Privilegien als Selbstschutz - Dass du scheiße bist, liegt weder an deinem Geschlecht noch an deiner Hautfarbe

Eigentlich wollte ich gestern Abend gemütlich gebratenen Fisch essen, japanisches Bier trinken und einen bescheuerten Bauernhof-Anime auf meinem Laptop gucken. Stattdessen durfte ich mich stundenlang mit Menschen auf Twitter herumschlagen.…
Privilegien als Selbstschutz

Dass du scheiße bist, liegt weder an deinem Geschlecht noch an deiner Hautfarbe

Eigentlich wollte ich gestern Abend gemütlich gebratenen Fisch essen, japanisches Bier trinken und einen bescheuerten Bauernhof-Anime auf meinem Laptop gucken. Stattdessen durfte ich mich stundenlang mit Menschen auf Twitter herumschlagen. Die wollten mich nämlich davon überzeugen, dass all ihre kleinen und großen Probleme nur zwei Gründe haben: Geschlecht und Hautfarbe. Nicht mehr und nicht weniger.

Warum ich in ein Wespennest aus wütenden Internetnutzer_innen gestochen habe? Weil eine selbsternannte Aktivistin namens Malaika Bunzenthal seit einigen Wochen vermehrt versucht, eine unserer Autorinnen zu denunzieren. Was heißt versucht, es scheint ihre neue Lebensaufgabe zu sein. Die gesamte Geschichte könnt ihr bei Deus ex Machina von Don Alphonso nachlesen. Die Kurzstory ist allerdings so langweilig wie Kindergarten.

Malaika hat im November des vergangenen Jahres den Hashtag #NotJustSad erfunden, mit dessen Hilfe Betroffene über ihre Depressionen schreiben, und kann sich jetzt nicht damit abfinden, dass die Medien, wie die Süddeutsche Zeitung, das ZDF oder SPIEGEL ONLINE, unsere Autorin Jana Seelig zum Gesicht der Aktion gemacht haben.

Den Grund darin sucht Malaika nicht etwa in der Tatsache, dass sie von sich aus die Öffentlichkeit scheute, sondern die Medien haben sie bewusst übergangen, weil, und jetzt kommt’s, sie eine dunklere Hautfarbe hat. Systematischen Rassismus nennen das ihre falschen Freunde, ein weißes Gesicht habe sich einfach besser in der Kamera gemacht.

Und das machte mich wütend. Allein dieses Argument, das eigentlich gar keines ist, machte mich wütend. Denn es ist ziemlich einfach, sein Scheitern immer und immer wieder auf seine Hautfarbe oder womöglich auch sein Geschlecht zu beziehen. Die ganze Welt ist eh gegen mich, wie soll ich gegen diese systematische Maschinerie aus Rassismus und Sexismus nur ankommen, keine Chance.

Ja, Männer haben es in unserer Gesellschaft leichter als Frauen. Ja, weiße Menschen haben es in unserer Gesellschaft leichter als Menschen mit einer anderen Hautfarbe. Ja, weiße Männer haben es in unserer Gesellschaft leichter als schwarze Frauen. Und ja, dieses Problem muss so schnell wie möglich gelöst werden.

Doch deswegen all sein Misslingen auf das vermeintlich falsche Geschlecht oder die womöglich zu dunkle Hautfarbe zu schieben, und sich diese Ideologie auch noch, rund um die Uhr, durch einen Schwarm aus relevanzhungrigen Jasagern bestätigen zu lassen, ist ein Trugschluss, der niemandem etwas bringt.

Ich bin weiß. Und ich habe einen Penis. Das macht mich in der Welt derjenigen, die für alles eine Entschuldigung suchen, zu einem Gott, dem alles problemlos gelingen dürfte. Doch was diese Menschen als eine Art heilige Rangfolge sehen, ist im Grunde ein kompliziertes Geflecht aus Selbstzweifeln auf der einen und Egoismus auf der anderen Seite.

