Magerwahn auf Instagram - Frisst du noch oder bist du schon einer dieser nervigen Fitnessnazis?

Habt ihr euch in letzter Zeit mal wieder bei Instagram eingeloggt? Falls ja, werdet ihr das Phänomen wahrscheinlich kennen: Man scrollt und scrollt die 500 neuen Posts der letzten drei…
Magerwahn auf Instagram

Frisst du noch oder bist du schon einer dieser nervigen Fitnessnazis?

Habt ihr euch in letzter Zeit mal wieder bei Instagram eingeloggt? Falls ja, werdet ihr das Phänomen wahrscheinlich kennen: Man scrollt und scrollt die 500 neuen Posts der letzten drei Stunden runter und hat am Ende das Gefühl, dass alle eh nur ein und das selbe Foto gepostet haben. Wer ist schuld daran? #oatmeal, #rawtill4, #shredz, #triangl und #kayla_itsines.

Ich weiß gar nicht genau, wann es mir auffiel. Kann sein, dass es erst ein paar Wochen her ist, vielleicht auch schon ganze Monate oder Instagram war einfach von vornherein schon so: ein Sammelbecken für bipolare Leute, die eigentlich völlig geltungsbedürftig sind und am liebsten für irgendwas – egal wofür – berühmt wären, gleichzeitig aber viel zu sehr Mitläufer sind, um was Neues auszuprobieren.

Deswegen halten sie sich lieber an Altbewährtes, wie zum Beispiel vegane Ernährung, Low-Carb, Magersucht, Mode und Fitness-Wahn. Vielleicht ist das der Grund, dass es hier inzwischen nur noch drei Sorten von Leuten gibt: Die Essgestörten, die Triangl-Bitches und die Fitness-Freaks.

Da wäre zunächst einmal der Haufen Essgestörte. Wer bisher dachte, es gäbe nur Bulimie, Anorexie und Binge Eating, der wird bei Instagram eines Besseren belehrt. Unter den Hashtags #rawtill4, #eatclean, #vegan und #lowcarb findet man eine ganze Palette an bemerkenswerten Ernährungsformen, die jedem Psychotherapeuten in pure Verzückung versetzen würden, beim Gedanken an die Therapie-Stunden, die man den #igers dafür mal eben aufdrücken könnte.

Wie es sich für echte Essgestörte gehört, finden die Hardcore-Veganer, Kohlenhydrat-Phobiker und Mono-Diätler ihr Essverhalten natürlich total normal und absolut nachahmenswert, weshalb fleißig unappetitliche fettfreie Rezepte voller Chemie geteilt werden. Ein Dauerbrenner, der gar nicht mehr aus der Mode kommen will, ist der Protein-Pancake, in denen künstliches, nach Gummibären riechendes Pulver aus Lysin, Methionin und Molkeeiweiß das böse, böse Mehl ersetzt.

Ein wenig merkwürdig ist es, dass Anhänger der Protein-Pancakes die Dinger so ziemlich jeden Tag auf dem Frühstücksteller liegen haben, nett angerichtet mit Tiefkühl-Erdbeeren und einem 0-Kalorien-Schokoladen-Sirup. Kann natürlich sein, dass manche das ewig gleiche Bild posten, um endlich auch #shredz, #fitnessguru und wie sie alle heißen, als Sponsor zu gewinnen.

Die andere Theorie ist: Wie wäre es damit, sich ab und zu mal einen echten Pancake zu gönnen – vielleicht würden dann auch die unerklärlichen Heißhungerattacken nach weiterem Protein-Süßstoff-Pulver-Matsch nachlassen? Das soll jetzt aber nicht heißen, dass die Truppe der essgestörten Instagram-Ökotrophologen ausschließlich Pulver aus Trocken-Eiweiß konsumiert.

Es gibt auch die ganz Natürlichen. Nein, ich spreche nicht von der Paleo-Diät, sondern von den ganzen Mono-Ernährungsformen auf Instagram. Insbesondere #rawtill4, eine Essensphilosophie, bei der bis 16 Uhr nur rohes Obst und Gemüse gegessen werden darf. Vor allem auf braune, matschige Bananen stehen die #rawtill4-Veganer, die gerne mal ‘ne Woche nach „Banana Island“ abtauchen, um so richtig zu entgiften.

