Inzest ist die neue Homosexualität - Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn Geschwister miteinander schlafen?

„Sag mal, würdest du eigentlich mit deiner Schwester ficken?“ Die Frage rutscht mir so raus, als ich mit meinem Kumpel Max vor dem Fernseher sitze und wir eine Folge irgendeiner…
Inzest ist die neue Homosexualität

Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn Geschwister miteinander schlafen?

„Sag mal, würdest du eigentlich mit deiner Schwester ficken?“ Die Frage rutscht mir so raus, als ich mit meinem Kumpel Max vor dem Fernseher sitze und wir eine Folge irgendeiner dämlichen Serie schauen, die das Thema Inzest behandelt. „Bäh, nee, das ist absolut eklig!“, entgegnet er sofort und schenkt sich noch mal Wein nach. „Aber wieso denn nicht?“, hake ich nach. „Deine Schwester ist ein super attraktives Mädchen!“ – „Mag sein“, antwortet Max, „aber sie ist eben auch meine Schwester.“

„Gut“, sage ich. „Aber jetzt stell dir doch mal vor, sie wäre eine Fremde. Ein Mädchen, das du nicht kennst und dem du zufällig auf der Straße begegnest.“ „Nicht, solange sie meine Schwester ist.“ „Aber du weißt ja in dem Moment nicht, dass sie deine Schwester ist. Wie in Star Wars! Und stell dir mal einen ganz kurzen Moment vor, sie wäre nicht deine Schwester. Würdest du dann?“ „Vermutlich schon“, antwortet Max. „Also wenn sie wirklich nicht meine Schwester wäre, sondern eine wildfremde Frau, mit der ich nicht über irgendwelche Ecken und Kanten verwandt bin.“ „Aha“, sage ich, lehne mich zurück und lasse mich weiter von der Serie im Fernsehen berieseln.

Das Thema Inzest beschäftigt mich, seit ich zum ersten Mal darauf gestoßen bin, als ich im Kleiderschrank meines Vaters ein vergilbtes Pornoheftchen fand, in dem es zwei Brüder mit ihrer angeblichen Schwester trieben. Ich war zugleich angeekelt, schockiert und interessiert. Natürlich habe ich mich in dem Moment gefragt, ob mein Vater es gerne auch mal mit mir treiben würde.

In diesem Moment war für mich völlig logisch, dass mein Vater irgendein abartiger Perverser war, der sich irgendwann an mir vergreifen würde. Hat er selbstverständlich nicht. Und heute, viele, viele Jahre später, ist mir klar, dass diese Vorverurteilung, die ich gegenüber ihm getroffen habe, etwas ist, das mir anerzogen wurde. Kein Inzestporno dieser Welt macht einen stinknormalen Familienvater zu einem Pädophilen. Noch nicht einmal zu einem Pädosexuellen. Sondern lediglich zu einem Menschen, den ein gesellschaftliches Tabu in seinen Fantasien reizt.

Meine Reaktion war in diesem Moment dennoch ganz natürlich – zumindest, wenn man nach Freud geht. Während es für kleine Kinder ganz normal ist, mit ihren Eltern zu schmusen und sie zu küssen, lösen sie sich in einer bestimmten Phase davon. Im Normalfall durch das Zutun der Eltern, die zum Beispiel Dinge sagen wie: “Du kannst deinen Papa nicht heiraten, der gehört schon zu mir!”

Dadurch wird irgendwann klar: Familie ist tabu. Du musst sie anders lieben, als du deine zukünftigen Partner liebst. Für gewöhnlich ist familiär einiges schief gelaufen, wenn zwei Geschwister, die miteinander aufgewachsen sind, sich sexuell zueinander hingezogen fühlen. Sagen zumindest Psychologen. Ein anderer Fall liegt vor, wenn die Geschwister sich nicht von klein auf kennen und dann eine sexuelle Beziehung miteinander beginnen. Das ist zwar gesetzlich immer noch verboten, wird allerdings psychologisch noch mal ganz anders behandelt. Ich verweise an dieser Stelle gerne noch einmal auf das wohl bekannteste Inzestpärchen Luke und Leia.