Denn selbst mit einem weißen Schwanz habe ich genügend Ausreden parat, um alles, was mir nicht gelingt, zu erklären. Vielleicht bin ich für dieses Mädchen zu fett. Oder für diese Sportart zu dünn. Oder für diesen Beruf zu klein. Oder für diesen Wettbewerb zu groß. Oder für dieses Foto zu hässlich. Oder für diesen Posten zu hübsch.

Es ist immer leichter, alles, was einem auch nur irgendwie passiert, auf äußere Umstände zu schieben, anstatt sich an seine eigene Nase zu fassen und sich bewusst zu werden, dass man es womöglich einfach nicht drauf hat. Denn um sich das einzugestehen, müsste man ja plötzlich ehrlich zu sich selbst sein. Und das ist schwierig.

Du denkst, du wurdest zu diesem Vorstellungsgespräch nicht eingeladen, weil du eine Frau bist? Nein, du hast einfach nur beschissene Noten. Du denkst, du wurdest von diesem Mädchen abserviert, weil du gelb bist? Nein, du hast einfach nur Mundgeruch. Du denkst, du wurdest auf die Ersatzbank verbannt, weil du lesbisch bist? Nein, du stolperst einfach nur ständig über deine eigenen Beine.

Ja, es gibt sowohl rassistische als auch sexistische Übergriffe. Und das viel zu oft. Das ist ein Fakt, der besser nicht existieren dürfte. Aber er ist da, und er erinnert uns daran, dass auf dieser Welt immer noch einiges schief läuft. Und nur wir können das ändern. Indem wir nicht schweigen, sondern machen.

Eigentlich wollte ich gestern Abend gemütlich gebratenen Fisch essen, japanisches Bier trinken und einen bescheuerten Bauernhof-Anime auf meinem Laptop gucken. Aber jetzt sitze ich hier. Und ich schreibe über Malaika. Und ich bin mir sicher, dass Großes in ihr steckt. Und dass sie einiges verändern kann, wenn sie ihre Energie richtig einsetzt.

Besonders weil man nicht vergessen darf, dass es hier immer noch lediglich um einen dämlichen Hashtag geht und nicht etwa um die Heilformel gegen Krebs. Dafür, dass #NotJustSad nämlich nicht personalisiert werden soll, investiert Malaika ganz schön viel Energie dafür, andere davon zu überzeugen, dass sie ihn erfunden hat.

Aber die Diskussion auf Twitter hat mir gezeigt, dass die Verfechter der Theorie, alles Negative wäre eine Konsequenz aus eben dieser systematischen rassistischen und sexistischen Maschinerie, meine Meinung ignorieren oder gar verhöhnen, weil ich weiß bin und einen Penis habe. „Du checkst es halt nicht. Du bist weiß und hast nicht zu definieren, was Rassismus ist. Fertig!“, schreibt zum Beispiel Pöbelrauschen. Und weiter: „Du bist weiß! Eine Kartoffel!“

Anstatt mit mir eine Diskussion zu führen, die womöglich wirklich etwas bringen würde, werde ich aufgrund meines Geschlechts und meiner Hautfarbe gemieden. Diejenigen, die mich, und die Welt obendrauf, also des Rassismus und Sexismus beschuldigen, schließen mich aus. Weil ich männlich und weiß bin. So viel dazu.

„Sie erklären einer WoC-Aktivistin als weißer Typ, wie sie besser mit White Supremacy Scheiße umgehen soll. Merken Sie was?“, schreibt Rogue Glambot. Das ist einerseits ein unglaublich berechtigter, andererseits aber ein ziemlich kurzsichtiger Einwand. Denn logische Schlussfolgerungen haben nichts mit dem äußeren Erscheinungsbild zu tun.

„Echt traurig, wie du mit deinen Privilegien umgehst!“, schreibt Rudi Riot. Privilegien. Das Wort habe ich gestern Abend öfter gehört. Es soll mir suggerieren, dass ich gefälligst meinen Mund halten soll, weil ich sowieso keine Ahnung davon habe, was es heißt, ein Leben mit scheinbar unüberwindbaren Hindernissen zu führen.