Dass man von dieser Ernährung nicht dick wird, leuchtet irgendwie ein – wahrscheinlich leidet man die ganze Zeit abwechselnd unter Durchfall und Blähungen. Dann braucht man die Instagram-Sekte, pardon, -Community natürlich noch viel mehr, weil die Leute im echten Leben die spezielle Geruchsnote nicht mehr ertragen.

Weniger komplex geht es bei den #triangl-, #ootd- und #hunterboots-Mitgliedern zu. Hinter den Posts und Bildern zu Neopren-Bikinis und Gummistiefeln werden hier keine Essstörungen versteckt, respektive offengelegt, sondern – ja was eigentlich? Am ehesten lässt sich diese Kategorie der Instagram-Mitglieder wohl so beschreiben, dass sie ganz allgemein nicht so furchtbar vielschichtig zu sein scheint.

Die Truppe #ootd ist nämlich die Sorte Mensch, die man sonst ganz gern bei Abercrombie oder Hollister im Laden findet: Leute, die zumindest selbst daran glauben, dass sie das Zeug zum Promi haben und irgendwann, irgendwie noch entdeckt werden, weil in ihnen etwas Besonderes steckt. Tja, und bis dahin stecken sie sich halt selbst in etwas gar nicht Besonderes, in Triangl-Bikins oder Hunter-Gummistiefel zum Beispiel.

Das soll ganz klar das Ziel, so schnell wie möglich entdeckt zu werden, weiter voranbringen – am besten natürlich von irgendeinem #triangl-Marketing-Manager, der Modell „Winnie“ an einem so überragend schön findet, dass man vom Fleck weg als Model engagiert wird. Dass man unter dem Hashtag #triangl mit rund 99.000 Leuten konkurriert, die die selbe Idee hatten, macht die Sache etwas schwierig, aber drauf geschissen. Erhöht man seine Reichweite halt, indem man auch im Winter zwei bis drei Mal die Woche #triangl-Bilder aus dem letzten Sommer repostet.

Da ist die letzte Kategorie der Instagrammers wenigstens ein bisschen ambitionierter. Mitglieder, die sich unter #fitspiration, #lifting und #fitstagram offiziell dem Fitness-Wahn verschrieben haben, leisten wenigstens sport-technisch etwas: Jede Menge Squats, Planks und Burpees, das alles high intensive und natürlich für den #summerbody 2015.

So richtig kreativ sind sie dabei allerdings auch nicht – müssen sie ja aber auch gar nicht sein, denn es gibt ja schon ein großes Vorbild, an das man sich ranheften kann: Kayla Itsines. Die australische Fitness-Trainerin, die unter ihrem #bikinibodyguide über 100.000 Fotos findet, spornt die Instagram-Fitness-Sekte immer wieder zu Bildern ihrer #transformation und dem #progress an.

Wobei ‘Transformation’ und ‘Progress’ hier so viel bedeuten, dass normalgewichtige Leute nach nur drei Monaten aussehen wie wandelnde Leichen, bei denen Sehnen und Venen aus den unmöglichsten Körperstellen hervortreten. Schön ist das zwar nicht, dafür bringt es einem mit ein bisschen Glück jede Menge neue Follower und Insta-Fame: Die kränksten, pardon, beeindruckendsten Verwandlungen aus #kaylasarmy und dem #kaylamovement werden nämlich in regelmäßigen Abständen von Kayla gepostet.

Kayla selbst hat übrigens alles richtig gemacht. Auf ihrem Profil sind gefühlte 100 Bilder von ihr in einem #triangl-Bikini zu finden, auf jedem zweiten Bild finden sich entweder Proteinwaffeln oder ein garantiert cleanes Essen, bestehend aus rein organischen Zutaten wie Chia-Samen, Obst und Mandelmilch. Und ansonsten gibt es jede Menge Bilder und Videos zu Squats, Burpees und Co.

Jetzt denkt ihr vielleicht, ihr könnt das auch. Wenn die Frau es geschafft hat, mit diesem banalen Zeug berühmt zu werden, dass ja jeder postet, warum solltet ihr das nicht schaffen? Ihr postet also stolz eure Gammel-Bananen-und-Bikini-Bilder, tagged euch im Fitnessstudio mit #transformation und euch sind die Likes der 800.000 Instagram-Mitglieder sicher, die schon auf den selben Zug aufgesprungen sind.

