Nerd Nation - Barakamon ist der Sommer-Anime, den ihr euch immer gewünscht habt

Nehmen wir das Fazit an dieser Stelle doch gleich mal vorweg: Ich habe in den letzten Folgen von “Barakamon” durchgeheult, ich, der ausgewachsene Typ mit dem Bart und der Wampe…
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Barakamon ist der Sommer-Anime, den ihr euch immer gewünscht habt

Barakamon

Nehmen wir das Fazit an dieser Stelle doch gleich mal vorweg: Ich habe in den letzten Folgen von “Barakamon” durchgeheult, ich, der ausgewachsene Typ mit dem Bart und der Wampe und der spitzen Zunge. Nicht etwa, weil am Ende der zwölf Episoden etwas unglaublich Legendäres oder Bombastisches oder Aufregendes passiert wäre, sondern weil mir die Charaktere so ans Herz gewachsen waren, und das in einer Zeit, wofür andere Serien Jahre brauchen.

Die Geschichte ist so ordinär wie dröge: Der gescheiterte Kalligrafie-Künstler Seishu wird von Tokio auf eine Insel am Arsch der Welt geschickt, um dort seinen Zeichenstil zu verbessern – und darauf hat er mal so gar keinen Bock. Die Bewohner sind Hinterwäldler, die Unterkunft ist eine Bruchbude – und dann rennt da auch noch ständig dieses kleine Mädchen namens Naru durch die Gegend, das ihm den allerletzten Nerv raubt.

Jeder Mensch, der auch nur mehr als einen Film gesehen hat, weiß ganz genau, wie sich die Sache entwickelt. Seishu freundet sich nach und nach mit den Einheimischen an, und das, obwohl er ein ziemlicher Spast ist, er erkennt, dass ihm das Leben auf dieser überhitzten Insel genau die Inspiration bietet, die er zum Arbeiten braucht, und Naru, die 6-jährige Nervensäge, erobert sein kaltes, depressives, fast schon totes Herz.

Barakamon

Natürlich passiert gegen Ende hin noch etwas unglaublich Dramatisches, aber das ist vollkommen egal, denn bis dahin habt ihr euch längst in jeden einzelnen Hinterwäldler verliebt. Miwa, die draufgängerische Tochter eines zwielichtigen Alkoholhändlers, Ikko, der ständig qualmende und fischverliebte Schuldirektor, oder Hina, Narus knuffige, beste Freundin, die so schüchtern ist, dass sie bei jedem Windhauch wie dämlich anfängt zu flennen.

Manchmal fühle ich mich wie ein Prediger, der Leuten ständig erklären muss, dass viele Anime so großartig sind, weil sie es schaffen, Emotionen so dermaßen zu konzentrieren, dass sie wie eine prall gefüllte Bombe sind. Innerhalb dieser knappen, halben Stunde, die jede Episode dauert, furzt ihr Gefühle nur so aus euch heraus, weil ihr sie nicht in euch halten könnt.

Ihr kotzt vor Lachen, weil Tamako, die verrückte Mangatante, hinter jeder Situation ein homosexuell angehauchtes Drama vermutet, ihr fiebert mit, wenn Nachwuchs-Kalligraf Kosuke seinem Idol Seishu vorwirft, er würde auf der Insel seinen Stil verlieren, ihr habt Pipi in den Augen, wenn Naru nach Hause kommt und… nein… das kann ich euch nicht sagen, es ist zu traurig…

Barakamon

Sowieso: Kurz zu Naru, wer sich nicht sofort in die Kleine verknallt und sie auf der Stelle adoptieren will, der hat kein Herz. Sie ist die freche, kleine, fröhliche Tochter, die jeder haben sollte, null nervig, null anstrengend, null künstlich. Ihr Lachen und ihre Weltansichten sind so ansteckend, dass sich jeder erwachsene Mensch, der nicht so ist wie sie, fragen sollte, wann und wo sein Leben schief gelaufen ist.

Wer “Barakamon” keine Chance gibt, der nimmt sich selbst eine wunderschöne und überraschend nachdenkliche Erfahrung. Und am Ende wollt ihr nur noch eure sieben Sachen packen und auf genau diese Insel fliegen, um dort ein idyllisches und richtiges Leben zu führen. Weit entfernt von all dem unnötigen Stress und dem Erfolgsdruck und der Missgunst. Mit Naru. Und Miwa. Und Ikko. Und all den anderen scheinbaren Hinterwäldlern…

Bilder: Square Enix

Urban Outfitters

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