Gegengedanken - Nach dem Snapchat-Hack: Sollten wir anderen Menschen Nacktfotos von uns schicken?

Mehr als hunderttausend gehackte Snapchat-Fotos wurden vor einigen Tagen ins Internet gestellt. Zwar waren die meisten davon vollkommen harmlos, hier ein kleiner Welpe, dort eine verbrannte Pizza, da drüben ein…
Gegengedanken

Nach dem Snapchat-Hack: Sollten wir anderen Menschen Nacktfotos von uns schicken?

Mehr als hunderttausend gehackte Snapchat-Fotos wurden vor einigen Tagen ins Internet gestellt. Zwar waren die meisten davon vollkommen harmlos, hier ein kleiner Welpe, dort eine verbrannte Pizza, da drüben ein epischer Sonnenuntergang, aber die ersten hobbylosen Nerds mit Hang zur krankhaften Notgeilheit haben bereits damit begonnen, sich durch den Haufen digitaler Scheiße zu wühlen, um die wenigen Nacktfotos, auch von so manchem Minderjährigen, herauszupicken.

Höchste Zeit also, dass sich Marcel und Leni in unserer überaus beliebten Rubrik “Gegengedanken” die heißeste Frage der aktuellen Stunde stellen: Sollten wir in Zeiten von Snapchat-Leaks, Dropbox-Hacks und Internet-Amateuren anderen Menschen wirklich noch Nacktfotos von uns schicken – oder die Klamotten doch einfach mal zur Abwechslung anbehalten?

Marcel: „Jeder verschickt Nacktfotos – und das ist auch gut so!“

Hose runter, Beine breit, Foto gemacht – und gesendet. Noch nie war es so einfach wie heute, Menschen auf der anderen Seite der Leitung glücklich zu machen – oder zu schockieren. Abhängig davon, wer der hoffentlich nicht allzu ahnungslose Empfänger ist, und was verschickt wurde. Vaginas, Brüste, Penisse – oh ja, jede Menge Penisse. Kleine und große, krumme und gerade.

Dem Smartphone sei Dank teilen pubertierende Chaoten und alle drumherum ihre intimsten Körperstellen mit Menschen, die sie womöglich erst seit ein paar Minuten kennen. Gegen Geld. Oder einfach so. Weil der Freund quengelt oder das Mädchen Zwinkersmileys verschickt, bei Tag und bei Nacht. Hauptsache die Auflösung ist gut und das Motiv noch besser.

Momentan gibt es genau drei Menschen auf diesem Planeten, die ein Foto von meinem Penis besitzen – und wissen, wer genau daran hängt. Eine Schokoladenkuchen liebende Studentin aus Stuttgart. Eine Extremsportarten betreibende Zahnarzthelferin aus München. Und eine Mathematik hassende Designerin aus Berlin. Und es ist mir vollkommen egal. Schließlich habe ich dafür auch etwas als Gegenleistung bekommen. Einiges. Und darauf kommt es schließlich bei der ganzen Sache an.

Deine Schwester macht es. Dein Lehrer macht es. Deine Eltern machen es. Sogar Jennifer Lawrence macht es. Natürlich verbietet es einem die Logik, sich die Klamotten vom Leib zu reißen und Fotos von seinen entblößten Genitalien zu machen. Wenn die an die Öffentlichkeit gelangen, ist schließlich eure Karriere bei der Bank vorbei. Und eure Schulkameraden liegen vor Lachen auf dem Boden. Und euer Nachbar onaniert dazu, bis er ohnmächtig, leer und einem Herzinfarkt nahe ist.

Aber womöglich liegt genau hier der Fehler. Wir alle haben einen Körper und wir alle wissen das. Und niemand ist so richtig zufrieden mit dem Teil. Wir sind zu fett oder zu dünn, haben hier Pickel und dort Haare, hier Ausschlag und dort Narben. Wir alle masturbieren oder onanieren oder probieren gerne Dinge aus, die so nicht mal in der BRAVO gestanden hätten.

Warum sollte also das Leben eines Menschen schlagartig vorbei sein, nur weil eine Wahrheit an die Öffentlichkeit gelangte, die von vornherein klar war: Nämlich dass wir Menschen sind. Mit Körpern. Und Fehlern. Die eine knappe Hälfte hat einen Penis. Die andere eine Vagina. Und manche sogar beides. Wir haben Sex. Mit anderen Angehörigen unserer Spezies. Oder mit uns selbst. Oder mit tauglichen Alltagsgegenständen. Jede Menge. Das sind doch nun wirklich keine bahnbrechenden Neuigkeiten.

