Montagsmonolog - Seit wann ist “Mann” ein Kompliment für erfolgreiche Frauen?

Ich sitze in der Küche, trinke meinen heißgeliebten Jasmintee, während die Aloe-Vera-Maske dabei ist, mein Gesicht in einen zarten Pfirsich zu verwandeln. Nachdem ich mir die Avocadoscheiben auf dem Teller…
Montagsmonolog

Seit wann ist “Mann” ein Kompliment für erfolgreiche Frauen?

Bildschirmfoto 2014-10-27 um 20.12.39

Ich sitze in der Küche, trinke meinen heißgeliebten Jasmintee, während die Aloe-Vera-Maske dabei ist, mein Gesicht in einen zarten Pfirsich zu verwandeln. Nachdem ich mir die Avocadoscheiben auf dem Teller drapiere, lasse ich den frisch aufgetragenen Nagellack trocknen und scrolle nebenbei durch meine Twittertimeline, um die Zeit mit neuestem Gossip, lustigen Katzenbildern und dem aktuellen Weltgeschehen zu überbrücken. Alle Klischees erfüllt. Wie so eine typische Frau. Und während ich am letzten Avocadostückchen kaue – ihr wisst, gesunde Fette und so – bleibt mir beim Anblick der Modeseite der FAZ Letzteres fast im Hals stecken. Guten Morgen.

Mann im Haus“ heißt der Artikel von Jennifer Wiebking, der sich mit der aktuellen Jobsituation von Virginie Courtin-Clarins befasst. Die Essenz? Ein Portrait der Enkelin des Clarins-Gründers, die schön, erfolgreich und – achtung! – klug ist. Wie ein richtiger Mann. Ernsthaft? Ich scrolle weiter, hoffe auf den rettenden Twist, der diesen dämlichen Vergleich wieder relativiert und zeigt, dass das Ganze mit einem ironischen Augenzwinkern versehen wurde. Nichts. Stattdessen wird nur betont, dass die Lady „der neue Mann im hause Thierry Mugler“ ist und weil das noch nicht genug war, noch schnell ihre Hausfrauen-Skills beleuchtet. Sicher ist sicher.

Hm. Was soll man dazu sagen? Eine neue Feminismus-Debatte vom Zaun brechen? Sich nichts dabei denken? Sich beschweren? Darüber schmunzeln? Nachfragen? Zumindest Letzteres ist auf Twitter passiert – bis heute keine Reaktion. Ob „Mann“ neuerdings ein Superlativ sei, die Steigerung von „Frau“ – „bessere Frau“, wollte ich wissen – und kam mir dabei irgendwie unfair vor. Einfach, weil ich Männer mag. Und Diskussionen wie diese oft implizieren, sie wären die ärgsten Feinde des emanzipierten X-Chromosoms.

Stimmt aber überhaupt nicht. Es ist nur rein zufällig kein Kompliment für uns, mit Alphamännchen verglichen zu werden. Oft sind wir Frauen es selbst, die es einfach nicht sein lassen können, sich an Männern zu messen, uns mit ihnen zu vergleichen und somit gar nicht anders, als versagen können. Weil wir nun mal nicht gleich sind, unterschiedliche Werte, Ziele und Fähigkeiten haben und niemals gleichgestellt sein werden. Was übrigens nicht mit Augehöhe zu verwechseln ist. Diese scheint beim dazugehörigen Facebook-Eintrag aber eh gerade Resturlaub genommen zu haben: “Wofür braucht man da eigentlich noch Männer als Manager?” Alles klar.

Ich weiß gar nicht, was mich dabei trauriger stimmt: Es sind Titel wie #Girlboss die erst mit dem “Girl” im Namen auch Frauen ansprechen. Es sind die „Qualitätsmedien“ wie die FAZ, auf die man sich im Notfall noch verlassen konnte, wenn „die anderen“ unglaublichen Mist von sich gaben. Es ist die Tatsache, dass dieser Artikel von einer Frau verfasst wurde. Es ist die Vermutung, dass das Ganze auch noch als Kompliment und somit gar nicht böse gemeint war. Schließlich sind Männer doch toll, was ist schon dabei?

Sind sie, keine Frage. Aber als Frau möchte ich für meine Verdienste und meine Arbeit gelobt und bewundert werden und nicht, weil ich an ein noch besseres – nämlich männliches – Ideal herankommen konnte. Kein Mann würde beim Vergleich mit einem Mädchen einen Freudentanz aufführen. Warum glaubt man also, dass sich weibliche Personen bei einer Gegenüberstellung mit dem anderen Geschlecht geehrt fühlen würden?

Vielleicht ist es ja irgendwann soweit. Bis dahin studiere ich, mache meinen Job, bezahle meine Miete und fahre meinen Wagen. Führe mein Leben und treffe meine eigenen Entscheidungen. Wie so eine richtige Frau eben.

Topman

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