Prostitution als Nebenjob - Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn Studentinnen ihren Körper verkaufen?

Ich habe überlegt, diesen Text mit dem Satz “Sexarbeit ist etwas ganz Tolles!” zu beginnen, und mich aus den nahe liegendsten Gründen dagegen entschieden. Sexarbeit ist eine Arbeit wie jede…
Prostitution als Nebenjob

Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn Studentinnen ihren Körper verkaufen?

Ich habe überlegt, diesen Text mit dem Satz “Sexarbeit ist etwas ganz Tolles!” zu beginnen, und mich aus den nahe liegendsten Gründen dagegen entschieden. Sexarbeit ist eine Arbeit wie jede andere. Sie dient dem Geldverdienen, wie jeder „normale“ Job eben auch, und der Job, den man sich in unserem Land ja glücklicherweise in den meisten Fällen selbst aussuchen kann, macht im Normalfall an einem Großteil der Tage auch noch Spaß.

Pornos zu drehen ist im Prinzip ja nichts Anderes als Brötchen zu verkaufen, nur dass man bei Ersterem halt nackt ist. Und Prostitution ist nicht nur das älteste, sondern in meinen Augen auch das ehrlichste Gewerbe der Welt. Für Prostitution werden keine Tiere geschlachtet und (zumindest, wenn alles mit rechten Dingen zugeht) keine Menschen getötet, die Erde wird nicht ihrer natürlichen Ressourcen beraubt und bereichern tut sich daran niemand außer der Arbeitskraft selbst (sofern kein Zuhälter dahintersteht, versteht sich).

Ein Mensch verkauft lediglich seinen Körper und nicht wie andere Menschen – man werfe an dieser Stelle einen Blick auf die Leute, die hinter der BILD-Zeitung, RTL oder den großen Banken dieser Welt stecken – seine Seele. Mittlerweile ist ja bekannt, dass sich ein Großteil der Studentinnen und Studenten mit Gelegenheitsprostitution – oftmals einfach “Hostessjobs” genannt, damit nicht jeder sofort weiß, was wirklich Sache ist – über Wasser hält. Auch ich stand bereits des Öfteren vor der Wahl hungern oder ficken, weil das BAföG nicht mal ansatzweise die Materialkosten deckt, die man als Student eben so hat.

Ich sprach das Thema genau einmal meiner Mutter gegenüber an, als ich wieder mal in einer finanziellen Notlage war. Nicht, weil ich Geld von ihr wollte, sondern weil es wirklich mein Plan war, meinen Körper zu verkaufen, um die Situation zumindest vorerst in den Griff zu kriegen. Ich bekam eine Standpauke ohnegleichen.

Sie sagte mir, dass ich viel zu intelligent sei, um auf so etwas angewiesen zu sein, dass es da draußen jede Menge andere Jobs gibt, dass ich mir meine zukünftige Karriere als was auch immer ruinieren könne, wenn rauskäme, dass ich mal als Nutte tätig war, dass ich sie wirklich enttäuschen würde, wenn ich diesen Plan so durchziehen würde, wie ich ihn ihr geschildert hatte und dass bevor ich mich wirklich prostituieren müsse, sie einfach mehr arbeiten und finanziell für mich aufkommen würde.

Sie hat also gleich alle Klischees und Vorurteile rausgehauen, die selbst ich, die nun tatsächlich nie als Sexarbeiterin tätig war, nicht mehr hören kann. Zum Schweigen gebracht habe ich meine Mutter erst, als ich vorschlug, es dann stattdessen mit dem Verkauf von Drogen zu versuchen. Von der Idee war sie übrigens ähnlich angetan wie von meinem Plan, Prostituierte zu werden. Nämlich gar nicht.

Keine Ahnung, wieso eigentlich so viele Menschen, die nicht direkt davon betroffen sind, so ein großes Problem mit Sexarbeit haben. Zumindest, wenn man sie damit konfrontiert. Zuhause, vor dem Computer, also da, wo einen niemand sehen kann, ziehen sie sich ja auch gerne die Sexfilmchen rein, für die sie die Menschen, die dafür sorgen, dass sie exakt das tun können – also Pornos gucken und dazu wichsen – im Alltag aufs Allerschärfte verurteilen.

