Talkshow - Wir sinnierten mit Fritz Kalkbrenner über Club-Toiletten, Schweinehälften und Berlin

Als ich den Interview-Raum von Fritz Kalkbrenner betrete, sitzt er auf einem Chefsessel und trinkt ein heißes Getränk. Ich fühle mich wie eine kleine Praktikantin bei einem Bewerbungsgespräch – und…
Talkshow

Wir sinnierten mit Fritz Kalkbrenner über Club-Toiletten, Schweinehälften und Berlin

Fritz Kalkbrenner

Als ich den Interview-Raum von Fritz Kalkbrenner betrete, sitzt er auf einem Chefsessel und trinkt ein heißes Getränk. Ich fühle mich wie eine kleine Praktikantin bei einem Bewerbungsgespräch – und nicht viel emotionaler würde wohl auch ein solches Gespräch mit Herrn Kalkbrenner ablaufen. Sagen wir es kurz: Mit ihm kann man nicht herrlich lachen und stundenlange Gespräche führen. Zumindest kommt es mir nicht so vor. Sein neuestes Werk nennt sich „Ways Over Waters“. Außerdem tourt er ganz schön viel um den Globus.

„Ways Over Water“ klingt sehr poetisch – ist es das auch?

Kommt drauf an. Der Titel ist eine Metapher von mir, die ich versucht habe zu schöpfen. Es geht dabei um wirkliche Probleme, die zunächst unüberbrückbar erscheinen. Erst wenn man an diesen kritischen Punkt angekommen ist, finden sich im besten Falle die Wege übers Wasser.

Es geht also nicht um „First World Problems“?

Nein.

Probleme à la „Man ist fremd gegangen und hat ein Kind von einer anderen Frau“?

Das ist kein wirkliches Problem.

Man hat kein Geld mehr?

Richtig. Man ist so arm, dass man in der Stadt hungert.

Auch dieses Problem könnte man lösen.

Richtig. Man könnte stehlen.

Wie würdest du „Ways Over Water“ beschreiben?

Rund, flach und so 70-74 Minuten. Nee, die Frage ist ziemlich oberflächlich und kurz gegriffen.

Na gut, klar. Es ist elektronische Musik, aber wie würde ein Künstler es selbst bezeichnen?

Ein guter Künstler vermeidet ja die Deutungshoheit inne zu haben. Er äußert sich dazu nicht. Wenn ich möchte, dass es meiner Definition zutrifft, darf ich es nicht veröffentlichen.

Aha.

Aber es ist klar, dass es aus dem Techno- und House-Genre geprägte Musik ist. Von Gebläse bis Gesang ist alles dabei. Aber da die Verifizierung in der elektronischen Musik so weit gesplittet ist, lässt sich kaum noch ein stilistisches Signum finden. Es gibt ja heute schon fast für jeden Künstler eine eigne Schublade. Apparat klingt so und so und gut ist.

Gibt es denn dann wenigstens einen guten Ort, um dein ganzes Album durch zu hören?

Das muss ja auch jeder für sich finden.

Was ist mit der Küche?

Die Küche ist immer ein sehr guter Ort. Dort kann man dann mit dem Wischmob oder der Pfanne seiner Tätigkeit nachgehen.

Wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der jeder Musik machen kann und es tut – ist es da schwieriger, an seinem eigenen Album zu arbeiten?

Nee, ich mache das, seit ich siebzehn bin, und lerne heute noch jeden Tag dazu. Der Umstand, dass mehr Leute Musik machen, ändert nichts an der Qualität. Es gibt dann einfach nur noch mehr Scheiße. Das ist ganz einfach.

Existiert der Holzschnitt von deinem Cover wirklich?

Ja, die Büste gibt es wirklich.

Steht sie bei dir im Wohnzimmer?

Nein, die ist in der Schweiz, dort wo sie abfotografiert wurde. Aber höchstwahrscheinlich kommt sie bald hier her.

Die wurde extra angefertigt, oder?

Ja.

Macht schon Bock, so etwas zu besitzen?

Dem Schnitzer hat es wahrscheinlich sehr viel Spaß gemacht.

Wirst du sie dann mit nach Hause nehmen?

Neee, die kommt ins Office. So was stellt man sich nicht zu Hause hin. Das ist genau so, wie seine eigenen Platte aufzuhängen. Schwachsinn.

Okay. Die Charts sind ja mittlerweile voll mit deutschem Hip Hop. Hörst du diese Musik?

Ich höre keinen deutschen Hip Hop. Ich bin mit US-Hip-Hop aufgewachsen und dann ist es so.

Gibt es einen aktuellen US-Rapper, den du feierst?

Ich bin ein großer Fan von EPMD, Gang Starr und Talib Kweli. Die finde ich alle sehr gut. Die Rap-Musik von heute ist nur noch eine Kohlsuppe. Die haben ja alle nichts mehr drauf. Die guten Platten gab es schon.

Uhhhhh.

