Gleichberechtigung im Bett - Weil ich eine moderne Feministin bin, lasse ich mich gerne in den Arsch ficken

Machen wir es kurz: Ich liebe Arschficks. Für mich gehören sie zum Sex wie die Mayo zu den Pommes oder eine andere sinnentleerte Metapher, die man an diesen Stellen gerne…
Gleichberechtigung im Bett

Weil ich eine moderne Feministin bin, lasse ich mich gerne in den Arsch ficken

Machen wir es kurz: Ich liebe Arschficks. Für mich gehören sie zum Sex wie die Mayo zu den Pommes oder eine andere sinnentleerte Metapher, die man an diesen Stellen gerne benutzt, um seine Aussage irgendwie zu rechtfertigen. Nun will ich aber überhaupt nichts rechtfertigen. Ich liebe Arschficks einfach. Punkt.

Mich von einen paar Fingern oder einem Schwanz durch mein Hintertürchen penetrieren zu lassen, macht mich geil. So wie es euch eben geil macht, wenn sich zwei geile Ischen die Muschis lecken oder am Schlüpfer der Mutter des besten Freundes zu riechen. Nun ist es aber so, dass man das nicht einfach so sagen kann, ohne als billiges Flittchen abgestempelt zu werden. Klar, Kerle finden es ganz geil, wenn sie mit einer Frau machen können, was sie wollen.

Gerade Arschficks gelten als Königsdisziplin der Dominanz des Mannes. Nur, dass ich es eben geil finde, mich in eben jenen ficken zu lassen und damit eigentlich die Dominante bin. Ich mache nämlich durchaus gerne meinen Mund auf. Nicht nur, um einen Schwanz darin aufzunehmen, sondern vor allem auch, um meine eigenen sexuellen Wünsche zu äußern. Und dazu gehört neben Oral- eben auch Analsex.

Als das Thema kürzlich bei einem gemütlichen Sonntag Nachmittag mit Freundinnen auf den mit Bier und Schnittchen garnierten Küchentisch kam, reagierten die auf meine Aussage, dass ich Arschficks durchaus genieße und dabei sogar zu einem Orgasmus fähig bin, mit blankem Entsetzen.

Während es für einige überhaupt nicht in Frage kommt, weil sie es irgendwie eklig finden, haben es ein paar andere schon mal ausprobiert. Meistens, um ihren arschfixierten Freunden einen Gefallen zu tun, die dann wiederum ohne jegliche Vorbereitung und teilweise nur mit Spucke als Gleitmittel versuchten, ihre dicken Lümmel in den Arschlöchern meiner Freundinnen zu versenken.

Das tat denen dann natürlich so weh, dass das Experiment Analsex ganz schnell wieder auf Eis gelegt wurde. Egal, wie sehr die Herren der Schöpfung bettelten, es doch noch einmal mit Gleitgel und wenigstens ein bis zwei Finger zu versuchen. Eine Freundin schlug vor, zur Abwechslung mal ihrem Freund einen Finger in den Arsch zu schieben.

Der lehnte das allerdings ab, mit der Begründung, dass das ja schließlich schwul sei und mit Sicherheit auch nicht angenehm. Kein Wunder also, dass die Mädels keine Lust haben, sich dieser Praktik noch einmal mit den richtigen Mitteln anzunähern und unter „das kann überhaupt nicht geil“ sein komplett abstempeln.

Irgendwann driftete das Gespräch in Richtung Feminismus ab. Mit dem Ergebnis, dass meine Freundinnen Analsex für antifeministisch befanden. Schließlich würde man dem Mann alle Macht über sich erteilen, sich erniedrigen und benutzen lassen.

Eine Freundin warf in den Raum, dass Frauen sich ja sowieso nur in den Arsch ficken ließen, um ihren Freunden einen Gefallen zu tun. Das sei wie Blowjobs, die ja auch nur dazu dienten, dem Mann Lust zu bereiten, immer in der Hoffnung, dass er sich danach mit Cunnilingus revanchieren würde.

