Montagsmonolog - Wer sich an Fifty Shades of Grey aufgeilt, hat das Sexualleben einer Topfpflanze

Print ist tot, das wissen wir alle, aber anscheinend noch nicht tot genug, um alle paar Jahre ein sogenanntes Skandalbuch aus seiner verrotteten Mitte zu pressen. Erst das widerliche “Feuchtgebiete”…
Montagsmonolog

Wer sich an Fifty Shades of Grey aufgeilt, hat das Sexualleben einer Topfpflanze

Print ist tot, das wissen wir alle, aber anscheinend noch nicht tot genug, um alle paar Jahre ein sogenanntes Skandalbuch aus seiner verrotteten Mitte zu pressen. Erst das widerliche “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche, dann das geklaute “Axolotl Roadkill” von Helene Hegemann – und jetzt eben “Fifty Shades of Grey” von Erika Leonard – wer kennt sie nicht.

Worum geht’s? Die 21-jährige Literaturstudentin Anastasia Steele wird von dem älteren Unternehmer und Milliardär Christian Grey (wer kommt auf diese Namen?) nach Strich und Faden durchgepimpert, mitsamt der obligatorischen Sado-Maso-Spielchen, bei denen so mancher Jutta die Wechseljahre im Halse stecken bleiben.

Aber wem erzähle ich das? Schließlich seid ihr und eure seit Jahrzehnten sexuell vernachlässigten Mütter schuld daran, dass “Fifty Shades of Grey” das Erfolgreichste ist, was der globale Buchhandel in letzter Zeit hervorgebracht hat. Fiktive Idioten, die sich gegenseitig die Geschlechtsteile wund rubbeln, gehen nämlich immer. Besonders bei eingetrockneten Hausfrauen.

Wie sie da so spät abends im Bett liegen, die Mareikes und Claudias und Heikes. Den grauen Spitzenslip nach unten gezogen, in der einen Hand die dominanten Sexabenteuer einer jungen Frau, deren Namen direkt aus der He-Man-Zeichentrickserie entnommen zu sein scheint, in der anderen der abgenutzte Vibrator, den ihnen ihr Exmann Dieter, der heute lieber mit ebenso einer Anastasia abhängt, vor 20 Jahren aus dem Beate-Uhse-Shop mitgebracht hatte. Der war mal rosa, jetzt ist er beige.

Also liegen sie da breitbeinig in ihrem mit bunten Delfin-Bildern, sanften Nachtischlampen und einem schwarzen Wandschrank ausgestatteten Schlafzimmer, die Mareikes und Claudias und Heikes dieser Welt, und rubbeln sich grün und blau, während in ihrem Kopf eine nichtexistente, junge Ana penetriert wird. „Oh, ja, gib’s der kleinen Schlampe, Christian, ja, genau…!“

Dass “Fifty Shades of Grey” im Grunde nur eine miese Fanfiction zu “Twilight” ist, die Erika Leonard als “The Master of the Universe” unter dem ekligen Pseudonym Snowqueens Icedragon im Internet veröffentlichte und deren Hauptakteure eigentlich Edward Cullen und Bella Swan waren, stört dabei auch niemanden, weil ihr diesen Vampirscheiß ja auch abgefeiert habt.

Es geht nicht darum, dass “Fifty Shades of Grey” so sexuell verdorben ist, dass niemals nie, niemals, ein Mensch dieses krasse Schriftstück lesen darf, sondern, dass ihr, wieder einmal, auf einen konstruierten Skandal herein fallt, dessen Kern ungefähr so aufregend ist wie die Nacktfotos eurer 62-jährigen Nachbarin auf Pornhub – nämlich gar nicht.

Mit eurer bewussten Entscheidung, Geld für dieses Machwerk auszugeben, reiht ihr euch in die lange Schlange der Minderbemittelten ein, die “Transformers” im Kino gucken, den Urlaub im Tropical Islands verbringen und die AfD gar nicht so übel finden. Leute also, die denken, sie wären frei, aber im Grunde nur von einer dämlichen Entscheidung zur nächsten stolpern.

Im Grunde beweist ihr mit dem Konsum dieses aufgepumpten Groschenromans, dass ihr nicht nur leicht zu instrumentalisierende Idioten seid, die alles käuflich erwerben, was euch im Sat.1 Frühstücksfernsehen als verboten verkauft wird, sondern das aufregende Sexualleben einer Topfpflanze habt und schlecht geschriebene Fickgeschichten von irgendwelchen 51-jährigen Twilight-Fans (!) braucht, um auch nur irgendwie wieder auf Touren zu kommen.

Das Schlimme daran? Ihr merkt gar nicht mehr, wie ihr euch langsam, aber sicher, in eine dieser Mareikes und Claudias und Heikes verwandelt, die es schon romantisch finden, wenn ihr Hermann die stinkenden Socken beim Sex auszieht. Habt ihr euch so euer Leben vorgestellt, das ihr jetzt mit peinlichen SM-Storys, die euch nicht einmal selbst passiert sind, würzen müsst?

“Fifty Shades of Grey” ist ein prüder Porno für prüde Menschen, die der Meinung sind, dass die holprig formulierten Team-Edward-Sexfantasien einer Frau mittleren Alters das absolute Maximum sind, was der moderne Geschlechtsverkehr zwischen zwei oder mehreren inspirierenden Individuen zu bieten hat, und auf diesem Niveau vor sich hin existieren. Wie aufregend.

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