Ist ja einfach so. Dieser Soulja Slim, oder wie hieß der?

Soulja Boy.

Ja, genau. Der hat mal versucht GZA zu dissen. Das war so lustig. Das ist so, als wenn man mit einem Löffel gegen das Meer antritt.

Wobei diese ganzen coolen Rapper von früher teilweise ziemlich gaga geworden sind.

Liegt wahrscheinlich an den Drogen.

In welcher Stadt lohnt sich ein Gig für dich am meisten, rein geldtechnisch?

Das ist ja alles confidential. Darf man nicht verraten. Im Heim-Markt ist immer sehr gut. Erste Welt ist immer besser als dritte, falls man mal dort spielen sollte.

Gehst du eigentlich privat noch aus?

Nein, es reicht mir bei den ganzen Gigs. An welchem Wochenende sollte ich schon weggehen? Schwierig. Wenn Freunde oder Kollegen mal in der Stadt sind und spielen, dann macht man das, aber es wird seltener.

Welcher Berliner Club ist nie scheiße?

Die besten Clubs sind die, die es nicht mehr gibt. Das E-Werk zum Beispiel.

Kenne ich nur als Event-Location.

Siehste, ganz furchtbar. E-Werk war der großartigste Club aller Zeiten. Da hat es nie eine scheiß Party gegeben.

Ich fand ja den WMF Club ganz geil.

Welchen von den sechs?

Keine Ahnung, ich bin erst spät nach Berlin gezogen. Der beim Alex.

Das war der Letzte. Ich fand den vierten in der Johannisstraße sehr gut. Aber das WMF war auch immer sehr gut. Darauf können wir uns einigen.

Gibt es einen Lieblings-Fussballverein?

Ja, den gibt es.

Wie nennt der sich?

Sag ich nicht. Das wirst du nicht aus mir raus kriegen.

Wieso?

Warum sollte man etwas verraten, womit man Ummut auf sich zieht? Man ist ja nicht doof.

Okay. Wie sieht dein perfekter Samstag aus?

Den Anschlussflug kriegen. Von Gig A zu Gig B.

Wann hast du dir nach einer heftigen Nacht das letzte Mal gedacht „Boar, nie wieder Alkohol“?

Das ist schon sehr lange her. Meine Jugendjahre waren sehr wild. Mittlerweile habe ich mich sehr gut im Griff. Bei einer Show trinkt man zwei Wasser und gut is’.

Wasser trinkt jetzt aber nicht jeder.

Nee, das stimmt. Aber nur so bekommt man auch seine hundertvierzig Shows im Jahr hin, ohne dass man dann im Januar in die Betty Ford muss.

Hast du Zeit für's Internet?

Ja. Ohne Netz keine E-Mails.

Gibt es eine bestimmte App, die dich glücklich macht?

Der OPlayer. Damit kann man gesondert Filme auf das iPad laden, die nicht über iTunes sind. Bei langen Flügen kann man dann bestimmte Serien, die es auf iTunes nicht gibt, mit dem OPlayer implementieren. Ist eine ganz feine Sache.

Kenne ich noch gar nicht. Gibt es einen bestimmten Geruch, den du gerne magst?

Den Geruch von alten Büchern. Das erinnert mich an meine Kindheit.

Besitzt du selber viele Bücher?

Ja, so drei- bis viertausend.

Das ist ordentlich. Hast du schon mal eine Diät gemacht?

Nee.

Würdest du mal eine machen?

Hatte ich jetzt nicht vor.

Wie sollte eine gute Club-Toilette riechen?

Nach Waschmittel.

Wann hast du das letzte Mal unter freiem Himmel geschlafen?

2003.

Was ist typisch Deutsch?

Pünktlichkeit.

Der härteste Job, den du jemals hattest?

Wasserrohrgrabung. Das ist unangenehm.

Wie lange hast du den Job gemacht?

Vier Monate. Auch Schweinehälften sägen war nicht so cool.

Jetzt bist du wahrscheinlich abgehärtet.

Man weiß auf jeden Fall, was das Leben so für andere zu bieten hat.

Bist du eher Fahrrad- oder Autofahrer?

Ich hab keinen Führerschein. Also Fahrradfahrer.

Würdest du dich eher als guten oder schlechten Fahrer bezeichnen?

Ich glaube, ich kann das sehr gut, aber für andere bin ich eine Plage. Ich bin sehr gewagt.

So wie die meisten in Berlin.

Ja.

Regt dich Politik auf?

Nö.

Wo kann man dich am besten stalken?

Wer das machen will, dem seien meine Tour-Termine empfohlen.

Wo findet man die?

Im Netz.

Auf deiner Homepage?

Bestimmt.

Danke.

Topman

Abonniert unseren Newsletter!

Drückt hier, um weitere verrückte Neuigkeiten über Musik zu lesen und drückt hier, um eigene Artikel und Fotos einzureichen. Oder folgt uns auf Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr und Pinterest, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Mister Spex

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu:

2 Kommentare