Glückwunsch, damit habt ihr es geschafft, dass die Artenvielfalt bei Instagram weiter ausstirbt und man die Welt hier nicht „mit den Augen anderer“, sondern mit denen des ewig gleichen Stereotypen sieht. Dessen Bilder man nur pflichtbewusst liked, weil man selbst genau das Gleiche gepostet hat. Inspiration sieht anders aus.

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54 Kommentare

  • Edmund

    MIMIMI

  • Bine

    Ich wär einer von den Nazis, schaut doch mal vorbei: @nutellacinderella :D

  • Fräulein

    :D :D :D :D #machdichwahr

  • Lesane

    ” ein Sammelbecken für bipolare Leute, die eigentlich völlig geltungsbedürftig sind und am liebsten für irgendwas – egal wofür – berühmt wären, gleichzeitig aber viel zu sehr Mitläufer sind, um was Neues auszuprobieren. ” hahahaha zu gut

  • Kls

    Fitnessnazi!

  • Ra

    Cooler Artikel.
    Jedoch finde ich, dass diese Menschen nur Mitläufer sind, das geht bei denen nach einer Zeit auch wieder weg. VIEL Schlimmer sind die jungen Mädchen, die 100000 Anhänger durch einen verfickten Hashtag gefunden haben, die ihre Borderliner Bilder und (wirklich) Magersucht Bilder liken und dadurch noch mehr Bestätigung bekommen. Da sind zum teil Mädchen, die sich ritzen, das filmen und auf instagram hochladen!

    Einfach mal Hashtags #hatemylife oder #suicidalthoughts eingeben.

    Wir brauchen #psychologischeBeratung auf #instagram… ;)

  • Carlos

    Scheißegal wies schmeckt. Hauptsache viel!

  • Anni

    Wieso kann man hier nicht öfter auf like klicken …

  • Kathrin

    Endlich mal ein artikel der über die ganzen diäten abkotzt…die bikinis find ich aber trotzdem schön😂😂

  • Selina

    Fühlte mich angesprochen :D

  • Niklas

    Schom hart was es so alles gibt…

  • David

    Hashtag isso

  • Anna

    haha, so on point !

  • Leo

    fress noch

  • Chiana

    Fitnessnazi ?? Gehts noch ?? Gefällt mir ab sofort nicht mehr

  • Noel

    Macht mich richtig glücklich

  • Florian

    Und…….wieder so ein “hater-blog” ;)

  • Jannis

    dieses Magerwahngestöhne ist doch voll 90er

  • Julian

    Fit Heil!

  • Mistr

    Tja xD

  • Etiennette

    Kleiner Tipp: einfach andere Accounts abonnieren…und bitte Vorsicht mit dem Begriff “essgestört”…

  • Jane

    Fitnessnazi also bitte 😂

  • Ronja

    Haha 🙈

  • Isa

    Fitness! Und ich bin stolz drauf

  • Sabrina

    Hahahahaha

  • Steven

    Du sollst nicht so viele Frauenblogs lesen 😋

  • Claudia

    ich bin beides hahahaha tagesform und lust abhängig haha ich fress sau gern aber ich fress auch sau gern gsundes zeug hauptsach lecker und viel :-)

  • Lila

    Endlich :D ….ganz meine Meinung!

  • Yannic

    Find ich hart am Limit ^^
    Ziemliches Schubladendenken, wie ich finde. Die große Masse mag wirklich nur aus Mitläufern bestehen. Doch der harte Kern hat allerlei Gründe für Ernährung x oder Lifestyle y. Und hier unter “Essgestörte” zusammengefasst werden…ich weiß nicht…

  • Lala

    Instagram- Ökotrophologen😂 geil ich kann nicht mehr! Aber der Artikel bringt es echt auf den Punkt.

  • Sarah

    Jan Schütz

  • Wil

    Der Verfasser dieses Artikels hat keinen Dunst, was er da eigentlich schreibt, zu viele Widersprüche finden sich in den paar hirnlosen Zeilen. Vielmehr denke ich, dass aus ihm der Neid spricht, weil ihm die Disziplin und Motivation fehlt, Ziele zu erreichen und etwas aus seinem Körper zu machen…
    #Fitnessnazi #Fitnessfreak #Ernährungsapostel #EatCleanLookLean

    • Nina

      Japp, bin krass neidisch, weil ich unmotiviert und fett bin.