Und selbst wenn aus unerfindlichen Gründen Videos von euch auf den Handys eurer Freunde landen, wie ihr mit riesigen Auberginen in euren Körperöffnungen die Nationalhymne von Aserbaidschan steppt und euch dabei mit abgelaufenem Joghurt einsaut, dann ist jeder, der darüber lacht oder euch ein baldiges Ende wünscht, einfach ein verklemmtes Arschloch, das es niemals über die Missionarsstellung in einem dunklen Raum hinausschaffen wird. Wenn überhaupt.

Es ist vollkommen egal, ob ihr intime Fotos an euren langjährigen Freund schickt oder euch in irgendwelchen Massenchatrooms fingernd vor die Kamera setzt – seid euch ständig im Klaren darüber, dass diese Aufnahmen immer auftauchen könnten. Irgendwo. Irgendwann. Wenn sie nicht absichtlich veröffentlicht werden, dann eben durch einen weiteren Hack oder einen notgeilen Geheimdienstmitarbeiter oder eine eifersüchtige Freundin – oder auch durch pures Versehen.

Falls ihr das partout nicht wollt, dann lasst eure Klamotten lieber an und das iPhone in der Tasche. Allen anderen können wir hier sowieso erzählen, was auch immer wir wollen. Während wir nämlich gerade so nett am Plaudern sind, wechseln abertausende Bilder von entblößten Geschlechtsteilen die Besitzer. Und das ist auch gut so. Deine Schwester macht es. Dein Lehrer macht es. Deine Eltern machen es. Und du machst es auch. Hose runter, Beine breit, Foto gemacht – und gesendet.

Leni: „Wen interessiert es bitte, wie ihr nackt ausseht?“

Hose runter, Beine breit, Handy raus… oh warte! Herzlichen Glückwunsch, du bist gerade dabei, den Beweis für die Fehlerhaftigkeit der Evolution zu erbringen, das lebende Beispiel dafür zu werden, dass Menschen tatsächlich nur einen Bruchteil ihrer Gehirnkapazität nutzen und dich zum Vollhorst zu machen, aber das nur ganz nebenbei.

Geschlechtsteile mit den Handy fotografieren. Wow. Das haut einen ja glatt um. Wie innovativ, hast du das studiert? Ob du nun ein wunderschönes Elfen-Mädchen aus Berlin Mitte oder ein etwas – und das wirklich alle Körperstellen betreffend – zu klein geratener Biobauer bist, eine Frage geht mir einfach nicht aus dem Kopf: Wozu? Wen interessiert es, wie deine glattgewaxte Bikinizone, dein kleiner Freund oder deine prallen Brüste so ganz unverhüllt aussehen?

Okay, eigentlich liegt die Antwort auf der Hand: alle, die dich entweder geil finden oder dir schaden wollen. Und die Letzteren, ja, sie sind der Grund, warum in Eigenregie entstandene Amateur-Nacktshootings völliger Bullshit sind.

Wir reden jetzt auch gar nicht von den schön inszenierten, erotischen Bildern, die man ab und zu für den Partner – oder nicht ganz so privat auch für den Playboy macht. Photoshop, Assistenten und Unmengen von Körper-Make-Up machen es möglich, dass beim Anblick dieser Bilder das Herzchen schneller schlägt und sich die Pupillen weiten. Aber so ein Genital-Schnappschuss?

Sieht so etwas denn jemals gut aus? Den Beweis haben uns ja letztens Jennifer Lawrence, Kate Upton & Co geliefert: es war eher zum Fremdschämen. Selbst bei Jennifer Lawrence und Kate Upton. Nennt mich ruhig verklemmtes Arschloch (sagt man so etwas zu Mädchen?), aber intime Momente sollten meiner Meinung nach auch wirklich intim bleiben.

Es geht doch um den Moment, um das Erlebnis – wenn man sich auszieht, sich anfasst, sich gegenseitig wunderschön findet – egal, ob man nun mit Modelmaßen oder dem ein oder anderen Speckröllchen gesegnet wurde. Das alles auf Fotos festzuhalten, nimmt dem Ganzen die Magie weg, versucht das zu konservieren, was nun mal nicht gespeichert werden kann, und wenn doch, dann nur in Form eines plumpen 2D-Bildchens.

Und ich fange gar nicht erst damit an, dass genau dieses nicht immer dort bleibt, wo es hingehört. Wenn man von drei Menschen ausgeht, die im Besitz des eigenen, im Suff gemachten Schnappschusses vom Allerwertesten sind, dann kann man diese Zahl gleich mit der Menge aller schaulustigen Freunde des Empfängers multiplizieren.

Klar, wir alle sehen nackt mehr oder weniger gleich aus und es ist überhaupt nichts dabei, sich im nächsten Narzissmus-Anfall räkelnd im Bett abzulichten. Aber ich persönlich hätte irgendwie keine Lust darauf, dass das Ergebnis dieser kleinen Fotosession in die falschen Hände gerät. Also Hose runter, Beine breit – und das Handy aus.

ASOS

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