Die Tribute von Panem - Mockingjay - Jennifer Lawrence verwandelt die Generation Z in die Generation Aufstand

In diesem einen Augenblick, in dem Jennifer Lawrence weinend in die Kamera blickt, von Trümmern, Hitze und Rauch umgeben, und dem unterdrückten Volk in einer flammenden Rede mitteilt, dass die…
Die Tribute von Panem - Mockingjay

Jennifer Lawrence verwandelt die Generation Z in die Generation Aufstand

In diesem einen Augenblick, in dem Jennifer Lawrence weinend in die Kamera blickt, von Trümmern, Hitze und Rauch umgeben, und dem unterdrückten Volk in einer flammenden Rede mitteilt, dass die Zeit für eine Revolution gekommen wäre, da habe ich mich innerhalb von zwei Minuten von einem realitätsfernen Träumer, dem alles egal war, in einen wahren Rebellen verwandelt. Naja, fast jedenfalls.

War “Die Tribute von Panem – The Hunger Games” noch eine öde Mixtur aus “Battle Royale” und “Running Man”, in der Katniss Everdeen langatmig eine Handvoll heulender Kinder ins Jenseits beförderte, riss “Catching Fire” das Ruder herum und zeigte auf, wohin die Reise gehen würde. Dunkel, blutig, depressiv. Da möchte man doch jeden, der auch nur einmal “Twilight” verteidigte, mit der flachen Hand links und rechts eine mitgeben.

Als wir im Kino sitzen und vor uns die Leinwand explodiert, visuell und emotional, da frage ich mich, ob dieser systematisierte Funke auch auf jüngere Menschen überspringen würde, die womöglich zum ersten Mal erfuhren, dass so etwas wie Revolutionen und Rebellionen überhaupt gibt. Mama, Papa, darf man gegen den Staat und seine Entscheidungen sein? Die Antwort ist überraschenderweise: Ja!

Die Tribute von Panem - Mockingjay - Teil 1

“Mockingjay – Teil 1” entreißt Harry Potter die pubertäre Märchenhaftigkeit und Bella Swan die geheuchelte Romantik und schleudert seine Zuschauer in eine Parallelwelt, in der einiges schief gelaufen zu sein scheint, die allerdings von unserer gar nicht so weit entfernt ist, wenn man mal etwas genauer darüber nachdenkt.

Man könnte der simulierten Dystopie ankreiden, dass sie immer wieder schützend die Hände vor die Augen ihrer Besucher hält, sobald es etwas zu hart wird. Beginnt das Blut zu spritzen, wechselt kurzerhand das Bild in einen wonnigeren Modus. Leichen sehen niemals verstümmelt oder entstellt aus, angedeutete Knochenmeere erinnern an frühere Abenteuerfilme. Alles halb so wild, ganz ruhig, ist ja nicht echt.

Natürlich, “Die Tribute von Panem” sind Jugendbücher, nicht mehr und nicht weniger. Für Menschen also, die medial gern als verträumte, experimentierfreudige und sich selbst reflektierende Lebensanfänger angesehen werden. Aber sind wir doch mal ehrlich: In einer Welt, in der Fotos, auf denen Jennifer Lawrence ihre nassen Schamlippen spreizt, nur einen Klick entfernt sind, wirken solche Schutzmaßnahmen fast schon niedlich.

Die Tribute von Panem - Mockingjay - Teil 1

Revolution, das bedeutet Schmerz, das bedeutet Tod, das bedeutet Angst. Der erste Teil von “Mockingjay” versucht diesen Zustand der schieren Panik wahrheitsgetreu umzusetzen, ohne dem Horror eine Bühne zu bieten. Bomben schlagen in ein Lazarett ein, Rebellen metzeln Staatsgetreue nieder, in den Bunkern herrscht Verzweiflung und Einsamkeit. Alles Hollywood, alles Bombast, alles wie immer.

Was die Reihe um ein Mädchen, das töten musste, ohne es zu wollen, allerdings von seelenlosen Blockbustern à la Michael Bay unterscheidet, ist dieses Wirrwarr aus Gedanken, das einem nach dem Abspann im Kopf herum schwirrt. Na klar, “Die Tribute von Panem” sind im Großen und Ganzen ein fader Cocktail aus zusammengeklauten Schnipseln der Popkulturgeschichte. Und mir ist es auch vollkommen egal, welcher der beiden Milchbubis der Heldin am Schluss seinen Spotttölpel in den Körper rammen darf.

Aber allein diese Vorstellung, wie weit unsere Welt wohl von Panem und seiner perversen Machtstrukturen entfernt ist, die tröstet mich darüber hinweg, dass “Mockingjay – Teil 1” im Grunde ein ereignisloser Auftakt, ohne Fazit, dafür aber mit Cliffhanger ist. Solange in Bangkok junge Menschen verhaftet werden, weil sie den Drei-Finger-Gruß aus dem Film imitieren, hat er eine zweifelsfreie Daseinsberechtigung.

Die Tribute von Panem - Mockingjay - Teil 1

Wenn sonst schon nichts mehr in die verstörten Köpfe der Generation Z dringt, außer YouTube, Pornos und “Call of Duty”, dann soll sie doch wenigstens ein Hollywood-Film aus diesem Koma reißen und in ihnen einen Funken entfachen, der sie dazu animiert, für Ungerechtigkeit und Unterdrückung auf die Straße zu gehen.

Vorausgesetzt natürlich, den Staaten fällt vorher nicht eine geniale Idee ein, wie sie die Jugend unserer Länder instrumentalisieren und so für Ordnung und Ruhe sorgen können. Zum Beispiel dank einer mutierten Medienlandschaft, die jeden auflodernden Rebellionsgedanken im Keim erstickt. Panem ist näher als man denkt.

s.Oliver

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