    • Wil

      Tut mir sehr leid für dich ;)

    • Stéphane

      Als fett würde ich sie jetzt nicht bezeichnen. :D ihrer Meinung bzgl. der pseudo elitären Bioernährungssekte stimme ich aber vollkommen zu. Sehr treffender Abschnitt über die Protein pancakes. Nina Ponath

  • Phil

    Hahahahahahahahaha

  • El

    Ziemlich armselig sich mit wertlosen Argumenten auf einen “endlich” gesunden Trend zu werfen. Lasst die Leute doch stolz auf ihre Taten sein und wenn es jemanden nicht gefällt oder man eine andere Meinung dazu hat darf man auch ruhig mal wegsehen oder andere Leute abonnieren. Schade, da erwarte ich mehr von einer freien Autorin, die bereits 3 Bücher veröffentlicht hat.

    • Esra

      “Gesund”??? Was soll daran gesund sein, Chemie zu fressen, nur um Weißmehl zu vermeiden? Oder sich kaputtzuhungern? Oje …

  • Hülya

    Ohman son Mist habe ich ewig net mehr gelesen

  • Mi Mi

    über die ganzen Trends kann man gerne denken was man will (und das auch äußern). Alles super. Instagram uncool finden ist ja gerade auch irgendwie schon fast wieder Mainstream ;)

    Was aber gar nicht geht ist sich über Krankheiten lustig machen – Essstörungen SIND Krankheiten, keine Entscheidung die man halt mal so trifft und nach ein paar Monaten für den nächsten Trend wieder ablegt. Das mit rawtill4 etc gleichzusetzen zeugt einfach nur von (im besten Fall) Unwissen oder aber unsäglicher Ignoranz. Aber Hauptsache genug Leute liken und teilen den Kram, da kann man über so Kleinigkeiten schonmal hinwegsehen. Veganerbashen ist ja gerade auch im Trend, passt schon. Viel weniger aufmerksamkeitsgeil als die ‘Triangl Bitches’…

  • MichaÅ‚

    :D

  • Fabian

    Fitness nazi und stolz drauf 😄

  • Lena

    unfassbar gut geschrieben!

  • Chi

    Mein Rat: #Instagram deinstallieren und #Einhörner streicheln. 😂

  • Jessica

    Ich esse wie ein Scheunendrescher und habe das Glück, dass ich das kann ohne zuzunehmen. Trotzdem bin ich dünn. Und mache gerne mal Sport.
    Aber bin dann essgestört!?

  • Gar nicht so instagramable – Warum ich von Instagram schlechte Laune bekomme – One Year of Sunday

    […] Denn wenn man ehrlich ist: Leute, die sehr viel auf Instagram posten und ihr Leben stark danach ausrichten, dass jeder Lebensmoment ein potentielles Instagramfoto mit vielen Likes ist, der hat vielleicht sonst nicht so viele Hobbys. Oder wie Nina auf Amy&Pink es etwas dezenter ausdrückt: “bipolare Leute, die eigentlich völlig geltungsbedürftig sind und am liebsten für irgendwas… […]

  • Peti

    So ein wunderbarer Artikel, ein Hoch auf die Autorin und bitte mehr davon!!

  • Kathi

    Also fitnessfreunde, veganer u.ä. als essgestört, geltungsgeil und krank zu beschreiben ist schon ziemlich ignorant und von leben und leben lassen kann da auch keiner mehr sprechen. Wenn es ein vebrechen ist, mehr gemüse zu essen oder sport zu machen als der durchschnitt dann tut mir unsere gesellschaft leid. Bei mcdonalds irgendwelchen scheiss zu essen und danach vorm tv zu gammeln ist normal und keiner sagt was, aber iss mal ne woche vegan und du kannst nur krank sein. Aber veganer dürfen sich ja auch nicht verteidigen, weil das ist ja dann nur mimimimi.
    In enttäuschung über so einen einfältigen artikel,
    Ein nicht-veganer