Doch im Grunde ist es lediglich ein Begriff für den Umstand, dass sich Menschen hinter genau diesem verstecken wollen, um sich nicht einzugestehen, dass sie es womöglich einfach nicht drauf haben. Dass du im Leben nicht klar kommst, liegt nicht an deiner schwarzen Vagina, sondern vielleicht einfach nur daran, dass du scheiße bist.

Und falls sich jetzt irgendwelche Typen johlend an den Schwanz fassen, weil ich hier vermeintlich dunkelhäutige Frauen beleidige, dann könnt ihr eure sexistischen Kommentare gleich wieder runterschlucken und spazieren gehen. Denn das Gleiche gilt für euch. Und für alle. Und für mich auch. Besonders für mich.

Eigentlich wollte ich gestern Abend gemütlich gebratenen Fisch essen, japanisches Bier trinken und einen bescheuerten Bauernhof-Anime auf meinem Laptop gucken. Aber ich rege mich darüber auf, dass manche Menschen sich für so perfekt und gerecht und aufrichtig halten, dass sie dabei vollkommen den Schaden ihrer Prinzipien übersehen.

Wenn ich mir etwas vornehme und es nicht erreiche, dann habe ich augenblicklich tausend Ausreden parat, warum es nicht geklappt hat. Aber wirklich wachsen kann ich nur, wenn ich mir präzise heraussuche, warum ich gescheitert bin. Ich muss ehrlich zu mir selbst sein. Manchmal sind andere schuld. Oft bin ich es aber nur, ich ganz allein.

Wenn du dir deine kleinen und großen Chancen im Leben von deiner Furcht davor, alles zu geben, welchen Widrigkeiten auch immer zum Trotz, nehmen lässt und dich hinter deinem Geschlecht oder deiner Hautfarbe oder was auch sonst immer versteckst, dann bist du selbst schuld daran, dass du es niemals zu etwas bringen wirst. Nur du, ganz allein.

Foto: Merlin Bronques

NA-KD

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14 Kommentare

  • Mark

    Willkommen in der Welt des Feminismus, in der Argumente nicht zählen, vor allem nicht, wenn sie vernünftig sind! :-) Nimms locker, anders gehts nicht! – der Erfinder von #hashtagattack und #PippiLangstrumpfModus
    hahahahaahahahaha
    https://www.youtube.com/watch?v=MWUJvTyl-m4

  • Hoang

    Ugh, hab das ganze gestern auch auf Twitter mitgekriegt und genau dieses Selbstbildnis hindert den modernen Feminismus und der gleichberechtigung. Ich habe selber Migrationshintergrund und verstehe einfach nicht wie Paranoid manche Menschen mit rassismus umgehen. Wie gesagt, Leute wollen nicht kämpfen für sachen die sie tun und wenn sie auf Widerstand stoßen dann liegt es immer am System und nicht am eigenen Versagen, hab letztens nen Strafzettel gekriegt weil ich Ausländer bin, nicht weil ich scheiße parke jaja

  • Tim

    … wenn nicht, dann liegt es eben an der Titelgeilheit der westlichen Gesellschaft:

    “… in Deutschland (und es mag in anderen westlichen Ländern ähnlich sein) haben wir eine extreme Titelgeilheit. Ein akademischer Titel gilt als absolute, unantastbare, und meist auch einzige Kompetenzlegitimation. Ein Mensch mit Titel ist automatisch „Expert_in“, ein Mensch ohne automatisch nicht.”
    https://malifuror.blog-space.eu/betroffene-oder-expertin/

    Oder es ist die Herkunft aus einer Arbeiterfamilie, deren Kinder eh systematisch diskriminiert werden, weil nicht der richtige Stallgeruch oder nicht im Segelverein als Kind. Irgendwas ist immer.

  • Meine Güte, durch das Pochen auf die Hautfarbe, wollen diese Leute eben die Beziehung zu Dir oder anderen weißen, einseitig auf zu ihren Gunsten umgestalten, damit sie z.B. die Definitionsmacht über den Rassismusbegriff behalten können um Leute moralisch in Geiselhaft zu nehmen die nicht so spuren wie sie es gerne hätten.

    Das ist einerseits übergriffig und dummdreist und andererseits Autoritär und nicht-konsensual.
    Diese Filterblase ist einfach widerlich und bildet sich trotz dieses Verhaltens ein irgendwie ‘links’ zu sein.

