Der ertrunkene Junge - Wenn der Tod des kleinen Aylan umsonst gewesen ist, dann haben wir verloren

Die Fotos des kleinen, ertrunkenen Flüchtlings Aylan Kurdi gehen gerade um die Welt. Sie schockieren, sie machen traurig, sie rütteln auf. Und sie sollten eigentlich ein jähes Ende der lang…
Der ertrunkene Junge

Wenn der Tod des kleinen Aylan umsonst gewesen ist, dann haben wir verloren

Die Fotos des kleinen, ertrunkenen Flüchtlings Aylan Kurdi gehen gerade um die Welt. Sie schockieren, sie machen traurig, sie rütteln auf. Und sie sollten eigentlich ein jähes Ende der lang anhaltenden Flüchtlingsdebatte bedeuten. Denn es gibt nichts darüber zu diskutieren, ob diesen Menschen geholfen werden sollte. Und zwar jetzt und hier und anderswo. Egal wie.

Stattdessen wird darüber gestritten, ob die Bilder eines toten Jungen zur Fühl-dich-gut-Sucht der Deutschen passen, ob sie unzensiert gezeigt werden dürfen, ob die Welt unbedingt sehen muss, wie sehr Menschen leiden, was ihnen passiert, wenn man ihnen nicht hilft. Die Antwort ist klar: Schaut hin, schämt euch, weint – und dann ändert etwas! Denn wenn so etwas geschieht, dann darf es nie wieder geschehen.

Doch genau das geschieht, immer und immer wieder. Vor den Grenzen Europas. Vor den Grenzen unseres Landes. Und sogar hier, in Deutschland. Weil Menschen immer noch denken, dass die Flüchtlinge Schmarotzer wären, dass sie ihnen die Arbeit und die Wohnungen und die Frauen wegnehmen wollen, dass sie gekommen wären, um ihnen das Leben schwer zu machen.

Die Wahrheit ist: Diese Leute wollen ihre Kinder nicht durch eine aufopfernde Reise in Gefahr bringen. Diese Leute wollen nur ein sicheres Leben. Und gäbe es den Krieg nicht, dann wären sie dort glücklich und sicher, wo sie geboren sind. Niemand setzt seine Kinder auf ein unsicheres Boot und schickt sie übers Meer, wenn es nicht die einzige Möglichkeit wäre.

Wenn der Tod des kleinen Aylan umsonst gewesen ist, dann haben wir verloren. Dann haben wir unsere Menschlichkeit verspielt, unsere Ehre, unseren Luxus – oder was auch immer ihr sonst noch wahren wollt. Wenn der letzte Flüchtling ersoffen ist, verbrannt wurde oder weinend in den Armen seiner toten Familie untergeht, dann könnt ihr euch endlich wieder fett und mit einem kühlen Blonden in der Hand in den Sessel eurer gut geheizten Hartz-IV-Wohnung kuscheln und den ganzen Tag RTL gucken, ohne, dass euch auch nur irgendwer dabei stört. Ihr fühlt euch dann als Gewinner, aber, glaubt mir, ihr werdet als Verlierer in die Geschichte eingehen. Für immer.

Drowned Syrian Boy Symbolizes Refugee Crisis Sweeping Europe

"Humanity washed ashore" – #KiyiyaVuranInsanlik – went viral after a drowned Syrian toddler's photo became a symbol of the refugee crisis sweeping Europe.

Posted by AJ+ on Mittwoch, 2. September 2015

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