Pixelporno: Beyond Earth - Das neue Civilization ist das perfekte Spiel für alle, die sonst nichts zu sagen haben

Ich lag als Kind oft wach und träumte von Außerirdischen, die uns besuchten und diese schnöde Welt mit Technologie, und von mir aus auch Magie, in einen besseren Ort verwandelten.…
Pixelporno: Beyond Earth

Das neue Civilization ist das perfekte Spiel für alle, die sonst nichts zu sagen haben

Civilization: Beyond Earth

Ich lag als Kind oft wach und träumte von Außerirdischen, die uns besuchten und diese schnöde Welt mit Technologie, und von mir aus auch Magie, in einen besseren Ort verwandelten. Wir wären beste Freunde geworden, ich und diese unverstandenen Lebewesen. Aber dank “Civilization: Beyond Earth” möchte ich diese schleimigen Viecher nur noch vaporisieren.

Gott ist mein Zeuge, ich hatte mich so sehr auf dieses Spiel gefreut. Nachdem ich geschätzte zwölf Jahre Spielzeit in den Vorgänger “Civilization V” versenkte, konnte ich diese ganzen toten Menschen nicht mehr sehen, Napoleon, Gandhi, Washington. Ich wollte mehr. Mehr als die Welt. Ich wollte der Herrscher des Universums werden!

Die Story ist schnell erklärt: In “Civilization: Beyond Earth” ist die Erde so vollgemüllt und überbevölkert, dass ein paar internationale Bündnisse Raketen mit Auserwählten auf einen weit entfernten Planeten schießen. Die sollen dort eine neue Zivilisation aufbauen. Deswegen der Name “Civilization”. Und “Beyond Earth”. Wir verstehen uns.

Civilization: Beyond Earth

Nachdem ich also zuletzt die Welt erobert hatte, musste nun der Rest ran. Die Japaner, die ich sonst immer nehme, gibt’s nicht mehr. Die gehören jetzt zu einem Kollektiv aus Koreanern, Chinesen und dem Typen, der sich auf der gamescom als Son-Goku verkleidet, aber eigentlich Günther heißt. Gut genug für mich, auf geht’s!

Ihr landet mit eurem Schiff im tiefsten Urwald. Um euch herum kriechen schleimige Käfer und riesige Würmer herum. Am nahegelegenen Strand winkt euch eine mutierte Qualle zu. Ein paar Meter weiter steigt grüner Rauch empor. Herzlichen Glückwunsch: Es gibt kein Zurück mehr! Also, in die Hände gespuckt, die Menschheit muss schließlich überleben.

Wenn ihr fantasielose Menschen seid, denen “Call of Duty” das Hirn weggesprengt hat, dann sehen eure nächsten 100 Stunden ungefähr so aus: Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Eine Runde weiter. Ende.

Civilization: Beyond Earth

Gehört ihr aber wie ich zu einer etwas peinlichen Spezies, die leider in einem vertrottelten Zeitalter geboren wurde, in denen Herrscher des Universums noch kein Ausbildungsberuf ist, dann lebt ihr in “Civilization: Beyond Earth” perverse Machtträume aus, die euch sonst kein Spiel bieten kann. Mein Name ist Marcel. Und ihr seid meine Untertanen!

Wollte ich anfangs noch Freundschaft mit den Aliens schließen, gingen die mir nach kurzer Zeit so sehr auf den Geist, dass ich mich der “Reinheit” unterwarf und alles wegbügelte, was mehr als zwei Beine hatte. Afrika und diese amerikanische Oma nervten mich schon genug. Noch ‘ne Stadt, noch ‘ne Stadt, mein Imperium wuchs und wuchs und wuchs!

Obwohl ich so erfolgreich in dieser grünen Hölle war, dass ich beinahe zu mir selbst onanierte, hat “Civilization: Beyond Earth” drei große Schwächen. Erstens: In den Vorgängern machte es Sinn, dass euch wichtige geschichtliche Zitate um die Ohren gehauen wurden. Dadurch hattet ihr das Gefühl, die Ära des Menschen wirklich zu durchlaufen.

Civilization: Beyond Earth

Jetzt texten euch eure Berater bei jeder Gelegenheit mit erfundenem Unsinn zu. Hochgestochenes und ellenlanges Gelaber, um euch zu erklären, dass ihr gerade eine Technologie entdeckt habt, um Sonnenkollektorsonden effektiver zu machen. Ähm, ja, toll. Das könnt ihr euch gerne sparen. Die Zeit hättet ihr lieber woanders investieren sollen.

Zum Beispiel in “Zweitens”: Es gibt viel zu wenig zu tun. Kommt ihr von einem mit Add-ons nur so zugeschissenen “Civilization V”, habt ihr auf dem neuen Planeten plötzlich nichts mehr zu tun. Klar, hier ein wenig buddeln, dort ein wenig kämpfen, da drüben ein wenig handeln. Aber nur acht Zivilisationen? Öde Wunder und ätzende Sonden? Naja…

Und drittens: Die künstliche Intelligenz ist immer noch zum Ausrasten. Entweder ist sie zu dumm oder heillos überpowert. Am schlimmsten ist es, wenn sie selbst in eurem Reich die Kontrolle übernimmt und euch damit beinahe zur Weißglut treibt. Die neue Stadt, die ihr gerade baut, sucht sich nämlich selbst aus, auf welche Flächen sie sich zuerst ausbreitet.

Civilization: Beyond Earth

Falls ihr hofft, dass sie das Goldvorkommen oder Firaxitfeld der brachen Wüste bevorzugt – falsch gedacht! Ganz gemächlich annektiert sie das außerirdische Land, nur um euren Gegnern zu erlauben, euch die guten Ressourcen vor der Nase wegzuschnappen. Ja toll! Da hilft natürlich nur noch kalter, blutiger Krieg…

Ich meine, ich kann vollkommen nachvollziehen, dass eingefleischte Fans “Civilization: Beyond Earth” als ein abgespecktes und grün lackiertes “Civ 5” betrachten. Sehe ich auch so. Die volle Größe wird es wohl erst mit zwei bis drei Add-ons erhalten. Oder anders ausgedrückt: Indem wir noch mehr Geld reinpumpen. Und dann geht alles wieder von vorne los.

Aber ich liebe das Kopfkino, das in mir durchdreht, wenn ich “Civilization: Beyond Earth” starte und ein paar Runden beruhigt vor mich hin klicke. Wenn ich schon über sonst nichts herrsche, dann wenigstens über ein digitales Universum. Und falls wir doch mal alle auf einen fremden Planeten katapultiert werden, dann bin ich zumindest vorbereitet. Vielleicht freunde ich mich ja dann auch wieder mit den Aliens an. Bis dahin knalle ich sie aber lieber virtuell ins Jenseits.

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