Feminismus in der Hölle - Die Welt von ‘Mad Max: Fury Road’ gehört ganz allein den starken Frauen

Wasser ist in dieser apokalyptischen Einöde längst zur Mangelware geworden. Überall nur Sand und Fels und der weite, tote Himmel, dessen Sterne und Satelliten in der Nacht das Einzige sind,…
Feminismus in der Hölle

Die Welt von ‘Mad Max: Fury Road’ gehört ganz allein den starken Frauen

Wasser ist in dieser apokalyptischen Einöde längst zur Mangelware geworden. Überall nur Sand und Fels und der weite, tote Himmel, dessen Sterne und Satelliten in der Nacht das Einzige sind, was noch funkelt und den verbliebenen Menschen ein schwer zu beschreibendes Gefühl aus Hoffnung und Hilflosigkeit gibt. Was einst die stolzen Vereinigten Staaten von Amerika waren, ist heute lediglich eine gigantische Wüste.

“Mad Max: Fury Road” gibt sich keine Verschnaufpausen. Es beginnt schnell und hart, es fließt schnell und hart, es endet schnell und hart. Nichts in dieser neuen Welt, in der sich die Bewohner an die blasse Nostalgie nie gekannter vergangener Tage klammern, lädt zur Rast ein, ständig pocht das Herz, ständig bebt die Erde, ständig ertönen aus der Ferne Trommeln und eine die Luft zerschneidende E-Gitarre.

Doch nicht nur die Letzten versuchen verzweifelt, irgendwie mit dem Leben davonzukommen. Zwischen den tödlichen Maschinen auf vier Rädern, zwischen den Kannibalen, zwischen den gnadenlosen Kriegsherren, die das Wasser, und damit die Macht, an sich gerissen haben. Auch der Zuschauer ringt zwei Stunden lang mit dem Atem, die Pausen sind nicht mehr als ein kurzes Räuspern, bevor es hastig weiter geht.

Mad Max - Fury Road

[pullquote]Der wahre Ruhm gehört in diesem Teil des durch Mel Gibson geebneten Epos ganz allein den Frauen, allen voran Charlize Theron, Zoë Kravitz, Rosie Huntington-Whiteley, Riley Keough, Abbey Lee Kershaw und Courtney Eaton.[/pullquote]

Der Film erklärt nichts. Weder die Figuren noch die Welt, in der sie agieren müssen. Man ist nicht nur damit beschäftigt, mit der Geschwindigkeit des großen Tankers und seiner zahlreichen Verfolger mitzuhalten, gedanklich muss man die Puzzleteile aus Tradition, Charakteren und Vergangenheit zusammensetzen, während einem der Bass und die nie enden wollenden Solos den Kinosessel unter dem Hintern wegziehen.

Sowieso ist “Mad Max: Fury Road” ein Film, der auf der großen Leinwand genossen werden muss. Nicht nur, weil die ewig langen Actionsequenzen auf einem kleinen Bildschirm keinen Sinn machen, sondern weil die technisch überwältigende Dauerbeschallung auch über eine eher dürftige Story hinweg täuscht, deren großes Ganzes sich einem bereits entzieht, während man noch aus dem Saal stolpert.

Tom Hardy spielt die Rolle eines hoffnungslosen, aber dennoch sympathischen Flüchtenden ausgezeichnet und auch der aus “Skins” bekannte Nicholas Hoult weiß als fanatischer Warboy zu überzeugen, doch der wahre Ruhm gehört in diesem Teil des durch Mel Gibson geebneten Epos ganz allein den Frauen, allen voran Charlize Theron, Zoë Kravitz, Rosie Huntington-Whiteley, Riley Keough, Abbey Lee Kershaw und Courtney Eaton.

Mad Max - Fury Road

Schön und stark zugleich bestimmen Frauen das Bild des gesamten Films. Sie erwecken die tote Wüste zum Leben und sind nicht weniger mutig oder verlässlich als ihre männlichen Kollegen. Man kann sich nur schwer ausmalen, welche Qualen ihnen die Skelette und Geister eines einst so blühenden Staates angetan haben, doch sie sind ungebrochen. Die letzte Hoffnung auf Fruchtbarkeit liegt ganz bei ihnen.

“Mad Max: Fury Road” nimmt sich uns seine Welt ernst – und das ist eine willkommene Abwechslung zu all den selbstironischen Blockbustern der letzten Zeit. Der Kampf ums Überleben ist in jeder Sekunde des Films zu spüren, auch wenn das FSK-16-Siegel behutsam über den Bildern wacht. Entblößte Körper oder explizite Gewaltdarstellung sucht man vergebens,obwohl die rohe Welt dafür wie geschaffen erscheint.

So wird “Mad Max: Fury Road” als gelungener Nachfolger in die Geschichte eingehen, als bedrohlicher und gefährlicher Roadmovie, der aber trotz lauter Explosionen, blutiger Gewalt und schneller Tode niemals zu hart wird. Die Action steht im Vordergrund, das weiß auch Regisseur George Miller, der in den Nachfolgern hoffentlich noch mehr Facetten, Bewohner und Geschichten dieser scheinbar toten Welt aufzeigt, anstatt sich zu sehr auf gruselig gestaltete Autos, schnelle Schnitte und laute Gitarren zu konzentrieren. Wünschenswert wäre es.

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