Inzestpornografie macht insbesondere in Deutschland einen sehr großen Teil des Marktes aus. Und ich glaube, das liegt nicht daran, dass jeder dritte Mensch sich vorstellt, es mit Schwester, Bruder, Mutter oder Vater zu treiben, sondern weil es sich um ein gesellschaftliches Tabu handelt – und die sind für gewöhnlich geil. Zumindest in der Fantasie und wenn man sich nicht zwangsläufig ein eigenes Familienmitglied dabei vorstellt, sondern beispielsweise das hübsche Zwillingspärchen von nebenan.

Es gibt sie allerdings, die Menschen, die sich in einen nahen Verwandten verlieben und eine sexuelle Beziehung anstreben. Und wenn wir mal kurz das außen vor lassen, was Freud dazu gesagt hat: Was ist daran bitte verwerflich, sofern diese Zuneigung auf Gegenseitigkeit beruht und beide Personen volljährig sind? Es ist eine Barriere, die in unseren Köpfen ist und die Psychologie, die dahintersteckt, ist in meinen Augen längst überholt.

Man bedenke nur mal, dass vor nicht allzu vielen Jahren Homosexualität noch bestraft und mit irgendwelchen psychischen Störungen begründet wurde und auch wenn es mittlerweile glücklicherweise gesetzlich erlaubt ist, gleichgeschlechtliche Partnerschaften einzugehen, so ist dieses Denken dennoch nicht aus den Köpfen vieler nicht-homosexueller Menschen geblieben. Vielleicht sind die Geschwister, die zusammen sein möchten, gar nicht psychisch krank, sondern werden nur von der Gesellschaft dazu deklariert, und leiden so extrem darunter, weil ein Gesetz es ihnen verbietet, ganz normal zusammen zu sein.

Ich persönlich halte das Inzestverbot für überflüssig, zumal es stark gegen die sexuelle Selbstbestimmung spricht. Erwachsene Menschen sollten tun und lassen dürfen, was sie wollen – ganz egal, ob sie in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zueinander stehen oder nicht. Das Argument, dass potentieller Nachwuchs “erbkrank” sein könne, zählt für mich auch nicht. Ich empfinde es sogar als überaus diskriminierend, weil es Menschen mit Behinderung, die aus nicht-inzestuösen sexuellen Verhältnissen stammen, abwertet oder schlimmer noch: für unsere Gesellschaft irgendwie untragbar macht.

Zumal es genau dieses Gesetz ist, das Menschen zwingt, ihre Identität zu wechseln oder im verborgenen ihren Sehnsüchten nachzugehen. Kein Verbot dieser Welt ist so stark wie die Liebe zwischen zwei Menschen und dabei ist es völlig egal, ob es sich um ein Geschwisterpärchen handelt oder um zwei Personen, die aufgrund ihrer Religion oder was auch immer nicht legal zusammen sein dürfen. Jedes Gesetz, das den Menschen nicht mehr Freiheit schenkt, sondern ihnen ihre Freiheiten raubt, ist beschissen. Und ihr wisst es.

Man muss ja nicht alles gut finden, was andere Menschen so machen. Aber man kann zumindest akzeptieren, dass es das gibt, und zwar häufiger als man denkt, und das Ganze auch mal entkriminalisieren. Wir reden hier ja nicht von Menschen, die Massenschlachtungen an anderen Menschen vornehmen, sondern von solchen, die sich lieben und den Risiken, die diese Liebe vielleicht mit sich bringt, vollkommen bewusst sind.

Niemand gehört für Liebe bestraft. Im Gegenteil: Die Menschen, die aufrichtig lieben, sich über Grenzen hinwegsetzen und sich ihre Freiheiten nehmen, weil sie es verdient haben, frei zu sein, zu lieben und zu ficken, wen sie lieben und ficken wollen, gehören ausdrücklich belohnt. Mit Freiheit vor der Gesellschaft und vor dem Gesetz. Im Gegensatz denen, die Freiheiten beschränken. Und das ist in den meisten Fällen der Staat und keine Einzelperson, die sich aus mehr oder wenigen guten Gründen über die ihm auferlegten Verbote hinwegsetzt.

Nadine Kroll: Stellungswechsel

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