  • John

    “Ja, Männer haben es in unserer Gesellschaft leichter als Frauen. ”
    WTF?! Wo bist du denn zur Schule gegangen – in Riad?
    Checkt mal Eure Privilegien!

  • Anka

    Ich finde es absolut widerlich wie du den Punkt der Diskussion völlig in den Dreck ziehst. Du und alle in den Kommentaren machen sich lächerlich über die ‘Netzfeministen’, anstatt darüber nachzudenken, ob sie nicht vielleicht recht haben mit vielen das sie sagen.
    Für euch ist klar, dass es dummes Geredes ist und dass das Gerede von Privilegien Unsinn ist.
    Da frage ich mich doch ganz ehrlich, ob euch die Fähigkeit zur Selbstreflexion fehlt. Es mag sein, dass manche sich nicht genug selbst hinterfragen, wenn sie scheitern, was du mit deinem Text tust, ist allerdings alle, die unter Sexismus oder Rassismus leiden unter den Bus zu werfen.
    Glückwunsch.
    Im übrigen wurde versucht dir zu erklären, worum es geht und du hast in einem fort mantraartig das selbe immer und immer wieder wiederholt. Verständlich, dass man dabei an seine Frustrationsgrenze stößt.
    Ich beglückwünsche dich zu deiner Ignoranz und dazu, dass ich zu einer steigenden Klickzahl deiner Seite beigetragen habe.

  • Maria

    Mein wesentlicher Eindruck ist, dass alle noch sehr sehr jung sind.

  • Arbeit anderer als seine eigene hinstellen kann dazu führen das man angefeindet wird. Da muss man mit klarkommen wenn man über 10 ist.

    Nebenbei: Die Kollegin (die scheiße gebaut hat) verteidigen weil sie es nicht selber kann, zeugt von leicht verzerrter Darstellung.

    just my 2 cents <3

  • esra

    Lieber Marcel, da gehören immer zwei dazu. Indem die Diskriminierten von „Privilegien“ reden, die du hast, akzeptieren sie genau diesen Umstand“¦ Erst wenn es von BEIDEN Seiten keine Trennung mehr gibt, kann das alles besser werden“¦
    lg
    Esra

    http://nachgesternistvormorgen.de/

  • OmgFuckboySTFU

    Shit, dieser Artikel trieft vor Selbstgefälligkeit. Schatzi, warum hast du, der du augenscheinlich journalistisch wenig bis gar nix drauf hast und sehr unreflektiert rüberkommst, nochmal dieses Magazin gegründet? OMG, weisst du was für mich Kindergarten ist? Dein Artikel, der eine sehr sympathische und einfühlsame Person diffarmiert ! Was für ein ableistischer, elitistischer, uneinsichtiger Kackscheiß! Ihr Superperformer nehmt euch nicht so wichtig.

  • Jana

    und du findest, du bist weiß? Erzähl uns doch mal von deinen Wurzeln. Wie kommst du darauf, dass Malaika sich versteckt? Genau das Gegenteil trift zu.

  • Hans

    Was genau ist eigentlich der Sinn deines Artikels (insofern man diese Aneinanderreihung von Buchstaben überhaupt als solchen bezeichnen kann)?
    Der einzige Sinn des Textes ist, dass du das Medium Amy&Pink dafür missbrauchst um Stimmung gegen eine Person, deren Meinung du nicht teilst, zu machen. Das ist ein widerwärtiger Versuch die Internet-Hasstrolle auf eine Person zu hetzen, um sie fertig zu machen.
    Wenn du ein Problem mit ihr hast, dann kläre das mit ihr selbst oder ignoriere sie.
    Letztendlich machst nur du selbst dich mit so einem Beitrag lächerlich.

  • “Dass du im Leben nicht klar kommst, liegt nicht an deiner schwarzen Vagina, sondern vielleicht einfach nur daran, dass du scheiße bist.”
    du bist einfach nur ein rassistisches arschloch das mit diesem artikel einer einzelperson ans bein pisst.

Guess