„Machen dir Blowjobs etwa keinen Spaß?“, fragte ich mit hochgezogener Augenbraue besagte Freundin. „Nee, ich mach das nur, weil er das will“, antwortete sie. „In dem Punkt unterscheiden wir uns wohl“, konterte ich. „Mir machen Blowjobs nämlich sehr wohl Spaß. Ich finde es geil, einem Typen einen zu blasen. Weil ich es liebe, die Macht über seine Geilheit zu haben.“

„Du weißt schon, dass der Typ Macht über dich hat, wenn du ihm einen bläst und nicht andersrum?“, antwortet sie. „Das ist doch total antifeministisch“, wirft eine andere ein. „Ich mach das einfach gar nicht mehr.“ Währenddessen werde ich langsam wütend. Ich habe mittlerweile nämlich das Gefühl, dass man mir absprechen will, Feministin zu sein, nur weil ich gerne Schwänze lutsche und mich in den Arsch ficken lasse.

Feminismus ist nach wie vor ein Streitthema. Egal wo man hinblickt, über Feminismus wird debattiert. Er wird gehasst und in den Himmel gehoben. Viel mehr noch: Er wird zu einem persönlichen Thema gemacht, das vom Feminismus an sich abweicht und sich immer mehr auf bestimmte Personen bezieht.

Während die einen zu den Über-Feministinnen gemacht werden, deren Feminismus als einzig Richtiger gilt, obwohl er sich teilweise nur auf wohlhabende, weiße Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen, konzentriert, wird anderen ihr Feminismus abgesprochen. Zum Beispiel aufgrund ihrer Sexualität. Oder weil sie nach wie vor gerne Kleider tragen, auch wenn der Feminismus uns gelehrt hat, dass es total okay ist, Hosen zu tragen.

Manche Feministinnen gelten als Feminazis, weil ihre Ansichten radikal erscheinen, doch wer sind wir, zu beurteilen, was richtig oder falsch ist? Fakt ist doch, dass ein moderner Feminismus darauf abzielt, dass man sich so verwirklichen kann, wie man möchte.

Und dazu gehört neben Lohngleichheit und weiteren wichtigen politischen Themen für mich eben auch, dass man im Bett als Frau auf Analsex stehen kann, ohne als Frau ohne eigenen Willen, die alles nur tut, um ihrem Kerl zu gefallen, abgestempelt wird.

Es ist nämlich so: Wenn irgendein Typ über mich sagt, ich sei ein billiges Flittchen, weil ich mich gerne in den Arsch ficken lasse, ist mir das herzlich egal. Er wird dann nämlich einfach niemals in den Genuss kommen, mich durch mein Hintertürchen zu penetrieren.

Wenn mir aber andere Frauen absprechen, Feministin zu sein, nur weil ich gewisse sexuelle Praktiken mag, die mir auf den ersten Blick nichts zu bringen scheinen, greift mich das in meiner Weiblichkeit und Rolle als Feministin an. Ich darf meiner Meinung nach nämlich sehr wohl gerne Schwänze lutschen und mich trotzdem Feministin nennen. Dass Frauen eine erfüllte Sexualität abseits jeder Klischees erleben dürfen ist mir nämlich genauso wichtig, wie dass sie jedem Job nachgehen dürfen, den sie wollen. Ganz egal, ob das nun Hausfrau oder Astronautin ist.

Die Diskussion mit meinen Freundinnen brach ich nach ein paar weiteren Sätzen ab und wechselte das Thema von Arschficks auf auf Nagellack. Wenn ich etwas antifeministisch finde, dann nämlich, anderen Frauen vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben und ihnen ihre Meinung abzusprechen, nur weil ein Mann mit im Spiel ist. Arschficks sind gut für den Feminismus, wenn sie von beiden Seiten gewollt sind. Und wer sagt, dass ich mich nur von Männern in den Arsch ficken lasse und nicht von Frauen mit Umschnallschwanz? Eben.

Foto: Merlin Bronques

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