Das Problem scheint aber immer dann am größten zu sein, wenn die eigene Tochter oder der eigene Sohn beruflich in die Sexarbeit gehen möchte. Andere dürfen das ja machen, aber nicht mein Kind. Mein Kind hat etwas Besseres verdient als das. Falsch. Dein Kind hat in erster Linie verdient, sein Leben nach seinen eigenen Bestimmungen zu leben.

Und wenn es gerne für Geld Schwänze lutschen oder sich in den Arsch ficken lassen will, dann ist es sein gutes Recht, genau das zu tun. Mit Kameras drum herum. Ohne Kameras. Mit zwanzig verschiedenen Menschen an einem Tag oder alleine mit dem Vibrator vor der Webcam. Wenn du dein Kind liebst, dann unterstützt du es. Ganz egal, ob es Busfahrer, Wirtschaftsunternehmerin oder Sexarbeiter werden will.

Natürlich gibt es noch die andere Seite. Also die, die vor allem das Prostitutionsgewerbe an sich toll findet, weil da ja arme, verzweifelte Kerle, die sonst niemanden abgeben, sich sexuell befriedigen lassen können, aber selbst das Angebot natürlich niemals in Anspruch nehmen würden, weil sie es ja gar nicht nötig haben, zu einer Nutte zu gehen. Entschuldigung, aber habt ihr vielleicht mal darüber nachgedacht, dass Menschen Prostitution nicht in Anspruch nehmen, weil sie sonst nichts zu ficken finden, sondern weil sie es toll finden?

Es gibt Menschen, die sich daran aufgeilen, andere für Sex zu bezahlen. Ob das jetzt ethisch korrekt ist oder nicht, darüber lässt sich natürlich wieder streiten, aber es gibt eben viele verschiedene Gründe, warum insbesondere Männer sich gerne von Huren verwöhnen lassen. Menschen, die Prostitution in Anspruch nehmen, sind keine Schlappschwänze, auch wenn ihr sie gerne als solche abstempelt. Im Gegenteil. Sie gehen ja dort hin, um mal wieder ordentlich zu ficken und ihren prächtigen Schniedel in eine feuchte und willige Muschi zu stecken.

Wenn du Pornokonsument bist, dann hinterfrage doch an dieser Stelle kurz, warum du solche Filme schaust. Weil es geil ist, oder? Weil es deine Fantasie anregt und befriedigt. Es ist exakt das Gleiche, was Prostituierte auch tun, nur dass im Falle von Pornos du derjenige bist, der Hand an sich legt und es im Fall der „käuflichen Lust“ eben eine Nutte ist, die das für dich übernimmt. Scheiß Doppelmoral, echt jetzt.

Ich wünsche mir für alle Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter und die Menschen, die Sexarbeit in Anspruch nehmen – egal ob das jetzt durch Pornos, Bordellbesuche oder andere sexuelle Dinge, die man so kaufen kann, sind – dass das alles nicht mehr so abwertend betrachtet wird, wo es doch schon seit Jahrhunderten ein fester und auch wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft ist.

Und ich wünsche mir mehr Pornos für Frauen. Sowohl homo-, als auch heterosexuelle. Unsere Vorlieben werden nämlich tatsächlich allgemein noch viel zu wenig bedient. Außerdem wünsche ich mir ein Bordell für Frauen. Sowas scheint es nämlich auch noch nicht zu geben. Ich würde ja tatsächlich eines eröffnen, aber ich bezweifle, dass meine Mutter mir das nötige Startkapital für ein solches Unternehmen leiht.

Nadine Kroll: Stellungswechsel
Strellson

Abonniert unseren Newsletter!

Drückt hier, um weitere wahnsinnige Neuigkeiten über Sex zu lesen und drückt hier, um eigene Artikel und Fotos einzureichen. Oder folgt uns auf Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr und Pinterest, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Mister Spex

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu:

112 Kommentare

Tally Weijl