Liebeskummer am Strand - Wenn dir jemand dein Herz bricht, kannst du entweder heulen oder Australier vögeln

Trennungen sind meistens ziemlich beschissen, keine Frage. Totales Gefühlschaos, ein unangenehmes Serotonintief, Tränen, Drama, Wut, Einsamkeit – um nur ein paar der äußerst leidigen Emotionen zu nennen, die dich mit…
Liebeskummer am Strand

Wenn dir jemand dein Herz bricht, kannst du entweder heulen oder Australier vögeln

Trennungen sind meistens ziemlich beschissen, keine Frage. Totales Gefühlschaos, ein unangenehmes Serotonintief, Tränen, Drama, Wut, Einsamkeit – um nur ein paar der äußerst leidigen Emotionen zu nennen, die dich mit voller Wucht überwältigen und fertig machen können. So richtig scheiße fühlst du dich vor allem dann, wenn du überraschend aus deiner rosa Traumwelt herausgerissen wurdest, weil du absolut nicht damit gerechnet hast, dass der andere geht. Und weil du nicht willst, dass der andere geht. Ja, weil du nicht wahrhaben willst, dass der andere gegangen ist.

Die erste Zeit ist hart und es gibt Leute, die sich masochistisch in Erinnerungen stürzen, indem sie sich die gemeinsame Playlist rauf und runter anhören, dabei kiloweise Taschentücher voll heulen und sich tagelang in Selbstmitleid baden. Kann man machen, muss man aber nicht. Für mich zumindest hat sich eine andere Strategie bewährt: Den Koffer packen und irgendwo anders hinfahren.

Aber bitte nicht in ein romantisches Pärchen-Hotel, wo du frisch Verliebten den ganzen lieben langen Tag beim Rummachen zusehen kannst. Nein, fahr oder flieg an einen Ort, an dem was los ist! Am besten irgendwohin, wo es warm ist – ein bisschen Vitamin D für die eingeschlafene Serotoninproduktion. Barcelona, zum Beispiel, kann ich wirklich sehr empfehlen.

Na gut, zugegeben, damit hat sich der Trennungsschmerz nicht erledigt und ja, die erste Zeit wirst du trotz Entfernung viel an den anderen denken, aber hey, es wird weniger werden und du wirst erstaunt sein, wie viel seltener du dich in zermürbenden Gedankenschleifen verlierst.

Falls du nicht zu der Sorte Mensch gehören solltest, die sich schüchtern in eine dunkle Ecke verzieht, wirst du schnell neue Leute kennenlernen. Check in einem Hostel ein und geh mit den Australiern ein Bier trinken. Meiner Erfahrung nach gibt es in jedem Hostel ein paar Australier, die gerade eine Weltreise machen, viel zu erzählen haben und einen wunderbar mit ihrer freundlichen und offenen Art anstecken.

Du willst über die Trennung reden? Mach ruhig. Du wirst die Leute höchstwahrscheinlich nicht mehr wieder sehen, also kann es dir echt egal sein, was sie von dir halten. Somit ersparst du auch deinen guten Freunden zuhause das ewige Rumgeheule, welches sie sich am Anfang bestimmt noch gern antun, nach einer Zeit dann aber auch genug davon haben und irgendwann nicht mehr wissen werden, was sie noch sagen sollen außer: „Alles wird wieder gut“ und „Vergiss ihn/sie“ und „Du findest jemand anderen, der viel besser zu dir passt.“

Bei meiner letzten Trennung ging es mir so richtig scheiße. Mann fürs Leben, der wärs gewesen und ba bla bla und immer wieder die gleichen schmerzhaften Gedanken. Nach ein paar wirklich selbstdestruktiven Tagen erinnerte ich mich durch einen alten Tagebucheintrag an den letzten Liebeskummer und die Zeit danach in Rimini.

An das Hostel am Strand, in dem mich anfangs alle gut gelaunten Menschen fast an den Rand der Verzweiflung getrieben hätten und ich, mit gebrochenem Herzen, auf der Terrasse um 11 Uhr morgens einen starken Longdrink in mich rein kippte und mich ziemlich einsam und deplatziert fühlte. Bis Ryan aus Seattle freundlich fragte, ob er sich zu mir gesellen dürfte.

Und Ryan aus Seattle sah wirklich unverschämt gut aus. Und Ryan aus Seattle bestellte sich auch einen Longdrink, sah weiterhin unverschämt gut aus und vögelte mich noch am selben Tag dermaßen intensiv durch, als hätte er es sich zu seiner persönlichen Aufgabe gemacht, mich meinen Herzschmerz vergessen zu lassen.

Ryan aus Seattle musste am nächsten Tag wieder abreisen, aber das Gefühl der Leichtigkeit blieb mir und das darauf folgende Nacktbaden nachts im Meer mit Kanadiern und Schweden gehört zu meinen absoluten Highlights meiner Urlaubserfahrungen.

Nachdem ich also diesen Tagebucheintrag gelesen und so gar keine Lust mehr auf Herzschmerz hatte, buchte ich sofort einen Flug nach Barcelona. War gerade günstig und ich wollte da sowieso schon immer mal hin. Diesmal war es nicht Ryan aus Seattle, sondern Josh aus Australien, mit dem ich abends am Strand saß, mit Blick aufs Meer und einem Bier in der Hand. Kurze Zeit später hielt in der Nähe ein alter VW-Bus, eine Gruppe Franzosen aus Paris stiegen aus, alle völlig bekifft und gut drauf. Sie setzten sich zu uns dazu, teilten Wein und Gras mit uns, holten ihre Instrumente aus dem Bus und starteten ein privates Konzert.

Der Trennungsschmerz war plötzlich gar nicht mehr so schlimm, mein Blick auf die Beziehung ein ganz anderer. Eigentlich ganz gut, diese Trennung, sonst wäre ich nicht an diesem Strand gewesen. Ich hätte diese unglaublich netten Franzosen nicht kennengelernt, hätte niemals die Motivation gefunden, endlich mal Spanisch zu lernen. Und ich hätte auch den unendlich geilen Sex mit Josh nicht zu meinen Erfahrungen zählen können.

Plötzlich fielen mir ziemlich viele Dinge ein, die mich an meinem Ex lange gestört hatten. Plötzlich fielen mir auch ziemlich viele Dinge ein, die ich in meinem Leben noch machen wollte und auf die er nie Bock gehabt hatte. Zum Beispiel spontan nach Barcelona zu fliegen oder Spanisch zu lernen und ein paar Monate durch Südamerika zu reisen.

Plötzlich ging das Leben weiter und plötzlich war ich wieder ein ich und kein falsches wir mehr. Ich nahm mir fest vor, dieses Gefühl nie zu vergessen. Ich nahm mir fest vor, alles ganz genau aufzuschreiben, um mich auch nach der nächsten Trennung daran erinnern zu können, dass alles ganz schnell wieder gut werden kann.

Wieder zuhause. Mein Ex hatte angerufen, wegen seiner Sachen. „Kannst du gerne holen“, meinte ich gut gelaunt am Telefon. Braungebrannt und völlig entspannt saß ich ihm nun gegenüber und war in Gedanken bei Ryan, dem Nacktbaden im Meer, dem Sex am Strand, bei Josh, den Franzosen und bei Südamerika.

Foto: Merlin Bronques

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