Bibi, Beauty und Baum - Celepedia, das Magazin für bildungsferne Hauptschulabbrecher, macht dicht

Erinnert ihr euch noch an diese ganzen pseudorelevanten, aber voll hippen, Onlinemagazine für Jugendliche, die vor ein oder zwei Jahren plötzlich von allen in Panik geratenen alteingesessenen Verlagen auf den…
Bibi, Beauty und Baum

Celepedia, das Magazin für bildungsferne Hauptschulabbrecher, macht dicht

Erinnert ihr euch noch an diese ganzen pseudorelevanten, aber voll hippen, Onlinemagazine für Jugendliche, die vor ein oder zwei Jahren plötzlich von allen in Panik geratenen alteingesessenen Verlagen auf den Markt geworfen worden waren, um irgendwie einen Teil der vermeintlichen Zukunft abzugreifen? Bento, ze.tt und wie auch immer das Angebot vom Handelsblatt hieß? Und jawohl, ihr habt es wahrscheinlich bereits geahnt: Die Teile verschwinden so schnell wie sie aufgetaucht waren.

Den Anfang davon macht Celepedia, das Magazin für bildungsferne Hauptschulabbrecher, hauptsächlich bestehend aus “BibisBeautyPalace”-Fans, Sarah-Lombardi-Geilfindern und “Berlin – Tag & Nacht”-Zuschauern. Was da so ging? Hier eine Auswahl der aktuellen Überschriften: “Das sagt Dagi Bee über Lisa und Lena!” “Hat dieses Mädchen nur vier Finger?” “Ist BTN-Peggy schwanger von Theo?” “Darum leben Facebook-User länger!” “Das sagen Fans über Bibis Bilou-Sorte Chocolate Cupcake!” “Liont und Katrin haben einen neuen Hund!” Und: “So mega nice sind Color Blocking Nails!”

Genau, im Grunde war Celepedia etwas für Menschen, die sich sogar vom Internetauftritt der BRAVO intellektuell herausgefordert fühlen. Es ging um Frisuren von YouTube-Stars. Von Fingernägeln von YouTube-Stars. Von Liebeleien zwischen… YouTube-Stars. Und um Praktikanten, die nach dem Ende der Seite panische Anfälle vor Photoshop haben werden, weil sie das Bildbearbeitungsprogramm nur noch mit übergroßen Emoji auf den zugekleisterten Gesichtern seelenloser Geldeintreibern verbinden.

Dabei hatte Chefredakteurin Bettina Lüke doch wirklich alles gegeben: “Wir berichten täglich über die Lebenswelt der Jugendlichen und lernen immer wieder Neues über das Nutzerverhalten unserer Zielgruppe. Vor diesem Hintergrund haben wir bereits im August 2015 Jugendliche online befragt, um generell zu erfahren, was für Teenager wichtig ist.Überrascht hat uns insbesondere die Erkenntnis, dass Jugendliche heute ihr Leben konservativer bestreiten als wir vermutet hatten.”

Und warum ist jetzt, nach zwei Jahren, trotzdem so überraschend Schluss? Trotz Millionen von Aufrufen spülte die Seite kein Geld in die Kassen. “Scheitern gehört zum Risiko jedes Startups,” schreibt Alexander Becker von Meedia. “Das gilt auch für Verlagsprojekte, auch von Springer und auch, wenn sie sich an die vermeintlich so digital aufgeschlossene Gruppe der 12- bis 24-Jährigen richtet. Wie das Medienhaus am Montagabend mitgeteilt hat, stellen die Berliner Ende des Jahres ihr Online-Magazins Celepedia ein, das erst vor zwei Jahren mit vielen Vorschusslorbeeren gestartet war.”

Und weiter: “Laut Verlagsmitteilung sah der Medienkonzern „leider keine überzeugende wirtschaftliche Perspektive“ mehr für die 2014 gelaunchte Plattform. Zum Start versuchte sich Celepedia noch als frisches Angebot für Promi-News. Später folgte eine Umpositionierung als digitales Jugendmagazin speziell für eine weibliche Zielgruppe zwischen 12 und 24 Jahren. Dabei setzen die Berliner vor allem auf die steigende Mobil-Nutzungen. Ein Konzept, das offenbar nicht aufging.”

Das kommt also dabei heraus, wenn Berliner Endzwanziger versuchen die Welt der 12-Jährigen zu verstehen, um damit ein Startup zu gründen und mal so richtig Kohle zu machen. Eine überbunte Bilderorgie aus dem Leben gefakter Schminkutensilienverkäufern und RTL2-Angestellten, mit Inhalten, die selbst den mental belastendsten Snapchatnutzer vor Wut und Schmerz aufschreien lassen würden.

“Das Team von Celepedia hat uns seit dem Start mit seiner Kreativität und seiner Leidenschaft beeindruckt,” schreibt Andreas Wiele, Vorstand Vermarktungs- und Rubrikenangebote, Axel Springer SE, in der dazugehörigen Pressemitteilung. “Es gehört zum Gründerspirit, den richtigen Moment zu erkennen, eine Idee nicht weiterzuverfolgen. Wir danken allen und freuen uns auf neue Ideen und Projekte.”

Celepedia macht vor, was andere besser nicht nachmachen sollten: Ihre Zielgruppe für zu dumm zu halten. Davon auszugehen, dass der Großteil junger Menschen auf digitalen Dünnpfiff steht. Und dass fünfminütige Schminktutorials und Lebenstipps von Leuten, denen die Birne dahin fault, die einzig wahre Zukunft einer ganzen Menschheitsgeneration sind, nur weil auf Betriebsmeetings im Verlagshaus plötzlich jeder Redakteur bei den Worten “YouTube”, “Snapchat” und “Musical.ly” anfängt zu weinen.

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