Concealer und Rouge oder eine Schicht Nutella ist. Zieht an, was ihr anziehen wollt. Wenn ihr ab morgen eure Unterhose wie Doug Funny auf dem Kopf tragen wollt, dann macht das. Benehmt euch, wie es euch beliebt.

Aber hört bitte damit auf, andere Menschen für ihr Erscheinungsbild zu judgen. Es geht euch nämlich gar nichts an, warum jemand wie aussieht und was er eventuell damit ausdrücken will. Meistens hat die Optik nämlich gar nichts über eine Person zu sagen. Zumindest nicht mehr als „Ich finde das geil, also mache ich das so“.

Nadine Kroll: Stellungswechsel
Jack & Jones

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